Seit im Juli 2012 der Tod von Stacy Murphy in der Scientology-Einrichtung NARCONON-Arrowhead bekannt geworden war, ermittelten nicht nur die Behörden, sondern auch immer mehr Medien nahmen sich des Skandals an.
NARCONON-Arrowhead ist die Vorzeigeeinrichtung von Scientology und die jüngsten Todesfälle in den letzten Monaten – Daniel Graves, Hillary Holten und Stacy Murphy – bewirkten ein Umdenken der Behörden und als erstes großes US-Network war es NBC, die sich des Themas annahm. In deren Sendung Rock Center wurde auf weitere Details der Todesfälle eingegangen und die Eltern der Toten interviewt.
Eines der wesentlichsten dieser Details war die Tatsache, dass das Personal von NARCONON-Arrowhead über keine adäquate Ausbildung im Umgang mit Drogensüchtigen verfügt.
Als einziger Arzt konnte Roger Leon Wadley ausfindig gemacht werden, der seinerseits bereits wegen Betrugs im Gesundheitswesen verurteilt worden war.
Hier der NBC-Bericht vom 17. August 2012 in einer Youtube-Version …
Falls das eingebettete Video nicht funktionieren sollte, hier der direkte Link zum NARCONON-Betrag von NBC Rock Center.
In einem weiteren aktuellen Bericht des regionalen Senders Fox 25 News Oklahoma wurde über eine Gesetzesinitiative im Hinblick auf NARCONON-Arrowhead berichtet, die von Senator Tom Ivester angestrengt wird – hier der Bericht …
Auch auf der anderen Seite des Globus’ griff die australische Sendung Sunrise den NARCONON-Skandal auf …
Von den Printmedien berichteten u.a. die britische Daily Mail und die amerikanische New York Daily Mail darüber …
Von den deutschen Medien griff u.a. SPIEGEL ONLINE am 17. August 2012 das Thema auf: „Drei Tote in den letzten zehn Monaten – in einer Drogenentzugs-Klinik im US-Staat Oklahoma mehren sich mysteriöse Todesfälle. Die Einrichtung fällt mit dubiosen Methoden auf – und mit ihrer Nähe zum Scientology-Universum.
‚Hier bei Narconon helfen wir Menschen, die drogenabhängig oder alkoholsüchtig sind‘, heißt es auf der Homepage von Narconon International. ‚Tausende‘ seien schon erfolgreich rehabilitiert worden und lebten nun ‚ein stabiles, ethisches, produktives, drogenfreies Leben‘. Und: ‚An unsere Erfolgsrate kommt keiner ran.‘
Tatsächlich? Jetzt rückt eine ganz andere Rate in den Vordergrund. In der Narconon-Entzugsanstalt Arrowhead im US-Südstaat Oklahoma sind allein in den letzten zehn Monaten drei Patienten verstorben: Der 32-jährige Gabriel Graves im Oktober, die 21-jährige Hillary Holten im April und vor wenigen Wochen im Juli die 20-jährige Stacy Murphy.
Sauna, Nikotinsäure, Sauna, Nikotinsäure
Narconon verfolgt eine mittlerweile berüchtigte Entziehungskur: In mehrwöchigen Kuren müssen die Patienten, die Studenten genannt werden, bis zu fünf Stunden am Tag in der Sauna sitzen, zudem Nikotinsäure und andere Vitamine zu sich nehmen. Vor und nach Abschluss der gesamten Prozedur absolvieren sie eine Art Persönlichkeitstraining. Besonders pikant: Narconon ist mit Scientology verbandelt.
Die Sekte wirbt auf ihrer Homepage offensiv für die Einrichtung, listet sie unter der Überschrift ‚humanitäre Programme‘. Sogar Narconon Arrowhead wird gewürdigt. Scientologen hätten die Entstehung des Zentrums gefördert, heißt es auf der amerikanischen Seite: ‚Gegründet im Jahr 2001 ist es der führende Standort des Narconon Netzwerks.‘ Es sei nicht nur “die weltweit größte stationäre Einrichtung ihrer Art”, sondern diene auch als ‚internationales Trainingszentrum für Drogenentzugs-Spezialisten‘. Stolz schieben die Sitemacher der Sekte, dass Narconon mittlerweile 180 Zentren in 47 Ländern betreibe.
Die Methode für den Drogenentzug ist mehr als dubios: Sie beruht auf Eingebungen von Sekten-Gründer L. Ron Hubbard aus den sechziger Jahren. Nach dessen Vorstellung lagern sich Rückstände der Drogen im Gewebe der Süchtigen ab. Durch Sauna und Co. sollen diese Substanzen dann ohne Medikamente aus dem Körper gewaschen werden. Experten und Kritiker haben dieses Verfahren wieder und wieder als pseudowissenschaftlich gebrandmarkt. …
Verstörend und traurig ist die Geschichte von Stacy Murphy, der 20-jährigen Toten von Narconon Arrowhead. Öffentlich gemacht wurde sie von Rick S., einem Alkoholkranken, der zeitgleich mit Stacy in der Anstalt lebte. Demnach soll die 20-Jährige nach einigen Behandlungswochen die Erlaubnis bekommen haben, ihre Familie zu besuchen. “Sie erfüllte keines der Kriterien für solch eine Beurlaubung, aber sie hat alle nötigen Unterschriften bekommen”, erinnert sich Rick S. Man mache eine Ausnahme, habe man ihm erzählt.
‚Kein Arzt unter dem Personal‘
Als Stacy am Mittwoch, den 18. Juli, zurückkehrte, bemerkte das Personal laut Rick S., dass sie ‚high‘ gewesen sei. Man habe sie noch in derselben Nacht auf die Entzugsstation der Einrichtung verlegt. Ihre Lage verschlimmerte sich zusehends, offenbar litt sie an einer Überdosis. ‚Da gab es keinen Arzt, keine Schwester unter dem Personal‘, berichtet Rick S. ‚Das ganze Personal setzt sich aus früheren Patienten zusammen.‘ Ausnahme seien nur Fahrer und Sicherheitskräfte. Die Leute seien überfordert gewesen von Stacys Situation. Und Medikamente, die das Mädchen hätten retten können? Fehlanzeige. ‚Entweder waren die nicht verfügbar oder keiner wusste, wie man sie handhabt‘, zitiert Village Voice Rick S. Am nächsten Morgen habe er gehört, dass Stacy gestorben sei. …
Werden die Todesfälle nun den Blick auf Narconon verändern? Vielen Hilfesuchenden war in der Vergangenheit die Verbindung des Unternehmens zu Scientology nicht klar. Auch er habe das nicht gewusst, beteuert Rick S. Aber schon “in der ersten Stunde” vor Ort sei ihm klar geworden: ‚Das ist Scientology.‘“
NARCONON stellt u.a. neben CRIMONON, Jugend für Menschenrechte, Der Weg zum Glücklichsein eine der sogenannten „Frontgruppen“ von Scientology dar, deren Ziel in der Gewinnung von neuen Scientology-Mitgliedern und dem Erreichen von positivem PR bei Politikern und Bevölkerung liegt.
Welche Wege Scientology dabei beschreitet, offenbart eine sogenanntes CSW (Complete Staffwork – Ausarbeitung eines Mitarbeiters), das Biggi Reichert gemeinsam mit ihrem Ehemann verfasst und neben dem Präsidenten von Scientology auch an das Büro für Spezielle Angelegenheiten OSA) richtete, das für die Koordination der Frontgruppen zuständig ist.
In dem Schreiben ging es darum, wie man den damaligen Hamburger Innensenator Ronald Schill für NARCONON bzw. Scientology gewinnen wollte – O-Ton: „Veränderungen können nur von ganz oben …, nämlich vom Hamburger Senat kommen.“
Die „Lösung“ der Scientologen: „Ein exzellent in PR ausgebildetes Terminal [Person] safepointed [macht ihn zum Verbündeten] Schill.
Diese Person handhabt Schill dann, einen Teil der Gelder, die für das Methadon/Heroinprogramm für Hamburger Drogensüchtige ausgegeben werden, dafür zu benutzen, 20-50 Druggies nach Narconon, U.S.A. zu schicken, die als Spitzenprodukte nach Hamburg zurückkommen und für ganz Deutschland PR-mäßig über die Medien vorgestellt werden können.“
Die „Bemühungen“ von Scientology blieben glücklicherweise ergebnislos – hier das Schreiben …
Und als PDF …
Fotos: Screenshots



Narconons deutsche Niederlassung “Sag Nein zu Drogen” scheint momentan in Hamburg aktiv zu sein. Stände in Altona, Flyer in Harburg:
http://www.anonamegame.net/forum/showthread.php?tid=800
http://www.anonamegame.net/forum/showthread.php?tid=982
Grüße
anon42
Das Hanf-Journal hat das Thema jetzt auch aufgegriffen. Betreffs: Narconon Deutschland. Hier der Artikel:
http://www.hanfjournal.de/hajo-website/artikel/2012/149_august/s38_0812_drei_tote_bei_narconon.php
Liebe Grüße
Das Hanfjournal hatte heuer auch schon einen Artikel zur Scio Frontgruppe “Sag NEIN zu Drogen – Sag JA zum Leben”:
http://www.hanfjournal.de/hajo-website/artikel/2012/144_april/s24_0412_drgreen_scientology.php
Köstlich die Scifag-Abteilung, vor allem RBoeck, der aufgemacht wird, wie eine Konservendose