Geleakte Scientology-Geheimdienstdokumente – Teil 1 …

Matt Stone und Trey Parker …

Marty Rathbun, bis 2004 die rechte Hand von David Miscavige, beginnt jetzt offenbar Originaldokumente des Geheimdienstes von Scientology – OSA, das „Büro für Spezielle Angelegenheiten“ – in’s Netz zu stellen.

Das erste dieser Dokumente ist noch relativ unspektakulär und betrifft die South-Park-Episode „Trapped in a Closet“ (Schrankgeflüster), die Ende 2005 ausgestrahlt wurde – das Wortspiel bezieht sich dabei auf eine amerikanischen Redewendung (“to come out of the closet”) für das Coming-out eines Homosexuellen. Im Fall der South Park-Episode ist es Tom Cruise, der nicht aus dem Kasten kommen möchte, sowie John Travolta, Nicole Kidman und R. Kelly, die ihn überreden möchten. Cruise versteckt sich dabei im Kasten von Stan, der als Reinkarnation von L. Ron Hubbard von den Scientologen gefeiert wird – daneben werden noch die höheren und geheimen Stufen (OT-Stufen) von Scientology dargestellt. Aber die “Arbeitsweise” von OSA lässt sich aufgrund dieses Memos nachvollziehen!

Es war also kein Wunder, dass die für den Emmy nominierte South Park-Folge Scientology bzw. OSA auf den Plan rief, die entsprechend der Vorgaben von L. Ron Hubbard vorgingen:

„Mit einer verdeckten Operation wird in erster Linie beabsichtigt zu behindern und in Verlegenheit zu bringen, zu diskreditieren oder einen tatsächlichen oder möglichen Gegner zu vernichten oder zu entfernen.“

In weiterer Folge wurden Telefonprotokolle, Bankaufzeichnungen usw. der South Park-Macher Trey Parker und Matt Stone durchforstet, um eine verwundbare Stelle der beiden zu finden.

„Die sammeln alles, die finden alles über deinen Diätplan heraus, ob und wie viel du trinkst usw. – die können eine Menge über dich herausfinden, indem sie deinen Müll durchforsten“, so Marty Rathbun zur „Village Voice“.

Im geleakten OSA-Memo beschwert sich der „Führungsoffizier“, dass dabei zu wenig herauskam. Zwar wurde, “um einen direkten Zugang zu Stone und Parker zu finden, einige Freunde von ihnen ausgemacht.”, das war aber zu wenig – hier der komplette Inhalt des OSA-Dokuments:

16 April 2006 – Report by Commanding Officer Office of Special Affairs – Re: South Park – Eric Sherman, who is good friends with Lloyd Kaufman, contacted him about South Park. Kaufman knows Trey Parker and Matt Stone and has been friends with them for years. As regards their attack on Scientology, Kaufman felt that this is the same thing they do to everyone. He said that they consider that what they do is satire and that they attack anyone or any group without any regard for who they are or what they are. They love it when they get some reaction. This week they created a new flap when they were going to show a picture of the prophet Mohammed but were censored from doing so by Comedy Central. To find a direct line into Stone and Parker some of their friends have been identified. One is Matthew Prager, who has been a friend since 1991. He worked with them as a writer on a show called, “That’s My Bush” which Parker and Stone created. Prager said he worked in executive positions at Disney, MTV and finally, at HBO, before shedding his tie for blue jeans at “That’s My Bush.” Another is John Stamos who is best friends with Matt Stone. Apparently his ex-wife, Rebecca Romijn, is also good friends with Stone. Rebecca is a former supermodel and currently has her own TV show.  In 2000’s X-Men, she had her first major movie role as Mystique and returned to the role in the 2003 sequel. David Goodman is another friend of Parker and Stone. He was in college with them and has co-written some of the South Park episodes with them. These connections are being PRC’d.  (PRC = Public Records Check –an intense collection of every public record available on the target) There are some strings that will be pulled on the PRC on Stone. Otherwise the special collections (covert information gathering such as trash collection, purchased phone records, hacked airline reservations, purchased bank records – Anmerkung von Rathbun) will be debugged in order to get some viable strings that can be pulled. It is clear that this investigation is not going anywhere and DCOE (D/Commanding Officer External OSA) is getting it debugged.”

Rathbun hat angekündigt, dass er nach diesem ersten kleinen Appetithappen weitere OSA-Dokumente veröffentlichen wird – man darf also gespannt sein …

Der Vollständigkeit halber hier nochmals der Link der South Park-Folge, des aktuellen Artikels in DER SPIEGEL, in der Schweizer 20minuten, in der englischen The Independent und in der US-Village Voice (Artikel 1, Artikel 2 und Artikel 3).

Und dann noch ein Cartoon, der die Ereignisse jener Zeit beschreibt …

Fotos: Oregon-Live, South Park

Die „Celebrity-Strategie“ von Scientology – Teil 7: Die Strategie beginnt zu bröckeln …

Paul Haggis ...

Anfang des Jahres sorgte der Ausstieg von Paul Haggis aus Scientology für Aufregung und dass, obwohl die Mitgliedschaft von Haggis bei Scientology gar nicht so bekannt war und Haggis kein Super-Star a la Cruise oder Travolta ist. Aber Haggis war und ist in Hollywood eine anerkannte Größe. Paul Haggis hat nicht nur 2 Oscars (für L.A. Crash) zu Hause stehen, er schrieb u.a. auch die Drehbücher für Million Dollar Baby und Letters von Iwo Jima von Clint Eastwood.

Mit dem NEW YORKER und Lawrence Wright sprach Haggis ausführlich über die verschiedenen „Aspekte“ von Scientology – hier der Link zum Artikel – und erzählte dabei auch die eine oder andere Anekdote: Als Paul Haggis gemeinsam mit Clint Eastwood vor einigen Jahren die Dreharbeiten von Steven Spielbergs Krieg der Welten besuchte, hatte Hauptdarsteller Tom Cruise am Drehort ein Zelt errichten lassen, in dem Scientology Missionsarbeit betreiben konnte. Spielberg machte eine Bemerkung, dass er die meisten Scientologen sehr nett fände, worauf Paul Haggis witzelte, “die Bösen verstecken wir im Schrank”. Das kam Tom Cruise zu Ohren, einer der Schlüsselfiguren der kalifornischen Science-Fiction-Sekte. Worauf Haggis vor einem Untersuchungsausschuss der Kirche landete und „Abbitte“ leisten musste.

Der unmittelbare Grund seines Ausstieges war, dass Scientologen während der Wahlen von 2008 öffentlich den schwulenfeindlichen Gesetzesentwurf “Proposition 8″ unterstützt hatten, der in Kalifornien die Legalisierung der Schwulenehe revidieren sollte – die beiden Töchter von Haggis sind homosexuell.

Ich möchte mich im Folgenden auf diesen Aspekt konzentrieren, da das Thema „Homosexualität“ einerseits gegeben ist und andererseits die meisten Stars ein Outing tunlichst vermeiden möchten und lieber mit der Lüge leben – und ich möchte mich mit der Tragweite dessen innerhalb von Scientology auseinandersetzen.

Bei aller Liberalität ist in den USA der unverkrampfte Umgang mit Homosexualität noch immer nicht gegeben – sie wird mit relativ wenigen Ausnahmen maximal geduldet, solange sich der Betreffende an die „Spielregeln“ hält. Und eine dieser Spielregeln in Hollywood besagt spätestens seit Rock Hudson, dass ein Macho-, Helden- oder sonstiger Männlichkeitsdarsteller schlecht schwul sein kann, wenn er diese Rolle „ausfüllen“ möchte. Cruise und Travolta sind in ihren Filmen genau das – gleichzeitig verfolgen beide einschlägige Gerüchte, wobei Cruise selbst die Andeutung bereits gerichtlich verfolgen lässt und jeden erbarmungslos klagt. Dabei geht es um riesige Summen, was das Risiko einer solchen Feststellung umschreibt.

Quentin Hubbard, Tom Cruise in einer "1. April-Ausgabe", John Travolta ...

Wobei ich mich jetzt nicht an einer Diskussion über Hollwooods Scheinheiligkeit usw. beteiligen möchte. Für mich persönlich steht fest, dass jeder in der Form leben und glücklich werden soll, die er ausgewählt hat. Punkt. Mich interessiert vielmehr die Frage, wie Scientology damit umgeht – und worauf sich dieses Denken stützt.

In der „Bibel“ der Scientologen, im Buch Dianetik, findet man folgende Feststellung von L. Ron Hubbard – ich hab sie etwas gekürzt und auf den Punktgebracht (den vollständigen Sermon findet man auf den Seiten 101/102 besagten Buches: „Der sexuell Pervertierte (dieser Ausdruck umfasst in der Dianetik, um es kurz zu sagen, jede einzelne Form der Abweichung … wie Homosexualität, lesbische Liebe …) ist tatsächlich physisch ziemlich krank. … Das bedeutet, dass der Pervertierte … aber so weit davon entfernt (ist), normal zu sein, und … für die Gesellschaft so außerordentlich gefährlich (ist), dass die Duldung von Perversion für sie ebenso schlimm ist wie deren Bestrafung.“

An dieser „Feststellung“ orientiert sich Scientology bis heute, was so viel bedeutet, dass jede Form von Homosexualität verpönt ist und geahndet wird: man hatte sich zu „normalisieren“. In der Praxis ist das dann ein ewiger „Eiertanz“ – einerseits die Orientierung der Person und andererseits die Vorgaben von Scientology.

Der Erste, der daran zerbrach, war Quentin Hubbard, Hubbard ältester Sohn aus seiner dritten Ehe, den er als seinen Nachfolger aufbauen wollte. Quentin wollte aber Tänzer werden, absolvierte zwar die komplette „Scientologyausbildung“, um sich schlussendlich umzubringen – am 12. Dezember 1976 leitete er Auspuffgase ins Wageninnere.

Cruise und Travolta gehen anders damit um – der eine wurde zum besten Freund des Sektenführers und der andere versucht „Normalität“ vorzutäuschen, obwohl es jeder weiß.

Tom Cruise wählte überhaupt eine klassische „Vorwärtsstrategie“, heiratete nach Plan zuerst Nicole Kidman und dann Kathie Holmes – und hielt sich nicht an das, was ihm das Magazin “Freaky News” in einer Sonderausgabe zum 1.April vorschlug.

Überliefert ist, dass Miscavige die Hochzeit von Cruise und Holmes nicht nur persönlich überwachte und sondern auch an der anschließenden Hochzeitsreise teilnahm – die dann statt der geplanten zwei nur eine Woche dauerte.

Travolta fährt eher einen Schlingerkurs, der immer wieder von Enthüllungen geprägt ist. Einerseits „ersetzt“ er seinen Sohn Jett ganz scientologisch durch den neu geborenen Benjamin, andererseits liefert er knapp vor dessen Geburt den nächsten Skandal
Aus meiner Sicht ist Travolta dies tragischste Figur im Prominenten-Spiel von Scientology: Er kann seine Orientierung nicht leben, muss sich tagtäglich verbiegen, „bewacht“ von seiner Ehefrau und Mit-Scientologin Kelly Preston – obwohl es ohnehin jeder weiß, der in seinem Umfeld ist. Die US-Schauspielerin Carrie Fisher – u.a. Prinzessin Lea in der Star-Wars-Trilogie – dazu: „Wir haben immer gewusst, dass John Travolta homosexuell ist!“

Und wenn Travolta wieder über den Ausstieg aus Scientology nachdenkt – und das tat er bereits mehrmals – wird von Scientology die „Gay Card“ gezückt und Travolta zum Bleiben „aufgefordert“. In der Realität sieht das dann so aus, dass Scientology über genügend „Aufzeichnungen“ verfügt, um jedermann freundlich dazu auffordern zu können – im Fall Travolta tut sie das, da er zu wichtig für Scientology ist. Und solange Travolta Angst davor hat, seine Homosexualität zu leben, solange funktioniert diese Strategie von Scientology.

Ich würde Travolta wünschen, dass er diesen Schritt setzt – sie stellt einen ersten in Richtung Freiheit dar und kostet nicht einmal etwas! Ich weiß schon, dass es kein Honiglecken ist, sich mit Scientology anzulegen und seine Meinung zu vertreten. Paul Haggis zu „Ehren“ wurde von Scientology im Sommer 2011 eine Sonderausgabe von deren Magazin „Freedom“ herausgebracht, die sich ausschließlich mit Haggis, Wright und dem NEW YORKER befasste. Dabei wurde sogar dessen Titelbild nachempfunden – und entsprechend „modifiziert“.

Der Inhalt? Die üblichen Schauergeschichten von OSA, dem Büro für Spezielle Angelegenheiten, die in keinem Wort auf die Feststellungen von Wright und dem NEW YORKER eingehen und dafür versuchen, den Pulitzerpreisträger Wright jede Befähigung abzusprechen. Ganz nach einer weiteren Vorgabe von L. Ron Hubbard: „Wenn Sie unter Attacke stehen – attackieren Sie selbst! Der Punkt ist, dass Sie auch attackieren, wenn Sie zu wenige Beweise haben, um den Fall zu gewinnen. Attackieren Sie einfach weiter. Lautstark.“

Fotos: NEW YORKER, Bittenandbound, Byliner, FreakyNews, Daily Mail, imdb, Popcrunch, Scientologypublikation

Die „Celebrity-Strategie“ von Scientology – Teil 6: Soll man oder soll man nicht?

Tom Cruise und Sektenführer David Miscavige ...

Im sechsten Teil möchte ich auf einen Aspekt eingehen, der immer dann auftaucht, wenn ein Scientology-Celebrity in Deutschland auftritt – in Österreich und der Schweiz tritt man dem Ganzen eher kritiklos gegenüber: Spielt die Zugehörigkeit eines Künstlers zu einer Philosophie oder Religion eine Rolle?

Generell würde ich sagen: Nein.

Aber dabei gibt es aus meiner Sicht Ausnahmen. Und eine dieser Ausnahmen betrifft Scientology. Scientology ist nicht irgendeine Philosophie bzw. „Religion“. Dabei geht es nicht darum, ob Scientologen an Thetane, Herrscher, die vor 75 Millionen Jahren gelebt haben usw. glauben – von mir aus können Tom Cruise, John Travolta und Chick Corea und wie sie alle heißen mögen, an das „glauben“, nach dem ihnen gerade ist.

Der springende Punkt in dieser Diskussion ist der totalitär-faschistische Anspruch von Scientology und dass Scientology auch dementsprechend verfährt. Dank dem Internet sind mittlerweile fast alle Details, geheimen Unterlagen und „Gesetzesbriefe“ in Wort und Bild bekannt – nicht nur Berichte von Aussteigern, wie FAZ-Schirrmacher monierte.

Und diesen Umstand gibt es zu bedenken, wenn man das nächste Mal Tom Cruise oder John Travolta dazu einlädt, auf dieser oder jener Couch Platz zu nehmen – und Werbung zu betreiben!

Cruise und Travolta sind nicht einfach Schauspieler mit einem Spleen, wie Schauspieler vielleicht einen haben müssen, sondern klar deklarierte Repräsentanten und „Botschafter“ dieser totalitär-faschistischen Organisation, die vom Verfassungsschutz nicht grundlos beobachtet wird und deren explizite Strategie darauf abzielt, ihre Celebritys – im wahrsten Sinne des Wortes – gewinnbringend einzusetzen.

Im deutschsprachigen Raum besteht durchaus Einigkeit, wenn es darum geht, WAS Scientology ist – und doch vergisst man dies sehr rasch, wenn ein Hollywood-Star vor der Tür steht. Dieser Hollywood-Star vergisst dagegen nicht, WARUM er hier steht – vor allem wenn er Tom Cruise heißt, der nicht müde wird, sich für Scientology einzusetzen.

Klar, das Einspielergebnis ihres Filmes ist dem Herrn auch wichtig. Noch wichtiger sind ihm die „Pluspunkte“, die er gerade wieder sammelt – und für die er dann von Scientology gefeiert wird, wie dem Ausschnitt aus einer Scientologypublikation zu entnehmen ist. In dem Artikel wurde über die Verleihung der „Tapferkeitsmedaille“ an Tom Cruise berichtet – Tapferkeit bei der Verbreitung von Scientology, die nur gelingen kann, wenn Politiker, Medien, aber auch der Einzelne mitspielen!

Bei der Verleihung dieses „Tapferkeitsordens“ fragte Tom Cruise die Zuhörer „Wollen wir diesen Platz  säubern!“, worauf diese in Begeisterung verfiel. Noch Fragen?

Hier der Ausschnitt aus einem geleakten Video, das nur für Scientologen bestimmt war …

Um es mit Gandhi zu sagen: „Die Nichtzusammenarbeit mit dem Schlechten gehört ebenso zu unseren Pflichten, wie die Zusammenarbeit mit dem Guten.“

Anders ausgedrückt: Cruise und Travolta mögen Filme drehen – dagegen ist absolut nichts einzuwenden. Ob ich mir die Filme dann ansehe, ist eine zweite Frage. Und ob ich die Herrn Cruise oder Travolta in meine Sendung einlade und ihnen damit eine Plattform gebe, sollte eine dritte Frage sein!

Oder würden Gottschalk, Schirrmacher & Co auch Fans eines Nordkoreaners, der zwar einerseits den Diktator Kim Jong Il und dessen „Weisheit“ usw. überschwänglich lobpreist und andererseits ein ausgezeichneter Pianist ist?

Womit ich wieder beim springend Punkt wäre: das ist er nämlich!

Eine eigene Meinung muss einem etwas wert sein – und dazu gehört, sich einen nordkoreanischen Pianisten zu versagen oder einen Film von Cruise oder Travolta nicht zu sehen!

In diesem Sinne sollte man den neuen Film von Tom Cruise – Mission Impossible IV – The Ghost Protocol boykottieren!

Mit jeder gekauften Eintrittskarte unterstützt man indirekt Scientology und deren totalitär-faschistischen Anspruch!

Fortsetzung im letzten Teil …

Fotos: Scientologypublikation (3)

Die South-Park-Scientology-Episode …

Und dann gibts ja noch die herrliche South-Park-Episode über Scientology, Tom Cruise, Fürst Xenu und vieles mehr – von Scientology seit 2005 erfolglos bekämpft, findet man sie immer noch im Netz – hier der Link:

 

South Park: Trapped in the Closet

 

Der nächste Ex-Scientology-Celebrity spricht über seine “Erfahrungen” …

Der nächste Scientology-Celebrity ist ausgestiegen und spricht darüber: Philip Boyd, Schauspieler in diversen US-TV-Spielfilmen und –Serien.

Sein Ausstieg liegt zwar schon etwas zurück – um genau zu sein, schrieb man das Jahr 2008 -, aber 2011 brachte er, u.a. durch den Ausstieg von Paul Haggis inspiriert, den Mut auf, darüber zu sprechen.

Und diesen Mut braucht man in „Scientologywood“, wo die Sekte über sehr großen Einfluss verfügt.

Boyd war zwei Jahre „dabei“, Auslöser für seinen Eintritt bei Scientology war wie so oft der Umstand, dass seine Karriere feststeckte – und Scientology diesen Schwachpunkt ausnützte und ihm signalisierte, da helfen zu können.

Und so verbrachte er einige Zeit gemeinsam mit Tom Cruise & Co im Sektentempel „Celebrity Center“ in Hollywood/Los Angeles, das 1969 mit einem einzigen Zweck gegründet wurde: es sollte als Basis dafür dienen, gezielt Personen aus den Bereichen Kunst, Sport, Management und Politik anzusprechen und sie für Scientology zu gewinnen. Was L. Ron Hubbard schon 1955 in seinem „Project Celebrity“ festgelegt hat, wurde derart umgesetzt.

Boyd kam finanziell relativ glimpflich davon, sein Scientologyabenteuer kostete ihn “nur” 20.000 Dollar.

Einige  Aspekte aus dieser Zeit brannten sich trotzdem bei ihm ein:

Der eine bestand im Umstand, dass bei Veranstaltungen ein fanatisiertes Publikum unzählige “Hip-hip-hoorays” auf das Portrait von Hubbard ausbrachten, was ihn sehr stark an die Nürnberger Reichsparteitage unter Adolf Hitler erinnerte, wie er gegenüber der „Village Voice“ betonte.

Ein anderer betraf das „Reinigungsprogramm“ von Scientology, bei dem man stundenlang in der Sauna sitzt und Unmengen an Vitaminen zu sich nimmt.
Während ein Mädchen, das mit ihm schwitzte, im Krankenhaus landete und Scientology danach von ihr 300 Dollar wollte, um diese „Krankheit“ zu „korrigieren“ – ihr wurde „Auditing“ verkauft -, beschloss Boyd nach mehr als 30 Tagen seiner „Schwitzkur“, damit aufzuhören.
Vorerst nur mit dem Schwitzen.

Ein weiterer betraf die Tatsache, dass er nach jedem Kursabschluss nach den Namen, E-Mailadressen usw. von Freunden und Bekanntengefragt wurde, damit Scientology diese kontaktieren konnte – Boyd weigerte sich diesbezüglich.

Und natürlich wurde auch immer wieder versucht, ihn für die „Sea Org“ zu rekrutieren: Ein „Dienstvertrag“ über 1 Milliarde Jahre, 100 Stunden Arbeit pro Woche und das Ganze für 50 Dollar – Boyds Antwort: „Are you kidding?“

Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, war dann ein Gespräch mit einem „Registrar“, das ist jene Person, die Kurse und Auditing anbietet und verkauft, und dieser ihm nach seiner Bankverbindung fragte, damit dies so eingerichtet werden konnte, dass Scientology direkt darauf Zugriff hatte.

Boyd zur „Village Voice“: „Sie haben mir gesagt, dass das alle Schauspieler es so machten und dass es ihnen helfen würde, ihre Finanzen zu organisieren. Es würde mir auch weniger Mühe bereiten. Ja, und sie würden auch weniger Mühe dabei haben, meine Bankkonto zu plündern!“

Er verließ Scientology, wurde danach zig Mal angerufen, bis er seine Telefonnummer änderte – was nichts half, denn aus nicht nachvollziehbaren Gründen hatte Scientology bald wieder seine neue Nummer.

Mittlerweile hat er Ruhe vor Scientology – ganz sicher seitdem er sich öffentlich dagegen ausspricht, denn „Feinde“ möchte Scientology nicht zurückholen.

Er steht jetzt definitiv auf Scientologys „Feindesliste“ – willkommen im Club … ;-)

Fotos: Philip Boyd (Quelle: Village Voice“), Scientologys Celebrity Center (Quelle: Scientologypublikation), Nürnberger Reichsparteitag (Quelle: Bundesarchiv)