Selbstdarstellung der Scientology-„Religion“ in deren Machwerk „Handbuch für den Ehrenamtlichen Geistlichen“ – natürlich ganz oben und über allem stehend …
Seit Beginn der 90er-Jahre operiert Scientology verstärkt als „Religion“ bzw. „Kirche“. 1993 bekam Scientology dies vom amerikanischen Internal Revenue Service (IRS – US-Finanzbehörde) quasi amtlich in deren Steuerbefreiung bestätigt. Seither laufen die Scientologen Land auf, Land ab und schreien Religionsverfolgung usw., wenn jemand kritische Worte zu ihrem totalitäten Kult findet.
Mir begegnet diese Argumentation gerade in meinem Prozess, den Scientology gegen mich führt – dabei geht es um die Veröffentlich der geleakten Emails von Scientology. Ihr Anwalt schreibt in seiner Klage: „Letztlich wurde in diesem Zusammenhang auch vorgebracht, dass eine Gefährdung insofern gegeben ist, als in das besonders geschützte Recht auf Religionsfreiheit eingegriffen wird …“.
Aber auch die Medien tun sich schwer, wie sie Scientology nun bezeichnen sollen und sprechen zunehmend von „Kirche“ oder „Religion“.
Dabei wäre diese Frage ganz einfach zu klären bzw. zu entgegnen. Dazu ein kurzer geschichtlicher Abriss und einige Dokumente dazu …
Nachdem L. Ron Hubbard 1950 sein Buch Dianetik veröffentlicht hatte, mussten sich in weiterer Folge immer mehr „Dianetiker“ den Vorwurf der Kurpfuscherei gefallen lassen, da sie als „Seelen-Ärzte“ auftraten, ohne eine adäquate Ausbildung genossen zu haben.
Hubbard, der mittlerweile Dianetik in Scientology verwandelt hatte, schaffte dem „Abhilfe“, indem er mehrere Kirchen gründete, wobei man dazusagen muss, dass eine Kirche in den USA zu gründen, in etwa so kompliziert ist, wie hierzulande ein Auto anzumelden.
Hubbard meldete sicherheitshalber gleich drei Kirchen an: Am 21. Dezember 1953 The Church of American Science und The Church of Scientology, im Januar 1954 dann noch The Church of Spiritual Engeneering. Bei diesen „Kirchen“ fungierten L. Ron Hubbard selbst, sein Sohn Ron jr., dessen Ehefrau Henrietta, John Galusha, Barbara Bryan und Verna Greenough als Gründungsmitglieder.
Hier die Dokumente dazu (aus dem Buch von Tom Voltz) …
Ein Schreiben Hubbards, verfasst am 10. März 1954, in dem er u.a. feststellte, dass man nun in Scientology entweder „Doktor der Scientology, Doktor der Theologie oder Psychoanalytiker nach Freud“ werden konnte, gab die Richtung vor, als betonte, dass „aufgrund der rechtlichen Situation an verschiedenen Orten die Scientology-Kirche in solchen Gebieten der sicherste Tipp [ist]“.
Dabei waren die Aussagen Hubbards zu Religion ziemlich eindeutig: „Religion ist immer etwas ganz anderes als Wahrheit. Es muss so sein, da der einzige Weg, den Menschen zu kontrollieren, darin besteht, ihn anzulügen. … Das ist der einzige Mechanismus der Kontrolle.“
In seinem Buch Das Schaffen menschlicher Fähigkeit (The Creation of Human Ability) fasste Hubbard 1954 seine Vorgaben zu Scientology und Religion zusammen: „Scientology hat die Tore zu einer besseren Welt geöffnet. Sie ist weder eine Psychotherapie, noch eine Religion“.
Hier die Seite 251 des Buches …
Und als PDF …
Das Buch selbst war bis in die 80er-Jahre unverändert erhältlich – danach „änderte“ es sich: Ein Teil des Satzes verschwand und lautet nun (Ausgabe 2007) “Scientology hat die Tore zu einer besseren Welt geöffnet. Sie ist keine Psychotherapie.” …
Themenwechsel: In Holland scheint die Steuerbefreiung für Scientology ziemlich heftig ins Wanken zu geraten, wenn sie nicht schon gefallen ist.
Zur Vorgeschichte: Bis 2004 versuchte Scientology Holland die Steuerbefreiung zu erlangen, was aber misslang, da der „Öffentliche Nutzen“-Test des holländischen Finanzamtes nicht bestanden wurde. Danach gründete Scientology die Fake-Foundation NABESA, bündelte ihre Aktivitäten, wie „NARCONON“, „Jugend für Menschenrechte“ und „Der Weg zum Glücklichsein“, dort und erhielt die Steuerbefreiung.
Nachdem bekannt geworden war, dass über die steuerbefreite NABESA auch Gelder für die Ideale Org geflossen waren, scheint NABESA ihren Status wieder verloren zu haben. Die private Seite ANBI, die spendenwürdige Institutionen auflistet, führt zwar einzelne „Aktivitäten“ von Scientology nach wie vor auf, die „Foundation“ NABESA scheint nicht mehr auf.
Am 3. Juli 2012 sah man NABESA noch, …
Eine Woche später konnte das ANBI-Portal nichts mehr finden.
Wie es aussieht, reagierte die holländische Finanzbehörde.
Fotos: Scientology-Publikation, Screenshots (3)



Also wenn ich gewußt hätte, dass die von der Scientologen-Mafia sind, hättens bei mir in Wien keinen Auftrag bekommen.
Muß ma was überlegen um die künftig entsprechend zu handhaben…
ML Michael
Lesen Sie:
http://www.zeit.de/2008/13/Scientologen
sowie
http://www.furche.at/system/downloads.php?do=file&id=1086