Die Headleys, Biennale-Preise für “The Master”, Vanity Fair, Cruise, Boniadi, Jentzsch, Vietnam …

Claire und Marc Headley …

Die wichtigste Meldung der vergangenen Woche betraf eindeutig das “Angebot” von Scientology an die Headleys – und dass diese es abgelehnt hatten!

Die Vorgeschichte: Claire und Marc Headley (Autor des Buches Blown for Good) hatten Scientology wegen der Arbeitsbedingungen in der paramilitärischen Sea Org verklagt und diesen Prozess verloren. Übrig blieben rd. 43.000 Dollar, von den Headleys an Scientology zu bezahlen.

Dann machte der Anwalt von Scientology ein „Angebot“, wie sich die Headleys dies ersparen könnten: 1. Unterlassung zukünftiger Aktivitäten gegen Scientology, 2. Übertragung der Rechte des Buches Blown for Good an Scientology und 3. Aktivitäten der Headleys in Bezug auf Marty Rathbun mit Scientology zu besprechen.

Auf gut Deutsch: Die Headleys sollten einen klassischen Knebelvertrag unterschreiben, die Rechte ihres Buches hergeben und als Scientology-Spione anheuern.

Hier der Anwaltsbrief …

Und als PDF

Die Headleys schlugen das „Angebot“ von Scientology aus und mussten ihr Inventar verkaufen, um die Gerichtskosten bezahlen zu können.

Hier der Artikel in der Village Voice dazu und hier der Link zur Spendenaktion der Headleys – falls jemand übriges Geld hat und eine Kreditkarte, würden sich Claire und Marc Headley freuen …

UPDATE: Noch ein aktueller Artikel der Village Voice dazu …

Der ausgezeichnete Phillip Seymor Hoffman …

Das zweite Highlight der Woche ereignete sich gestern bei der Biennale in Venedig, als das Scientology-Sektendrama The Master von Paul Thomas Anderson den Silbernen Löwen erhielt und seine beiden Hauptdarsteller, Phillip Seymor Hoffman und Joaquin Phoenix, mit der Coppa Volpi, dem Preis für den besten Darsteller ausgezeichnet wurden.

Dann gab es noch die üblichen Spekulationen um Tom Cruise und dem Arrangieren seiner Hochzeit mit Kathie Holmes – warum muss man dabei eigentlich spekulieren, wo doch bekannt sein sollte, dass bei Scientology nichts dem Zufall überlassen wird?

Tom Cruise und Nazanin Boniadi …

Auslöser war ein Artikel in der Vanity Fair, woraufhin kräftig über Nazanin Boniadi spekuliert wurde, als ob es nichts Wichtigeres gäbe? OK, ich vergaß kurz den Starfaktor, den der eine hat und der andere nicht …

Mit dabei waren u.a. der Stern, Huffington Post, Village Voice hier und da usw. …

Dann schwappte die traurige Geschichte vom Tod von Alexander Jentzsch auch nach Europa und wurde von SPIEGEL-Online aufgegriffen …

Heber Jentzsch …

Damit im Zusammenhang wurde die kurzfristige Anwesenheit des Scientology-Präsidenten Heber Jentzsch bei der Beerdigung seines Sohnes, eine Kurzbegegnung mit seinem Bruder und das sofortige Verschwinden in den Tiefen des „Loches“ von Heber Jentzsch diskutiert – Village Voice-Artikel 1 und Artikel 2.

Dem 76-jährigen Heber Jentzsch wird’s im Straflager von Scientology derweil egal sein, denn nur sein Tod wird ihn daraus erlösen …

Abschließend noch ein Blick nach Vietnam, wo Scientology mit einer Special Offer vorstellig wurde: Agent Orange, mit dem die USA im Vietnamkrieg ganze Landstriche „entlaubten“ und die dazugehörige Bevölkerung auf lange Zeit kontaminierte, soll jetzt mit „Hilfe“ des Reinigungsprogrammes, das aus Bewegung, Schwitzen in der Sauna und unverhältnismäßig hoher Einnahme von Vitaminen besteht, „gereinigt“ werden.

Hat Agent Orange nicht schon genug Schaden angerichtet?

Der US-Botschafter in Vietnam lehnte das Scientology-Programm überraschenderweise ab und Scientology dürfte kein Ablenkungsmanöver zum gegebenen NARCONON-Debakel gelingen.

Hier einige Pressemeldungen dazu: New York Times, The Guardian und Die Welt

Fotos: Village Voice, Die Welt, RT, de la Carriere

4 Gedanken zu “Die Headleys, Biennale-Preise für “The Master”, Vanity Fair, Cruise, Boniadi, Jentzsch, Vietnam …

  1. Guten Tag Herr Handl,

    ich lese seit längerem und mit großer begeisterung ihren blog, ich bin damals durch diverse dokumentationen auf sie aufmerksam geworden und wollte ihnen für ihr engament im rahmen der prävention danken.

    Ein Kommentar, meines Wissens nach ist Agent Orange ein Herbizid was zur Entlaubung und zerstörung von Nutzpflanzen gewesen ist und kein Napalm.

    Bitte machen sie weiter mit ihrer Arbeit :-)

    Liebe Grüße

    • soweit ich recht informiert bin war das Mittel zum Zerstörung von Nutzpflanzen, insbesonder von Reis, im Vietnamkrieg, agent blue. Das meisteingesetzte Mittel, angeblich 70 Millionen Liter, war das Entlaubungsmittel agent orange. (Schreckliches Zeug!!!)

  2. Das Problem von Agent Orange ist die Verunreinigung mit DIOXIN:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Agent_Orange
    “Da das Herbizid herstellungsbedingt mit 2,3,7,8-Tetrachlordibenzodioxin verunreinigt war, erkrankten in Folge mehrere Hunderttausend Bewohner der betroffenen Gebiete und bis zu zweihunderttausend US-Soldaten. Dioxine wirken fetotoxisch und fruchtschädigend (teratogen), zudem sind sie sehr persistent. Die anhaltende Belastung der vietnamesischen Bevölkerung mit Dioxin …..”

    “Da Agent Orange mit TCDD (bekannt als “Seveso-Gift” seit dem Sevesounglück 1976 in Italien) verunreinigt war, führt es bis heute zu erheblichen – oft irreversiblen – Gesundheitsschäden bei der Bevölkerung der ehemaligen Einsatzgebiete.”

    “Laut Angaben des Vietnamesischen Roten Kreuzes (von 20xx) leiden etwa 500.000 Vietnamesen an den Spätfolgen von Agent Orange, vor allem an Missbildungen (insbesondere Lippen-Kiefer-Gaumenspalten) und Immunschwächen.”

    Aber Scientology kann doch alles Übel beseitigen – auch genetisch bedingte Missbildungen:
    “Schwitzen, Laufen und ein bißchen Niacin,
    und schon sind die Missbildungen dahin.”

    Leider dürfte sich das noch nicht bis an die Führungsspitze von Scientology herumgesprochen haben – oder es wird dort einfach nicht angewendet.

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