
Nach der Verhandlung …
Beim Prozesstermin in der Vorwoche floss wenig bis kein „Blut“ und das Ganze lief vielleicht etwas anders ab, als es sich der eine oder andere erwartet hatte. Ohne über den Prozessinhalt zu sprechen, wurde in der Tagsatzung, die fast eineinhalb Stunden dauerte, nur über Vergleichsmöglichkeiten gesprochen.
Meine Strategie ist dabei einfach erklärt: Obwohl meine Chancen auf ein Abweisen der Klage sehr gut standen, wollte ich das Ganze nicht um jeden Preis durchziehen. Es hätte noch Monate dauern können, bis die Scientology-Klage abgewiesen worden wäre, die Kosten wären derweil weiter gewachsen, immer weniger gedeckt gewesen und die persönliche Belastung, aber auch das Risiko wäre geblieben – frei nach dem Spruch: „Auf hoher See und vor Gericht bist du in Gottes Hand!“
Überdies war in der letzten Replik des Scientology-Anwalts herauszulesen, dass “man” ohnehin eine weitere „Schiene“ fuhr, um das zu erreichen, was die beiden OSA-Damen im Vorjahr lautstark verkündet hatten: „Final Handling des Main-Attackers, PR Handling, legal ausgetragen. … Demaskierung und lahm legen von WH [Wilfried Handl]. … Großer PR-Gewinn gegen den Main-Attacker.“
Einfach ausgedrückt: Scientology hatte mich bei der Staatsanwaltschaft Wien angezeigt, diese hatte die Untersuchungen gegen mich im Vorjahr eingestellt und nach einem Fortführungsantrag von Scientology wieder aufgenommen
Aus dieser „Doppelmühle“ wollte ich ausbrechen, indem ich den Zivilgerichtsprozess verkürzte.
Zwei Dinge waren mir dabei wichtig: Die Verwendung der geleakten Scientology-E-Mails musste gewährleistet bleiben und die Prozesskosten mussten von Scientology getragen werden.
Beides gelang und nachdem es Vergleiche mit sich bringen, dass auch die andere Seite etwas bekommen muss, bekam Scientology von mir die Zusicherung, dass die Mails völlig anonymisiert werden – weder E-Mailadressen, Namen, Initialen und Postenbezeichnungen sollten darauf zu sehen sein – und Mails ohne Zusammenhang zu Scientology gelöscht werden würden.
Scientology bezahlte meinen Anwalt – alles zusammen rund 8.000 Euro – und in Zukunft werde ich die geleakten E-Mails sozusagen mit Scientology-Einwilligung posten können!

Man könnte es auch so beschreiben: Die Scientology-„Armeen“ haben die „Burg“ Wilfried Handl ein dreiviertel Jahr belagert und sich dabei eine blutige Nase geholt – frei nach der Devise: „Außer Spesen nix gewesen!”
Unter gröberen Verlusten – ich würde davon ausgehen, dass Scientology die ganze „Aktion“ mindestens 15.000 Euro gekostet hat – und ganz weit entfernt davon, was OSA vorhatte: Mich „auszuschalten“.
Ich werde ganz im Gegenteil die geleakten E-Mails nochmals durchforsten und in den nächsten Wochen eine Zusammenfassung des Inhalts posten – zu den Themen Unterwanderung von Wirtschaft und Behörden, Betrug usw. – die Scientology-Klassiker!
Trotzdem wäre ein Jubel zu früh, da sehr wohl noch ein Damoklesschwert über mir hängt: die staatsanwaltschaftliche Untersuchung. Das Gericht bestätigte letzte Woche, dass Verhöre und kriminaltechnische Untersuchungen ausstehen (was u.a. dazu geführt hätte, dass der Zivilprozess sowieso vertagt worden wäre).

Das Beunruhigende an Damoklesschwertern ist die Tatsache, dass man nicht weiß, wann der Faden eventuell reißt und was dies dann im Detail bedeutet. Und: Im Gegensatz zum Zivilgerichtsprozess, haben wir es im konkreten Fall um einen von Scientology angestrengten Strafprozess zu tun – um genau zu sein: ich habe damit zu tun!
Das von Scientology der Staatsanwaltschaft „vorgeschlagene“ Vorgehen beinhaltet Hausdurchsuchung, Beschlagnahme von Computern usw.
Dass auch dieser Scientology-„Vorstoß“ wieder mit einer blutigen Nase für selbige enden wird, steht für mich außer Frage – bis es aber soweit ist, könnte es zwischenzeitlich etwas ruppig werden. Mein Anwalt hat mittlerweile Akteneinsicht bei Gericht beantragt und man wird sehen, wie sich die „Dinge“ weiterentwickeln.
Ich werde mir die Wartezeit verkürzen, indem ich jene „Beweise“ unter die Lupe nehme, die als „Grundlage“ des Fortführungsantrags von Scientology zu sehen sind. Womit ich beim „Forensischen Gutachten“ der Firma Ansiworks Limited wäre. Ich habe bereits vor über einer Woche dazu gebloggt, den Beitrag dann wieder vom Netz genommen, da noch weitere Details aufgetaucht sind und werde nächste Woche dazu, aber auch zu Anderem, erneut bloggen.
Frei nach einer weiteren Devise: „The fight is not over yet!“
Hier noch ein Überblick der Presseresonanz: ORF, Der Standard, KURIER, OÖ Nachrichten, NEWS, Wiener Zeitung, Die Presse, Future Zone, Kronenzeitung, Österreich, Heute …
Zum Schluss noch etwas anderes: In der letzten Woche habe ich sämtliche von mir geposteten Scientology-E-Mails anonymisiert, indem ich E-Mail-Adressen, Vor- und Zunamen, Initiale und Postenbezeichnungen geschwärzt habe. Einige Blogs habe ich „Under Construction!“ gestellt, sie sehr zeitaufwendig umgestaltet werden müssen – aber sie werden es bzw. in einer Zusammenfassung neu gebloggt.
Die Mails betrafen den Zeitraum Juni bis September 2012 und es könnte vorgekommen sein, dass ich die Schwärzung einer E-Mailadresse oder eines Namens bzw. Namensinitials übersehen habe – wie es so schön heißt: Zweckdienliche Angaben bitte an gdpa@wilfriedhandl.com …
Der Gerichtsvergleich sieht nämlich vor, dass ein Vergehen dagegen beim Bezirksgericht landen würde, wo Geldstrafen usw. verhängt werden, wenn den Vergleichsinhalten nicht Genüge getan werden. Und die Freude vergönne ich Scientology nicht!

UPDATE: Ich vergaß zu erwähnen, dass die Kunde der missglückten und teuren Scientology-OSA-„Belagerung“ auch über den Atlantik geschwappt ist und derart auch im englischen Sprachraum nachzulesen war.
Scientology-Österreich war es also nicht gelungen, ihr „Abschneiden“ vor Gericht unter der Decke zu halten, als mich Tony Ortega, Betreiber des Anti-Scientology-Blogs The Underground Bunker in den USA zum Prozess-Ausgang interviewte – hier der Link zum Blog (man muss ein wenig runter scrollen) …
Fotos: Screenshots (2), Englishdictionaryfree, Wikipedia