Eilmeldung: Hat sich Sektenchef David Miscavige bzw. Scientology die “Los Angeles Times” gekauft?

Tony Ortega schrieb heute einen Artikel in der Village Voice, der sich mit einem seltsamen 3-Seiten-Interview in der Los Angeles Times beschäftigte, dass sich weniger nach einem journalistisch geführten Interview, dafür aber mehr um eine Verlautbarung des Büro für Spezielle Angelegenheiten anhört – hier der Artikel.

Eine als Laurie Hamilton vorgestellte Person darf dabei ihre Position in Bezug auf Fragen wie „Betrachtet Scientology sich selbst als Religion?“, „Können Sie uns über die heutige Rolle von L. Ron Hubbard erzählen?”, „Denken Sie, dass Scientology geheimnisvoll [undurchschaubar]ist?“, „Was ist ARC?” usw. – hier das ganze Interview zum Nachlesen.

Was dem interessierten Leser sofort auffallen wird: Die Antworten scheinen dem „Propagandaministerium“ von Scientology – eben dem Büro für Spezielle Angelegenheiten (OSA) – zu entspringen und wurden in der Form noch von keinem seriösen US-Medium gebracht. Bisher verhielt es sich in den USA so, dass sich einzelne Medien kritisch mit Scientology auseinandersetzten – oder schwiegen.

Zentrale der Los Angeles Times ...

Sieht man sich die Los Angeles Times etwas näher an, erfährt man z.B. laut Wikipedia folgendes: „Die LA Times war zunächst eine streng konservative, republikanische Zeitung. Die Chandler-Dynastie führte die Times bis in die 80er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts. In den 60er-Jahren änderte sich auch die politische Ausrichtung der Zeitung hin zu einer liberaleren Haltung.
2000 wurde die LA Times von der Tribune Company übernommen, einem der größten amerikanischen Medienkonzerne. Dennoch hat die LA Times in den letzten Jahren mit einer rückläufigen Auflage zu kämpfen, ist jedoch weiterhin eine der angesehensten Zeitungen des Landes. Allein 2004 gewann das Blatt fünf Pulitzer-Preise und wurde damit lediglich von der New York Times übertroffen.“

Fest steht, dass die Los Angeles Times für das Scientology-Interview ganz sicher keinen Pulitzer-Preis gewinnen wird!

Am 21. August 2007 hatten die Aktionäre der Tribune Company für einen Verkauf an den Multimilliardär und Immobilienunternehmer Sam Zell gestimmt. Der 71-jährige Zell wiederum ist gemäß Wikipedia “Mitgründer und Vorsitzender des US-amerikanischen Investmentunternehmens Equity Group Investments. Nach der Liste des US-amerikanischen Magazins Forbes wird Zell an 52. Stelle der reichsten US-Amerikaner mit einem Privatvermögen von rund 6 Milliarden Dollar geführt. Gemeinsam mit Robert Lurie gründete er nach seiner Universitätszeit das Unternehmen Equity Group Investments, LLC, das die drei Tochterunternehmen Equity Residential (großer Eigner von Apartments in den Vereinigten Staaten), Equity Office Properties (großer Eigner von Büros in den Vereinigten Staaten) und Manufactured Home Communites kontrolliert”.

Zählt man jetzt spekulativ Eins und Eins zusammen, indem man u.a. die in den USA gegebene Immobilienkrise miteinkalkuliert, könnte man sich schon vorstellen, dass Scientology entweder ein als Artikel getarntes Inserat gekauft hat – oder gleich die ganze Zeitung!

Sun Myung Moon und Ehefrau ...

David Miscavige wäre aber nicht der erste Sektenführer, der sich ein Leibblatt zulegt. Vor ihm war es Sun Myung Moon von der auch bei uns bekannten Vereinigungskirche (auch als „Moonies“ bekannt – Moon lässt sich als Messias feiern, Massenhochzeiten usw.), der 1982 die Washington Times gründete und sich bis heute als “konservativer” Gegenpol zur Washington Post auf dem Markt hält.

Dass er dabei Positionen der Vereinigungskirche einfließen lässt, behaupten selbstverständlich nur Gegner. Der ehemalige US-Präsident Ronald Reagan war voll des Lobes, als er bemerkte, dass „die Amerikaner dank der Washington Times die Wahrheit wüssten“.

Fest steht, dass zwischen Vereinigungskirche und Scientology von jeher ein enger „Gedankenaustausch“ stattfand bzw. –findet.

David Miscavige ...

Abschließend bleiben dann nur die dabei anwendbaren “Zielvorgaben” von Scientology festzustellen, die in das „Szenario“ passen:

„Ziel 2: Kontrollübernahme oder Ergebenheit der Leiter oder der Eigentümer aller Nachrichtenmedien.
Ziel 3: Kontrollübernahme oder Ergebenheit wichtiger politischer Persönlichkeiten.
Ziel 7: Das Nutzen … ähnlicher Gruppierungen als Verbündete.“

Nachzulesen sind sie in meinem Buch Das wahre Gesicht von Scientology (Das Buch steht kostenlos als PDF auf dieser Seite).

Von der Tragweite her würde die Scheidung vom Cruise und Holmes zur Randnotiz, wenn dies zuträfe …

Fotos: Sun Nation, Franklin Avenue, Wikipedia, Scientologypublikation

Ein Gedanke zu “Eilmeldung: Hat sich Sektenchef David Miscavige bzw. Scientology die “Los Angeles Times” gekauft?

  1. Ich hoffe ja nicht, dass die L. A. Times sich wirklich kaufen ließ. Der Artikel bzw. das “Interview” ist tatsächlich sehr, sehr grenzwertig. Man könnte großzügig sein und sagen, dass vom Autor nicht direkt für Scientology Partei ergriffen wird. Nur leider ist das, was nicht gesagt und verschwiegen wird, oft genauso entscheidend. Und hier eine Plattform auf diese Art zu bieten, das war zu viel des Guten und erinnert an eine Werbebroschüre. So viel zum Thema unabhängiger Journalismus… Wäre im Übrigen schön, wenn alle Scientologen und deren Fürsprecher mit einem Fingerschnippen “aufwachen” würden. Aber das ist leider nicht so einfach.

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