Nachdem sich in den letzten Wochen die Gerüchte wieder einmal verdichteten, komme ich auch nicht darum herum, mich mit der Angelegenheit auseinanderzusetzen: Frank Stronach, der den MAGNA-Konzern (im Automobilbereich tätig) gegründet hatte, soll Mitglied von Scientology sein.
Der MAGNA-Konzern stand in der Vergangenheit schon des Öfteren unter Verdacht, Scientology nahezustehen bzw. von Scientology Gelder erhalten zu haben. Und nachdem Frank Stronach sich im Moment anschickt, eine Partei in Österreich zu gründen und bei der Nationalratswahl 2013 anzutreten, wurde der Scientology-Verdacht auch gleich auf seine Person ausgeweitet.
Am konkretesten wurde dabei Zur Zeit, ein österreichisches Rechtsaußen-Magazin, das auf Seite 11 unter der Überschrift „Des Scientologen neue Kleider“ folgendes schrieb: „Als problematisch sehen Kritiker auch seine Zugehörigkeit zu Scientology. Die Sekte gilt als machthungrig und immer darauf bedacht, entsprechenden Einfluss auf Wirtschaft und Politik zu haben.”
Andere Medien polemisierten oder gaben Stronach die Möglichkeit, sich reinzuwaschen, ohne auf das Tatsächliche näher einzugehen.
Ein Detail am Rande: Die FPÖ, in deren Dunstfeld Zur Zeit erscheint, würde bei einem möglichen Antreten Stronachs die meisten Wähler an eben diesen abgeben müssen, hat also mehr als nur ein Eigeninteresse, da dieser in den gleichen bzw. ähnlichen Wählerschichten „zur Ernte ansetzt“.
Ist er oder sein Unternehmen MAGNA nun bei Scientology oder nicht?
Aus meiner Sicht: Nein!
In all den Jahren und auch heute gab bzw. gibt es keinen einzigen Beweis für eine Mitgliedschaft von Frank Stronach. Und das ist der einzig relevante Punkt!
Mich erinnert das Ganze an die sogenannte Warsteiner-Kampagne, die in den 90er-Jahren in Deutschland ablief. 1994 tauchten Gerüchte auf, nach denen die Warsteiner-Brauerei mit der Scientology-Sekte in Verbindung stehen soll. Diese Gerüchte verbreiteten sich in den darauf folgenden Jahren in ganz Deutschland – niemand kannte deren Ausgangspunkt, noch wurden je Fakten präsentiert. 1994 und 1997 versuchte Warsteiner mit ganzseitigen Anzeigen, sich gegen diese Rufmordkampagne zur Wehr zu setzen. Ab 1995 verzeichnete das Unternehmen erhebliche Umsatzeinbußen und verlor seine Nummer 1-Position.
Rehabilitiert wurde Warsteiner erst 2010, als das NDR-Magazin Zapp unter dem Titel “Perfide Public Relations verdeckt aus dem Hinterhalt” die Gerüchte um Warsteiner als Beispiel für eine gezielte Rufmordkampagne hernahm.
Und nachdem sich der Sonntag dazu anbietet, jenes selbst schon ins Kulthafte driftende ZIB 2-Interview von und mit Frank Stronach …
Im Übrigen halte ich es beim Thema Stronach mit Voltaire: „Ich verabscheue was sie sagen, aber ich werde das Recht, es zu sagen, bis zum Tod verteidigen.“
Foto: Screenshot

