In den USA vom Gericht bestätigt und gutgeheißen: Sklavenarbeit und erzwungene Abtreibung bei Scientology bzw. deren “Sea Org” …

David Miscavige (im Vordergrund) und seine parmilitärische „Sea Org“ …

Der Spruch des kalifornischen Berufungsgerichts dürfte David Miscavige sehr erfreut haben: Endlich sieht auch jemand anderer die Welt so wie er sie sieht. Und noch dazu ein Gericht. Es ging bei dem Prozess darum, dass Claire und Marc Headley die Scientology-„Kirche“ wegen Sklavenarbeit und erzwungener Abtreibung verklagt hatten. Die Headleys verloren in erster Instanz, beriefen und auch die Berufungsinstanz urteilte im Sinne von Scientology.

Die wesentlichsten Passagen aus dem Urteil:

“Dieser Fall beschäftigt sich mit der Scientology-Kirche International (The Church) und seinem Bestandteil Sea Organization (oder Sea Org). …

Scientology verfolgt als Ziel, die Lehren [L. Ron] Hubbard´s zu verbreiten, um damit den ‚Planeten zu klären‘. Diese Angelegenheit ist in starkem Ausmaß der Sea Org anvertraut.

Die Beschränkungen des Lebensstils in der Sea Org beinhalten strenge Regeln hinsichtlich der Kommunikation nach außen, Heirat und Kindern.

Als Teil der Disziplin und Regeln wird die Post von Sea Org-Mitgliedern zensuriert, und ihre Telefongespräche werden abgehört.

Weil es das Sea Org-Leben erforderlich machen kann, dass ein Mitglied seinen Dienst auf unbestimmte Zeit an irgendeinem Ort der Welt zu versehen hat, verbietet die Sea Org ihren Mitgliedern, dass sie Kinder haben, solange sie in der Sea Org sind. Ein Sea Org-Mitglied, welches sich für ein Kind entscheidet, muss die Sea Org verlassen (kann aber weiterhin für Scientology arbeiten). Mitarbeiter im Religious Technology Center [RTC] (The Center) von Scientology – welches die herkömmlichen Praktiken von Scientology fördert -, dürfen nur andere [RTC] Center-Mitglieder heiraten. …

Das geforderte asketische Leben ist nicht für jedermann – und nicht einmal für viele von denen, welche das Sea Org-Training und die Vorbereitungen durchmachen. Aus diesem Grunde wird von Mitgliedern des Öfteren gewünscht, die Sea Org für ein halbwegs normales Leben zu verlassen. Ein Mitglied kann sein Gelübde zurückziehen und die Sea Org mit Hilfe einer Prozedur, die ‚Routing out‘ genannt wird, verlassen. …

Einige Scientologen verlassen die Sea Org ohne ‘Routing out’ – eine Praxis, die als ‚Davonlaufen‘ (blowing) bekannt ist – die Sea Org versucht aber, ihre Mitglieder davon abzuhalten. Wenn ein Mitglied ohne ‚Routing out‘ verschwindet, können sich andere Mitglieder zusammenschließen, um zu versuchen, dieses Mitglied zu finden und zu überzeugen, wieder in die Sea Org zurückzukehren. Scientologen glauben, dass dieses Bestreben – als ‚Blow drill‘ bekannt – wesentlich ist für ihre Bemühungen, den ‚Planeten zu klären‘ und ihren Mitgliedern (sogar den abtrünnigen) dabei zu helfen, ihr Seelenheil zu finden. Das ist der Scientology-Kirche so wichtig, dass ein davongelaufenes Mitglied bestraft werden kann, wenn es zurückkommt oder als “unterdrückerische Person” (SP) erklärt werden kann. Wenn man zur ‚Unterdrückerischen Person‘ erklärt wird, ist das einer Verbannung oder Ausstoßung gleichzusetzen und kann für das davongelaufene Mitglieder dazu führen, den Kontakt zu Familie oder Freunden zu verlieren.”

Was sich wie ein Text von Scientology-OSA anhört, ist das Urteil eines US-Gerichts, das damit eine Judikatur schafft, die dem „System“ Sea Org Tür und Tor öffnet und jedes „Vorgehen“ rechtfertigt!

Auf einzelne Verbrechen oder Vergehen wurde nicht eingegangen, die Headleys hätten ja über all die Jahre genug Möglichkeiten gehabt, zu gehen und Scientology hätte dafür sogar eine eigenes „Verfahren“ eingerichtet – so das Gericht.

Tenor des Gerichts: „Religiöse“ Freiheit, auch wenn dabei Menschenrechte schwerst verletzt werden!

Der Widerspruch scheint dem Gericht nicht aufzufallen, – hier das komplette Urteil …

Womit wieder ein Schrittchen hin auf jene Welt gemacht wäre, die George Orwell in seinem Buch 1984 beschreibt …

Hier noch zwei Artikel in der Village Voice und der Los Angeles Times.

Foto: Scientologypublikation

4 Gedanken zu “In den USA vom Gericht bestätigt und gutgeheißen: Sklavenarbeit und erzwungene Abtreibung bei Scientology bzw. deren “Sea Org” …

  1. Da kann man nur hoffen, dass die Headleys in die nächste Instanz gehen und diese das anders sieht. Manche Menschen haben wirklich ein merkwürdiges Weltbild.

  2. Naja, das schockiert mich jetzt gar nicht wirklich, wenn man sich anschaut wie Staatsanwaltschaften und Gerichte in Österreich mit Verbrechen der römisch katholischen Kirche umgehen (Kindermißbrauch, Vergewaltigungen, Mißhandlungen in Kinderheimen usw.).

    Die sehen diese SeaOrg scheinbar als eine Art von “Kloster” und nachdem die Thetanenzauberer dort ja als Religion anerkannt sind können die ihr Kloster betreiben wie sie wollen. Damit ist ja mal der Hungerlohn, Ehevorschriften usw. ok, aber der Abtreibungszwang, die Freiheitsberaubung, Nötigung und alles was dieser BlowDrill mit sich bringt sind ja strafbare Handlungen die auch hinter Klostermauern nicht toleriert werden können. Aber wenn man sich anschaut was die unteren Instanzen in der US-Rechtssprechung schon alles produziert haben dann wundert mich das nicht mehr. Und außerdem stellt sich die Frage wie weit die Alien-Flüsterer das US-Justizsystem schon unterwandert haben.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>