Der geheime Geheimdienst von Scientology – zwölfter Teil …

Fotos links: Tommy Davis, „Internationaler Sprecher“ von Scientology - Foto rechts: Tommy Davis mit Kathie Holmes, Tom Cruise und seinem Tattoo der paramilitärischen „Sea Org“ …

Dem aufmerksamen Leser ist natürlich nicht entgangen, dass ich bei meiner gestrigen Aufzählung der verschiedenen Sections – im Guardian Office hießen sie noch Bureaus – die Social Reform Section nicht behandelt habe. Bedingt durch einen Todesfall, der sich erst vor wenigen Wochen in einer dieser „Reform-Einrichtungen“ ereignet hat, brachte es dieser tragische Umstand mit sich, einiges an Recherche zu unternehmen und die entsprechende Abhandlung umzuarbeiten – ich werde daher erst in meinem übernächsten Blog auf diese Social Reform Section eingehen.

Bis dahin noch einige Details zur „Zusammenarbeit“ der anderen Sections des Büro für Spezielle Angelegenheiten.

Nach dem Abgang von Mike Rinder war es Tommy Davis, Sohn der US-Schauspielerin Anne Archer und Freund von Tom Cruise, der als Internationaler Sprecher von Scientology auftrat. Darüber hinaus dürfte er Mitglied der paramilitärischen Sea Org sein – zumindest ließ er sich deren Logo tätowieren. Der Scientology-Sprecher hat dabei – auch in den USA – in erster Linie die Aufgabe, zu einzelnen Vorwürfen oder hinsichtlich bestimmter Themengebiete „Stellung“ zu nehmen. Sehr oft geht es dabei um die Geheimstufen von Scientology – die sogenannten OT-Stufen – und da wird gemäß TR L ganz ungeniert gelogen, wie das folgende Video zeigt (Die Zusatzkommentare stammen von Anonymous) …

Manchmal nützt das wenig, wenn der Reporter nachhakt und da bleibt Tommy Davis dann nur der Abgang …

Mittlerweile ist Tommy Davis schon seit einiger Zeit nicht mehr präsent, ihn dürfte ein heimlich mitgeschnittenes Tonband die „Einweisung“ in das sekteneigene Straflager Rehabilitation Project Force eingebracht haben. In diesem Gespräch ging es darum, einem Scientologen „nahe zu legen“, sich von einem Scientology-Feind, einem ehemaligen Scientologen, zu trennen – oder man würde selbst zum Unterdrücker erklärt. Das Tondokument – es besteht aus mehreren Teilen – findet man in einem Artikel der Village Voice

In einem CNN-Interview stritt Davis zuvor die Praxis der Disconnection innerhalb von Scientology – fast möchte man sagen: natürlich – ab …

Davis wird bzw. wurde aber erst aktiv, wenn die davor gesetzten Maßnahmen nichts fruchteten. Üblicherweise läuft es so: Scientology versucht – sofern sie es wissen, was insofern wahrscheinlich ist, da seriöse Medien offen vorgehen und auch Scientology selbst einbeziehen – als Erstes, einen Bericht oder eine TV-Dokumentation zu verhindern. Dabei wird einerseits die Legal Section aktiv und andererseits Investigation, die sich „bemüht“, entsprechende “Munition” dagegen zu finden. Beides gelingt in Europa selten bis nie.

Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, was dies bedeutet. Nachdem 2005 bei einer großen Talksendung im deutschen Fernsehen das Thema Scientology behandelt werden sollte und dazu auch ein Scientologysprecher eingeladen wurde, wusste Scientology natürlich darüber Bescheid. Nachdem sich das Sendungskonzept geändert hatte und nun doch kein Scientologe zu Wort kommen sollte, wurde meine Ex-Frau – Scientologin und OT – samt meinen in den USA lebenden Kindern (die keine Scientologen sind) zu einem Anwalt geschleppt, um Eidesstattliche Erklärungen in Bezug auf meine Person abzugeben.

Das ganze Konvolut an konstruierten Aussagen wurde danach bis zum Intendanten des Senders gesandt, um die Sendung zu verhindern. Die Sendung lief dann planmäßig und schlagartig kehrte auch wieder Ruhe ein, das Büro für Spezielle Angelegenheiten wartete auf die nächste Möglichkeit ihrer Art der „Intervention“.

Die Scientology-Zeitschrift „Freedom“ (in Deutschland, der Schweiz und Österreich: „Freiheit“) …

Während es in meinem Fall eine Einzelaktion war, bekommen „notorische Feinde“ von Scientology, wie CNN, BBC, THE NEW YORKER, ehemalige Sea Org-Executives oder in Deutschland DER SPIEGEL, die Ex-Minister Blüm und Beckstein oder Ursula Caberta, eine eigene Zeitschriften „gewidmet“: das Scientologypamphlet heißt Freedom bzw. Freiheit, obwohl Scientologen jede Ironie normalerweise fremd ist.
In diesen werden die „Ergebnisse“ der Investigation Section aufbereitet – milde ausgedrückt: aufgeblasen und zurechtgebogen. Wobei es dabei nicht um die Wahrheit geht, sondern darum, sie so zu verdrehen, dass daraus der Eindruck entsteht, dass diese Medien, Personen usw. aus lauter bösartigem Eigennutz Scientology angreifen würden. Diese „Sonderausgaben“ werden nicht nur in hoher Auflage gedruckt und verteilt, sondern stehen auch im Internet.
Am Beispiel der BBC und dessen Reporter John Sweeney lässt sich dies sehr gut illustrieren. Sweeny drehte 2007 für PANORAMA einen Bericht über Scientology, war dazu auch in den USA und wurde von Tommy Davis „begleitet“ – und seinerseits gefilmt. Sinn und Zweck der Übung: ihn zu irritieren. Gleichzeit war Investigation aktiv, spionierte an Sweenys Wohnort, bei seinen Nachbarn usw. – konnte aber nichts finden, das man gegen ihn einsetzen konnte. Auch Legal sah keine Handhabe, den BBC-Bericht zu verhindern, also setzte man auf Public Relations – der anderen Art. Und diese führte zu einem überraschenden Ergebnis: trotz jahrelanger Erfahrung mit Despoten aller Weltgegenden verlor Sweeny die Beherrschung und brüllte Davis irgendwann an – und nachdem er von OSA immer gefilmt worden war, ist natürlich dieser Ausraster Sweenys im Bild und wurde von OSA blitzschnell auf DVD gepresst und in Umlauf gebracht. John Travolta schrieb dazu einen Offenen Brief an die Medien und verlangte Sweenys Ablösung als Reporter. Machen Sie sich selbst ein Bild der Vorgänge …

Sweenys Ausraster aus Scientology-Sicht:

Dokumentation der BBC, wie es zu diesem Ausraster kam:

Und hier der komplette BBC-PANORAMA-Beitrag Scientology and Me:

Der u.a. mit dem Emmy Award ausgezeichnete BBC-Journalist John Sweeny wünschte sich nach dieser Erfahrung mit Scientology „in den Kofferraum eines Autos zurück, verfolgt von Mugabes Schergen“.

Shawn Lonsdale, den Sweeny zuvor noch interviewt hatte, wurde einige Monate später tot in seinem Haus aufgefunden. Angeblich war er erstickt, hatte sich umgebracht – was sehr viele bezweifeln. Ganz sicher war er Kritiker von Scientology, der direkt in Scientologys Hauptquartier, Clearwater, Florida, lebte. Der Schweizer Blick formulierte es folgendermaßen: „Die Sekte machte das Leben des Mannes zur Hölle.“

Fotos: Scientologypublikationen (8)