Die aufgekaufte Debbie Cook irrlichtert nach wie vor durch die Welt und schreibt ein Tagebuch darüber …

Debbie Cook …

Nachdem die frühere Scientology-Spitzenfunktionärin Debbie Cook im Frühjahr 2012 ihr Schweigen über die Machenschaften von Scientology gebrochen hatte, dann wahrscheinlich mit einigen Millionen zum Verstummen gebracht wurde und in der Karibik verschwand, meldete sie sich nun wieder. Diesmal aus Baja California – und sie berichtete über Bewegendes. Aber sehen Sie selbst

Und was ist die Moral von der Geschicht‘?

Andererseits: Seit wann gibt’s bei Scientology so etwas wie Moral?

Da gibt es David Miscavige, Marty Rathbun, Mike Rinder, einige Anwälte, ein paar zehnstellige Bankkonten und eine fünfstellige Zahl an Fanatikern …

Foto: Wayne Baumarten/Debbie Cook

Scientology, Tom Cruise, Katie Holmes, Rupert Murdoch und Debbie Cook …

Suri, Katie Holmes und Tom Cruise …

Das Thema “Scientology” wird prozessbedingt aus der Scheidung zwischen Katie Holmes und Tom Cruise herausgehalten, stellt aber nicht nur aus meiner Sicht den einzigen Grund dar.

Katie Holmes war von Scientology/David Miscavige/Tom Cruise im wahrsten Sinne des Wortes „gecasted“ worden – „man“ wollte ein ähnliches Fiasko, wie das der Ehe mit Nicole Kidman vermeiden, als Cruise „ehebedingt“ 10 Jahre wenig bis nichts mit Scientology zu tun hatte.

Nach der Hochzeit wurde sowohl Cruise als auch Holmes von eigenem Scientology-Personal überwacht – und alles direkt an den Scientology-Führer David Miscavige “weitergeleitet”. Im Fall von Tom Cruise war es Michael Doven, Katie Holmes wurde von Jessica Feshbach (Rodriguez) – ich berichtete sowohl die Cruise-Überwachung, als auch über jene von Holmes.

Michael Doven, der Tom Cruise für Scientology „überwachte“ …

Jessica Feshbach (Rodriguez - re. im Bild), die Katie Holmes im Auftrag von Scientology „begleitete“ …

Weder für Cruise, noch für Holmes sollte sich daran etwas geändert haben. Lediglich das überwachende “Personal” wurde ausgewechselt …

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UPDATE: Die New Yorker Daily News fotografierte aktuell einen Cadillac Escalade und dessen Insassen, die Katie Holmes überwachten – hier der Artikel dazu …



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Die Ehe der beiden war also nicht nur arrangiert, sondern wurde/wird von Scientology bzw. dem Büro für Spezielle Angelegenheiten (OSA) gesteuert und überwacht. Nichts wurde dem Zufall überlassen – Tom Cruise war/ist immerhin der Busenfreund von David Miscavige, dem Führer von Scientology.

Dann wurde Suri Cruise in die bizarre Welt von Scientology hineingeboren.

Suri Cruise ...

Seit sie im schulfähigen Alter ist, wird sie auch für Scientology interessant – bis dahin hat sie das scientologische „Leben“ nur insofern kennengelernt, als sie in der Dogmatik des Kults aufwuchs. Jetzt soll sie unter anderem eine Scientology-Schule besuchen und spätestens mit 8 Jahren in der Doktrin des Kults „weitergebildet“ werden (Scientology- Auditing und –Kurse).

Mehr dazu auf der Seite von Ilse Hruby, die sich ausführlich diesem Thema gewidmet hat – hier der Link (Runter scrollen bis zum Kapitel Kinder in der Scientology-Organisation)

Woraus besteht die Scientology-Dogmatik in Bezug zu Kindern?

Ganz oben an der Spitze dieser Dogmen steht die Vorgabe von L. Ron Hubbard, den Sekten-Gründer, dass „jedes Gesetz, das auf das Verhalten von Männern und Frauen zutrifft, [auch] für Kinder [gilt].

Hubbard an anderer Stelle: „Kinder sind keine Hunde. Sie können nicht wie Hunde dressiert werden. Sie sind keine kontrollierbaren Gegenstände. Sie sind – lassen Sie uns diesen Punkt nicht übersehen – Männer und Frauen. Ein Kind ist nicht eine besondere Art von Tier, die sich vom Menschen unterscheidet. Ein Kind ist ein Mann oder eine Frau, der oder die noch nicht zur vollen Größe herangewachsen ist.”

Und noch ein Zitat Hubbards, dass die Einstellung von Scientology in Bezug auf Kinder zeigt: “Wenn sie den Unterschied zwischen einer Gruppe tobender Kinder und psychisch gestörten Menschen erklären können, gebe ich ihnen einen Orden.”

Noch extremer läuft die „Kindheit“ in der paramilitärischen Sea Org ab, wo folgendes gilt:

„Babies … Personen, die unter sechs Jahren alt sind, die keine Kadetten sind.
Kadett … jedes Kind, das seinen Mitarbeiterstatus II … abgelegt hat und einen Posten in der Sea Org inne hat und eine gute Ethik-Beurteilung besitzt, ist demnach im allgemeinen nicht als ,Kind’, sondern als Kadett zu betrachten. Ein Kadett ist im Rang Deckmatrosen oder Maschinisten gleichgestellt.
Kinder – 1. Personen die keine Prüfblätter abgeschlossen haben und keine bezahlte Posten in der Sea Org haben. (FO 760)
2. Ein Kind ist jemand der keinen Org oder Schiffsposten handhaben kann. Er oder sie steht nicht auf der Lohnliste. (FO 1630)”

Für viele Scientology-Eltern ist es aus dieser „Logik“ heraus ein „Wunschziel“, ihre Kinder mit 12 oder 13 Jahren an die Sea Org abzugeben, wo diese einen „Dienstvertrag“ über 1 Milliarde Jahre unterschreiben.

Die Perfidie des Scientology-System wird aber mit den sogenannten SecChecks („Sicherheitsüberprüfungen“ bzw. Verhöre mit dem scientologischen Lügendetektor E-Meter) gezeigt – und hier mit einer speziellen „Fassung“ für Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren. Die Fragen lauten u.a.:

„1. Was hat dir jemand verboten zu erzählen?
2. Hast du jemals beschlossen, ein Familienmitglied nicht zu mögen?
3. Hast du jemals etwas genommen, das einem anderen gehörte, und nie zurückgegeben?
4. Hast du dich jemals krank gestellt?
5. Hast du dich jemals selbst krank gemacht oder verletzt, um Mitleid zu erregen?
6. Hast du dir jemals etwas sehr gewünscht, aber niemanden davon erzählt?
7. Hast du dich jemals absichtlich schmutzig gemacht?
8. Hast du dich jemals geweigert, etwas zu essen, nur weil du jemand bekümmern wolltest?
9. Ist dir jemals etwas über dich selbst eingefallen, und hast du es niemanden erzählt, weil du dachtest, man würde dir nicht glauben oder sich über dich ärgern?
10. Hast du dich jemals geweigert, einen Auftrag von jemand, dem du gehorchen solltest, auszuführen?
26. Hast du jemals versucht einen Lehrer bei anderen mies zu machen?
27. Hast du jemals versucht, ein anderes Kind unbeliebt zu machen?
29. Hast du jemals einen Lehrer angelogen?
31. Bist du jemals der Schule ferngeblieben, wenn du hättest gehen können?
39. Hattest du jemals das Gefühl, deine Eltern oder dein Zuhause wäre nicht gut genug für dich?”

Resümierend kann man sagen: Ein Kindheit im Sinne des Wortes bzw. des Kindes findet in Scientology nicht statt!

Es ist daher sehr gut nachvollziehbar, dass Katie Holmes in Bezug auf diese „Zukunft“ ihrer Tochter die Reißleine gezogen hat, um sie durch die Scheidung dem Einflussbereich der Sekte zu entziehen – sie beantragte alleiniges Sorgerecht. Ob dies gelingt, ist wieder eine andere Frage, denn Tom Cruise und seine „Ehe“ sind innerhalb von Scientology und für David Miscavige zu wichtig. Man wird sehen …

Dazu hat sich auch Medienmogul Rupert Murdoch via Twitter zu Wort gemeldet. In seinen beiden Tweets spricht er vom „Kult Scientology, bei dem großes, großes Geld involviert ist“, empfiehlt die Scientology/Holmes-Story und kann sich vorstellen, dass „etwas Gruseliges, sogar Böses, diese Leute umgibt”


Hier noch einige Artikel dazu: The Guardian, Daily Mail , 20 Minuten, DER SPIEGEL, Süddeutsche Zeitung, RP-Online, FOCUS , STERN, KURIER und die amerikanische TMZ, die den Stein ins Rollen brachte …

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Abschließend noch ein ganz anderer Aspekt aus der „wunderbaren“ Welt von Scientology: Sie erinnern sich noch an Debbie Cook, ehemalige „Spitzenkraft“ von Scientology, die dann kurzfristig zur Dissidentin wurde und danach für etliche Millionen Dollar beschloss, den Rest ihres Lebens zum Thema „Scientology“ zu schweigen?

Man (Cook und ihr Mann Wayne Baumgarten) ist mittlerweile in die Karibik ausgewandert. Im französischen Guadalupe hat man „Exil“ bezogen, gibt online ein Reisetagebuch heraus und genießt offensichtlich die Schweige-Millionen …

Fotos: whatfashioncreates, Michael Doven, Radar Online, Holysmoke, D. Cook/W. Baumgarten (4), Village Voice (2)

Ein erster Rückblick: “The Master”, Anonymous, ARD, Debbie Cook, Lindsay Lohan und …

Philip Seymour Hoffman als L. Ron Hubbard in "The Master" …

Der Film The Master von Paul Thomas Anderson: Obwohl offiziell noch immer nicht davon gesprochen wird, ist es im zweiten Trailer zum Film immer klarer, um wen es geht. Wie im wirklichen Leben sagt u.a. Philip Seymour Hoffman, dass er „Schriftsteller, Mediziner, Nuklearphysiker und Philosoph“ sei – Worte, mit denen sich L. Ron Hubbard auch beschrieb. Hier der zweite Trailer des Films, der im Herbst/Winter 2012 in die Kinos kommen soll …

Kurz zum Inhalt: Im Film geht es darum, dass nach dem 2. Weltkrieg ein „Schriftsteller, Mediziner, Nuklearphysiker und Philosoph“ (Lancester Dood – Hoffman) einen religiösen Kult startet, dessen Ehefrau zufälligerweise wie jene von Hubbard auch Mary Sue heißt. Ein Landstreicher (Joaquin Phoenix) wird zu seiner rechten Hand – und beginnt daran zu zweifeln, als der Kult immer fanatischer wird.

Und hier der Link zur Village Voice, wo Einzelnes noch detaillierter beschrieben wird.

Dann gab es noch einen guten Artikel über Anonymous und deren Kampf gegen Scientology in der Welt-Online – Tenor: „In Deutschland bekämpfen Anonymous-Aktivisten aber auch ihren Erzfeind Scientology – mit simplen Mitteln und bemerkenswerten Erfolgen.“

Und dann nähert sich die nächste dunkle Wolke für OSA/Stettler/Busch/Thonauer usw. – konkret: im ARD läuft am 26. Juni 2012, 22.45 Uhr, die 90-minütige Dokumentation „Die Spitzel von Scientology“.

Gegenüber dem ARTE-Film wurden einige Teile ausgetauscht und durch andere Inhalte ersetzt, die Scientology ins rechte Licht rücken – ein Pflichttermin!

Debbie Cook …

Dann gab es noch News von Debbie Cook. Sie erinnern sich, das war jene Dame, die zuerst Jahrzehnte im Rahmen der paramilitärischen Sea Org für Scientology gearbeitet hat, dann kurz zu einer Art Dissidentin wurde und letztendlich wieder in den Schoß von Scientology zurückgekehrt ist, nachdem sie zuvor eine satte Millionenabfindung erhalten hat. Sie schweigt seitdem eisern – war die Bedingung für die Millionen – und ist jetzt in die Karibik ausgewandert. Schade, sie hätte noch einiges über das Innenleben von Scientology erzählen können – hier ein Artikel dazu …

Last, not least eine Exklusiv-Nachricht von Promiflash, dass sich die Skandalschauspielern Lindsay Lohan mit dem Gedanken tragen soll, Scientology beizutreten – boshaft könnte man jetzt sagen: Scientology scheint „aufzurüsten“. Nachdem Luka Magnotta nun im Gefängnis sitzt, soll ihn Lohan ersetzen – oder sitzt die auch gerade? Richard „Mörtel“ Lugner würde dies auf jeden Fall freuen. Nachdem er erfolglos versucht hat, Lohan für den Wiener Opernball einzukaufen, könnte man sich vielleicht bei der einen oder anderen Scientology-Veranstaltung sehen – hier der Link

Lindsay Lohan ...

Und dann gibt es ja noch den Stettler für den Monat Juni, der wiederum, obwohl das Monat noch nicht vorbei ist, bereits vergeben wird, da das Ergebnis derartig eindeutig ist, dass dies zum Zwang führt. An der Spitze des Votings stehen aber zwei Personen und daher wurde die endgültige Wahl noch um einen Tag verlängert. Daher wird es morgen wieder heißen: „And the Stettler goes to …“

Der "Stettler" ...

Fotos: Promiflash, Village Voice (2), Screenshot, Die Welt

Die „Feindesliste“ von Scientology …

Sektenchef David Miscavige (im Vordergrund rechts) und seine paramilitärische „Sea Org“ – der zweite von links ist Marty Rathbun, der mittlerweile seine eigene Sekte gegründet hat und auch seine eigene Liste führt …

Bei Scientology ist es keine Floskel, wenn man davon spricht, dass dieser oder jener auf der „Feindesliste“ von Scientology landet – es gibt sie wirklich. Akribisch wird jeder darauf verzeichnet, der als „Unterdrücker“ (Suppressive Person) bezeichnet oder ausgestoßen (expelled) wird.

Bereits 1991 umfasste diese Liste rund 5.000 Namen und jede Menge Gruppierungen von Scientologyabspaltungen. Mittlerweile dürfte sie ziemlich gewachsen sein.

Und wer damals noch in „Amt und Würden“ war, steht heute bereits drauf – neben Marty Rathbun ist es u.a. Mike Rinder und bald auch Debbie Cook. Erstere basteln bereits an ihrer eigenen.

Hier einmal die angesprochene Scientology-Liste im Original …

Und als PDF

Der Vollständigkeit halber: Die Grundidee dieser peniblen Listenführung geht auf L. Ron Hubbard zurück, der die „Ur-Liste“ bereits in den 50er-Jahren begann und seitdem ständig „erweiterte“.

Und noch ein Detail am Rande: Man wird auf dieser Liste vergeblich Politiker, Richter, Journalisten oder Exekutivorgane suchen – diese stehen auf einer eigenen Liste. Diese hier ist exklusiv für Scientologen – die andere siedelt im Büro für Spezielle Angelegenheiten (OSA).

Foto: Scientologypublikation

Debbie Cook, das jähe Prozessende und Jan Eastgate…

Debbie Cook …

In der Vorwoche zeigte Scientology sein “Potential”, indem an zwei Prozessfronten “Ruhe” einkehrte – man verglich sich außergerichtlich mit Debbie Cook und die Anklage gegen Jan Eastgate wurde in Australien eingestellt.

Aber der Reihe nach …

Der Prozess von Scientology gegen Debbie Cook und ihren Ehemann Wayne Baumgarten bestimmte die ersten Monate des Jahres 2012. Mit ihrer Brandmail zu Silvester kam erstmals aus dem Inneren von Scientology eine unmittelbare Anklage gegen David Miscavige. Der daraufhin Cook/Baumgarten sofort wegen deren Brechens des „Schweigegelübdes“, für das sie jeweils 50.000 Dollar erhalten hatten, verklagte. Im Laufe des Prozesses kamen immer mehr Details über dessen Zustandekommen ans Tageslicht – mehr sollte in den folgenden Prozesstagen folgen. Man konnte sich also freuen, dass es bald mehr als nur über das „Loch“ zu hören geben würde.

Auch Marty Rathbun und seine Independents freuten sich über eine neue „Mitstreiterin“, unterstützen sie finanziell und das zukünftige Dreigestirn Rathbun/Rinder/Cook nahm Kontur an.

Bis dann David „Slappy“ Miscavige die Reißleine zog und das tat, was Scientology am besten kann: Man hatte entweder a) in den letzten Monaten genug „Material“ gefunden, um Cook unter Druck zu setzen und/oder b) man nahm eine schöne Stange Geld in die Hand. Sinn und Zweck der „Übung“: Cook/Baumgarten dazu zu bewegen, sich im aktuellen Gerichtsprozess zu vergleichen und gleichzeitig einen neuen „Maulkorberlass“ (im Englischen: gag order) zu unterschreiben – diesmal einen vom Gericht bestätigten.

Und so kam dann, was kommen musste – Cook und Baumgarten unterschrieben und Zwergenkönig Miscavige hatte das erreicht, was er erreichen wollte: eine gerichtlich angeordnete Unterlassungsverfügung …

Welches Leben Debbie Cook und ihrem Mann nun bevorsteht? Ich würde meinen: kein gutes! Nach außen hin wurden sie von Scientology zum Schweigen gebracht, hat vielleicht ein nettes Sümmchen kassiert und das Versprechen erhalten, weiterhin mit ihren Verwandten Kontakt haben zu dürfen usw.

In Wirklichkeit hat sie sich zwischen alle Stühle gesetzt – die „Maschinerie“ Scientology wird in den nächsten Monaten anlaufen und Cook/Baumgarten und deren Scientology-Familienverbindungen zermalmen (Disconnecting-Gesetz) und sie selbst auf die „Feindesliste“ setzen. Dabei kann Scientology völlig ungestört operieren, da die einzige wirkliche Verteidigung gegen Scientology in der Offensive gegen diese liegt – und nicht darin, dass man sich mit einer organisierten Bande von professionellen Betrügern „einigt“.

Falls die OSA-Schergen Stettler, Weber & Co die letzte Formulierung von mir vielleicht ehrrührig finden sollten: sie wurde in Frankreich gerade in 2. Instanz gerichtlich bestätigt!

Dabei kann ich das Verhalten von Cook und Baumgarten bis zu einem bestimmten Grad nachvollziehen. Der Einzige, der einen Prozess gegen Scientology durchhielt, war Lawrence Wollersheim. Ganze 22 Jahre musste er warten, bis dieser beendet und Scientology verurteilt war. Davor zog das Büro für Spezielle Angelegenheiten (OSA) alle Register ihres „Könnens“.

Und Marty Rathbun und seine Independents werden jetzt weinen: Das viele Geld, dass sie ihrer neuen „Mitstreiterin“ besorgt hatten, das jetzt weg war und sie gleich mit. Ein bisschen Schadensfreude wird wohl auch beim absolut unappetitlichen Thema Scientology erlaubt sein – oder?

Und hier noch My San Antonio und Village Voice zum Nachlesen …

Jan Eastgate ...

Den zweiten „Erfolg“ konnte Scientology einfahren, als Anfang der Woche der Staatsanwalt in New South Wales die Anklage gegen Jan Eastgate wegen Anstiftung zur Verschleierung von Kindesmissbrauch fallen ließ – obwohl sie zuvor gleich zwei Mal deswegen angeklagt worden war.

Frau Eastgate ist Präsidentin der Scientology eigenen Citizens Commission of Human Rights (CCHR – firmiert hierzulande als KVPM – Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte oder als Bürger- bzw. Menschenrechtskommission). Hintergrundinfos in meinem Blog dazu …

Eastgate wird trotzdem nicht um das „Loch“ herumkommen, da sie in der obskuren Logik von Scientology „Dreck am Stecken“ haben muss, um in ein derartiges Schlamassel zu geraten – dass sie zwei Jugendliche zur Verschleierung eines Kindesmissbrauchs angestiftet hat, spielt bei der „Scientologyethik“ keine Rolle. Das einzig Relevante in der Welt der Xenu-Anhänger ist, dass durch ihre Anklage das Welt-Rettungs-Unternehmen von Scientology behindert worden war – und dafür gibt’s das RPF (Rehabilitation Project Force), das Straflage für solche Fälle und wahrscheinlich gleich das RPF des RPFs, nämlich das „Loch“.

Fotos: Village Voice, Daily Telegraph

Zwei aktuelle Videos mit deutschen Untertiteln …

Das eine Video stammt vom US-Sender ABC und dreht sich um die Affäre Debbie Cook …

Das andere Video stammt von der australischen TodayTonight, die sich mit dem Schicksal von Shane Kelsey und dem Kinder-Straflager RPF in der Zentrale von Scientology in Sidney auseinandersetzt …

Beide Untertitel wurden von Anonymous möglich gemacht.

Fünf aktuelle Lügen von Scientology …

L. Ron Hubbard ...

Debbie Cook warf in ihrer Neujahrs-Email Scientology unter anderem vor, die eingetriebenen Gelder nur zu horten und keinerlei Werbung zu machen – David Miscavige reagierte umgehend und schaltete in den nächsten Wochen 2-minütige Werbespots in den großen US-Fernsehanstalten. Diese Spots waren z.B. während der Play-Off-Spiele der NFL genauso zu sehen, wie während der Golden Globes-Verleihung, der Miss America-Show oder bei Fernsehserien, wie Glee oder American Idol.

In „bester“ Scientology-Manier – eigentlich müsste man sagen: Hubbard-Manier – wurden während dieser 2 Minuten die wildesten Behauptungen aufgestellt. Tony Ortega von der Village Voice hat die 5 dicksten Lügen herausgepickt …

1. Scientology kennt Gott und meinte dabei sicher: persönlich – denn eine Scientologe geht davon aus, dass er letztendlich selber Gott ist bzw. sein wird, wenn er die Scientologystufen „beschreitet“.
Was man noch berücksichtigen sollte: L. Ron Hubbard hat z.B. in Bezug auf das Christentum eindeutige Statements in seinen Vorträgen und Schriften gemacht, die bis heute volle Gültigkeit haben:

„Ich weiß nicht, wie sie es fanden; entweder durch Beobachten von Verrückten oder so. Aber seither haben sie es benutzt. Und es wurde zu dem, was als Christentum bekannt ist. Der Mann am Kreuz. Es gab keinen Christus! Die Römisch-Katholische Kirche hat das theatralische Getue der Menschen beobachtet und übernahm so einige kleine Fragmente von ‘R6′” [Routine R6EW – als R6 bezeichnete Hubbard einen Teil des Reaktiven Verstandes]

„Für diejenigen unter euch, auf deren christliche Zehen ich getreten sein mag, lasst mich die Gelegenheit ergreifen, euch von einigen liebgewonnenen Mythen zu befreien. Zum Beispiel, dass der historische Jesus nicht annähernd die geheiligte Gestalt war, als die er dargestellt wurde. Er war nicht nur ein Liebhaber von Knaben und Männern, er neigte auch zu unkontrollierten Ausbrüchen von Wut und Hass.“ [OT VIII-Briefing]

„Nun gut, ich war im Himmel. Ja, ich war im Himmel. … [Der Himmel] war vollständig ausgerüstet mit Portalen, Engeln und Heiligen aus Gips sowie einer elektronischen Implantierausrüstung. Also war dort doch ein Himmel – darum seid ihr auf diesem Planeten, dazu verdammt nie wieder frei zu sein bis Scientology kam. Eine Zeitlang standen einige Leute im Widerspruch zu mir wegen meiner mangelnden Unterstützung, an einen christlichen Himmel, Gott und Christus zu glauben. Ich habe nie gesagt, dass ich nicht an einen ‘Großen Thetan’ glauben würde, aber da war wirklich etwas sehr sentimentales bezüglich Himmel und alledem. Nun muss ich mich entschuldigen. Es gab einen Himmel.“ [Routine 3 Heaven]

2. Scientology ist „das Studium der Wahrheit, in 50.000 Jahren der Weisheit, Mathematik und der Nuklearphysik ausgebreitet“. Diese Lüge ist sehr schnell aufzudecken: Hubbard studierte weniger als 2 Jahre Ingenieurswissenschaften an der George Washington University und wurde aufgrund schlechter Leistungen hinausgeschmissen. Trotzdem liebte es Hubbard, in seine Vorträge und Schriften einzuflechten, dass er einer der ersten Nuklearphysiker war – ja, es stimmt, dass Hubbard Anfang der 30-Jahre zwei Stunden an einem Kurs über Modern Physical Phenomena, Molecular and Atomic Physics teilgenommen hat. Seine Benotung war F, was im amerikanischen Benotungssystem so viel wie failed [versagt] bedeutet.

Ein Ausschnitt aus Hubbard Bewertung auf der George Washington University und das PDF des gesamten Dokuments …

Dass eine Art von Schreiben auch erst seit 6.000 Jahren bekannt ist und als Basis jeder Entwicklung angesehen werden kann, interessiert Scientology ebenfalls nicht weiter.

Aber Hubbards „Überlegung“ gingen sowieso in eine ganz andere Richtung …

Pat Broeker bei besagter Scientology-Veranstaltung ...

Pat Broeker, nach Hubbards Tod kurz neben Miscavige an der Spitze des Psychokults, zeigte deren „Ergebnis“ anlässlich einer Veranstaltung von Scientology, als er über die Scientology-Stufe OT X sprach und einen Zettel aus Hubbards „Forschung“ in die Kamera hielt – darauf eine Jahreszahl, die jene „Stelle“ beschreiben soll, wo das „Erste Geschehen“ auftrat, das von Scientology „behandelt“ werden müsste. Hier einmal der kaum lesbare Screenshot …

Tony Ortega ruinierte sich fast die Augen, als er den Screenshot entziffern wollte: er machte letztendlich eine 24 als erste Zahl und 345 Nullen aus – also: 24 Milliarden Billionen Billionen Billionen Billionen Billionen Billionen Billionen Billionen Billionen Billionen Billionen Billionen Billionen Billionen Billionen Billionen Billionen Billionen Billionen Billionen Billionen Billionen Billionen Billionen Billionen Billionen Billionen Billionen Jahre.

Ortega zeigte Screenshot und Auswertung einem befreundeten Radarsystemspezialisten – der in schallendes Gelächter ausbrach.

Hier der Link zum YouTube-Video – vielleicht kann es jemand entziffern. Kommt ca. bei Minute 3:40 …

Die dritte Lüge ist wiederum eine sehr irdische: Scientology behauptet, über mehr als 10.000 Kirchen, Missionen und Gruppen zu verfügen. Organisationen [„Kirchen“] und „Missionen“ gibt es weltweit vielleicht um die 600 Stück und nachdem nicht klar ist, was Scientology unter Gruppen alles versteht, bleibt ziemlich unklar, was damit gemeint ist.
Wenn man dann noch berücksichtigt, dass es weltweit maximal 100.000 Scientologen gibt und jede dieser rund 600 „Kirchen“ oder „Missionen“ im Durchschnitt zumindest 7 Personen bindet, wäre schon fast die Hälfte aufgebraucht.

Hier ein geleaktes Scientology-Dokument aus dem Jahr 2010, das die Anzahl der weltweiten Scientology-”Missionen” zeigt …

Ex-Scientologe Jeff Hawkins: „Wenn man sich dann ihre ‚Missionen‘ ansieht, findet man leere Gebäude oder das Wohnzimmer von jemanden.“

Ich tippe bei dieser klassischen Scientology-Übertreibung auf eine Vier- bis Zehnfachzählung – ein einzelner Scientologe ist in vier bis zehn „Gruppen“ aktiv. Und schon hat man eine tolle Zahl …

4. Scientology wächst heute schneller als jemals in ihrer Geschichte. Jeff Hawkins, der 30 Jahre in der Sea Org war, bevor er ausstieg, zeigt anhand eines einfachen Beispiels die Wirklichkeit: „Scientology ist bis Anfang der 90er-Jahre gewachsen, danach ging es bis heute kontinuierlich bergab. … Scientology hielt bzw. hält ihre Hauptveranstaltungen seit Mitte der 80er-Jahre im Shrine Auditorium in Los Angeles ab, das höchstens 6.000 Personen fasst. Seitdem kam es noch nie vor, dass die Räumlichkeiten zu klein gewesen bzw. die Zahl der Anwesenden signifikant anders gewesen wäre. Bei diesen Hauptveranstaltungen ist quasi Anwesenheitspflicht für Scientologen. Im zweiten Zentrum in den USA, in Flag, Florida, wurden bzw. werden sie in der Ruht Eckered Hall in Clearwater abgehalten – Fassungsvermögen: 1.200 Personen. Auch sie wurde noch nie zu klein.”

Diese Aussage deckt sich mit meinen Recherchen: maximal 100.000 Scientologen weltweit, wahrscheinlich sogar weniger – Tendenz: fallend.

5. Über 4,4 Millionen Menschen werden jedes Jahr willkommen geheißen. Die Zahl ist reine Propaganda und kommt wahrscheinlich u.a. so zustande: Jemand wird zum Stresstest geschleppt, kann noch kehrt machen – wird aber als eine Person gezählt, die willkommen geheißen wurde. Oder: buddhistische Mönche sitzen im Hof, plötzlich kommt ein Scientologyabgesandter, übergibt dem Abt eine Auszeichnung, die dieser – Buddhisten sind sehr freundliche Menschen – entgegennimmt. Anwesend waren 76 Mönche, was 76 plus einem Abt, ist gleich 77 Striche auf der Statistik bedeutet.

Scientologen waren und sind sehr „kreativ“ im Umgang mit Zahlen – von wem sie das wohl übernommen haben?

Abschließend noch die angesprochene 2-Minuten-Werbung von Scientology – und: aufpassen, dass man nicht auf einer Scientology-Willkommensstatistik gezählt wird, wenn man sich diese ansieht …

Und der Link zum englischen Original in der Village Voice

Fotos: Screenshots, Scientologypublikation/M. K.

Debbie Cook, Frankreich und die Konsequenz …

Scientology steht im Moment extrem unter Druck – und: wer unter Druck steht, macht Fehler!
Spätestens seit dem vernichtenden Berufungsurteil in Frankreich, in dem die erste Instanz bestätigt wurde, und der neuerlichen Anklage von Jan Eastgate in Australien, rückt das „Homeland“ von Scientology, die USA, in den entscheidenden Mittelpunkt.
Debbie Cook trat mit ihrer Neujahrs-Mail ein Lawine los, Scientology reagierte ungewöhnlich rasch und verklagte Cook wegen Vertragsbruches – Cook hatte bei ihrem Ausstieg als Mitarbeiterin der Sea Org eine „Abfindung“ von 50.000 Dollar erhalten und sich gleichzeitig verpflichtet, kein Statement oder ähnliches über Interna zu machen – und horrende Summen zu bezahlen, wenn sie es doch tat.

Der Knebelpassus im Agreement zwischen Scientology und Cook, wo die Strafsummen festgelegt sind und die Verfassung der USA ...

Der springende Punkt im Prozess wird nun sein, wie der erste Verfassungszusatz der US-Verfassung interpretiert wird – ist ein derartiger Knebelvertrag zulässig oder beschneidet er entscheidend die Rechte des Einzelnen auf eine freie Meinung?
Konkret lautet der erste Verfassungszusatz folgendermaßen: „Der Kongress darf kein Gesetz erlassen, das die Einführung einer Staatsreligion zum Gegenstand hat, die freie Religionsausübung verbietet, die Rede- oder Pressefreiheit oder das Recht des Volkes einschränkt, sich friedlich zu versammeln und die Regierung um die Beseitigung von Missständen zu ersuchen.“
Vor allem um die im Verfassungszusatz angesprochene Redefreiheit Free Speech – gegenüber der Garantie der Freien Religionsausübung wird es im Prozess gehen. Die US-Judikatur lässt Freiraum für Interpretationen und damit hängt es neben den Anwälten vom jeweiligen Richter ab, was dieser zulässt oder ablehnt.
Den ersten kleinen Sieg hat dabei Scientology errungen, indem eine Einstweilige Verfügung vom Gericht bzw. der Richterin Janet Littlejohn bestätigt wurde, die Cook eine Schweigepflicht zum Thema Prozess bzw. Scientology auferlegte – selbst ihrem Ehemann gegenüber.
Debbie Cooks Anwalt, Ray Jeffrey, wird nun versuchen, die Umstände des Zustandekommens des Knebelvertrags vor Gericht darzulegen, Scientologys Anwalt wird auf dessen Rechtmäßigkeit pochen und im ersten Schritt 300.000 Dollar von Cook verlangen – man kann gespannt sein.

Der Vollständigkeit halber nochmals das Agreement von Cook (und Wayne Baumgarten) mit Scientology …

Dazu noch einige Links: Village Voice 1, Village Voice 2, Village Voice 3 und Tampa Bay News

In seinem gestrigen Village Voice-Blog schrieb Tony Ortega über Gerry Armstrong und dessen Umgang mit den Knebelverträgen von Scientology. Armstrong war noch zu Hubbards Lebzeiten zu dessen Biograf ernannt worden, der die Sea Org fluchtartig verließ, nachdem er anhand der Originaldokumente feststellte, dass Hubbards komplette Vita ein Erfindung war – eine glatte Lüge. Scientology verklagte Armstrong auf Herausgabe der Dokumente – Armstrong hatte Kopien mitgenommen – und fand in Paul Breckenridge einen Richter, der sich der Meinung von Armstrong anschloss: „Die Organisation [Scientology] ist eindeutig schizophren und paranoid, und diese bizarre Kombination scheint ein Spiegelbild ihres Gründers zu sein. Die Beweise stellen einen Mann dar, der bezüglich seiner Geschichte, seines Hintergrundes und seiner Leistungen im Grunde ein pathologischer Lügner war. Die als Beweis vorliegenden Schriften und Dokumente zeigen zudem seinen Egoismus, seine Gier, seinen Geiz, seine Machtstreben, sowie seine Rachsucht und Aggressivität gegenüber Personen, die von ihm als treulos oder feindlich gesinnt wahrgenommen werden.“

Dann machte Gerry Armstrong den Fehler seines Lebens und verglich sich außergerichtlich mit Scientology – für 800.000 Dollar garantierte er, nie wieder ein Wort über Scientology zu sagen. Bei Zuwiderhandeln sollte er jedes Mal bis zu 50.000 Dollar bezahlen.
Scientology bzw. dessen Büro für Spezielle Angelegenheiten drangsalierte ihn vorher – und auch nachher. Irgendwann brach Armstrong sein Schweigen, wurde wie jetzt Cook von Scientology verklagt und schließlich in den finanziellen Ruin getrieben, da sich immer wieder ein Richter fand, der sich der „Rechtsmeinung“ von Scientology anschloss. Ich kenne Gerry Armstrong persönlich und mag ihn als Menschen und kann die „Umstände“ mehr als nur gut nachvollziehen – aber solange es US-Richter gibt, die der “Auffassung” von Scientology folgen, wird Scientology damit durchkommen.
Gerry Armstrong lebt heute in bescheidenen Verhältnissen in Kanada – hier ein lesenswerter Bericht der kanadischen Maisoneuve

Debbie Cook steht am Anfang dieses Weges – als erste Konsequenz ihres Mails hat sie alle scientologischen Kundenkontakte verloren, was ihrem Unternehmen schweren finanziellen Schaden einbringen wird. Auf der anderen Seite „rüsten“ Marty Rathbun und Mike Rinder zur „Schlacht“, halten sich in San Antonio auf, wo der Prozess stattfindet, und bieten sich als Zeugen an – die beiden haben seinerzeit gemeinsam mit den Scientology-Anwälten diese Knebelvereinbarung mit entworfen. Ob deren Engagement wirklich hilfreich sein wird, wage ich zu bezweifeln.

Die Chancen stehen aus Debbie Cooks Sicht – optimistisch betrachtet – momentan bei 20:80.

Sehr viel besser sieht die Situation nach dem französischen Berufungsurteil in Europa aus. Die grandiose Strategie, einerseits persönlich Betroffene aufzubieten und andererseits Scientology wegen „Kurpfuscherei“ (Reinigungsprogramm – Purification Rundown) anzuklagen, ging auf und hält hoffentlich auch beim Revisionsgericht.

Das Reinigungsprogramm (Purification Rundown) als „Einstiegsservice“ von Scientology ...

An dieser Strategie sollten sich andere europäische Nationen orientieren. In Deutschland gibt es z.B. das Oberverwaltungsgerichtsurteil von Münster, 2008, das ein wunderbares Fundament für weitere Klagen darstellen würde – hier das Urteil, in dem es darum ging, dass Scientology gegen die Beobachtung durch den Verfassungsschutz klagte und verlor …

Man wird sehen, inwieweit einzelne Politiker(innen) es ernst meinen und bereit sind, einen zugegebenermaßen langen Weg zu gehen, um Scientology in die Knie zu zwingen – die Chance dazu war noch sie groß wie jetzt …

Fotos: Wikipedia, Screenshot (2) ABC Media

Eine Polemik rund um David, Debbie, Marty und Mike …

Von links: David Miscavige, Debbie Cook, Annie Tidman, Marty Rathbun, Mike Rinder ...

Von links: David Miscavige, Debbie Cook, Annie Tidman, Marty Rathbun, Mike Rinder ...

Man hätte den Blog auch Schuld und Sühne betiteln können, aber als ich einerseits die Kommentare, Stories und Blogs rund um Debbie Cook und einen Eintrag von Tony Ortega, dem Chefredakteur der Village Voice, dazu las, war ich bei diesem Thema gelandet – aber auch bei der Frage, warum sich z.B. Annie Tidman „freiwillig“ in ihr Schicksal fügte, dass nach 19-jähriger “Verwahrung” mit dem Tod geendet hat.

In Tony Ortegas Eintrag auf Facebook ging es u.a. darum, dass er Marty Rathbun die Frage gestellt hatte, ob er sich schuldig fühle, dass er Annie Tidman nach deren Flucht aus Scientology 1992 „zurückbrachte“. Rathbun schien zu überlegen, als er dann antwortete: „Fühle ich mich schuldig? Nein, nicht wirklich. Sie hat ihre Entscheidung getroffen.“
Einer der zahlreichen Kommentatoren rief dann dazu auf, Marty Rathbun freizusprechen, da er ja so viel gegen David Miscavige unternehme usw. Auf seinem Blog nahm Rathbun schon zuvor ziemlich schwülstig Abschied von Annie Tidman: „Ich weiß ganz bestimmt, dass es ihr jetzt gut geht.“
Als ich diese Zeilen (und seinen Blog dazu) las, dachte ich mir: „Was geht in dem Mann vor, dass er solche Zeilen schreibt?“
Hier der Link dazu …
Er hat doch selbst dazu beigetragen, dass Annie 19 Jahre lang die Hölle auf Erden erlebte, indem er sie auf dem Weg zu ihrem Ehemann abfing und ins scientologische Straflager zurückbrachte?

Rund um Debbie Cook ging es mir ähnlich: Cook monierte „technische“ Abweichungen und das Horten von Millionen bei Scientology, „vergaß“ dabei, dass sie in einem großen Ausmaß an der „Beschaffung“ dieser Millionen beteiligt gewesen war.
Warum erwähnte sie mit keinem Wort, dass sie in ihrer Zeit als Captain FSO z.B. Maria Pia Gardini über eine Million Dollar abknöpfte?

Und: warum ging Annie Tidman mehr oder weniger freiwillig mit Marty Rathbun in die Gefangenschaft zurück – ich denke nicht, dass Rathbun physische Gewalt angewandt hat.

Die Antwort ist allen Fällen ganz einfach: Scientology

Ich war selbst 28 Jahre in Scientology, davon über 3 Jahre offizieller und mehrere Jahre ehrenamtlicher Mitarbeiter. Ich habe keine Aktionen wie Rathbun geliefert und die Summen, die ich Scientologen abgepresst habe, waren kleiner. Aber ich habe genügend Schaden bei anderen Menschen angerichtet, der weder durch eine Entschuldigung, noch andere „gut gemeinte“ Maßnahmen wieder gut zu machen ist.
Ich denke nicht, dass es hilfreich ist, wenn man sich die restlichen Jahre seines Lebens Asche aufs Haupt streut, den Bußgürtel noch enger schnallt und am besten unterirdisch seiner Wege geht.
Aber wo man hingelangen muss, beschreibt das Wort „Wiedergutmachung“ sehr gut – den Schaden wirklich wieder gut machen und nicht irgendwelche scientologische „Zustandsformeln“, wo das Wort auch vorkommt, aber ganz etwas anderes meint.
Das kann man bei Annie Tidman und anderen nicht mehr direkt und auch Debbie Cook hätte Schwierigkeiten, wenn sie die Million an Maria Pia Gardini zurückgeben müsste. Aber es gibt andere Wege: man kann Menschen aus Scientology helfen, man kann ihnen beistehen und man kann Zeugnis ablegen – ohne Einschränkungen.

Und das ist das Problem von Debbie (Cook), Marty (Rathbun) und Mike (Rinder) – von David (Miscavige) sowieso: sie alle sind Scientologen, die nach der scientologischen Doktrin leben und agieren. Die einen als Offizielle, die anderen als Independents.

Das ist Scientology und das macht Scientology mit und aus Menschen!

David Miscavige denkt darüber ohnehin nicht nach – unabhängig davon, was er gerade macht oder plant. Wenn er jemanden ins RPF einweist, dann macht er das, weil er „sehen“ kann, dass diese Maßnahme „das Beste für die Mehrzahl der Dynamiken ist“. Ende, aus – Hubbard hat gesprochen.
Bei Annie Tidman lief es ähnlich ab bzw. konnte Ruthban diesen „Knopf“ drücken und Annie spurte.
Ob sich bei Rathbun und Rinder heute daran etwas geändert hat?
Ich denke nicht und Rathbuns Antwort auf die Frage von Ortega demonstriert es. Beide – und wahrscheinlich auch andere ehemaligen Scientologen – sind der entscheidenden Frage bis heute ausgewichen: „Bist du Scientologe oder nicht?“
Es gibt im Leben zwar eine Menge an „Sowohl-als-auch“-Antworten, in diesem spezifischen Fall ist aber nur eine „Entweder-oder“-Antwort zulässig!
Warum eigentlich? Gönne ich den Menschen ihre persönliche Freiheit nicht, das zu sagen, was sie möchten?
Sieht man sich das von L. Ron Hubbard „gestaltete“ Scientology an, ist es letztendlich unwesentlich, ob David Miscavige oder Marty Rathbun an der Spitze von Scientology steht. Miscavige ist vielleicht etwas cholerischer als Rathbun und verprügelt daher seine Mannschaft regelmäßig – aber so unterschiedlich wäre Scientology unter Rathbun oder Rinder auch nicht. Und auch Cook wäre sicher verhaltensunauffälliger, aber würde wie Miscavige die Vorgaben von L. Ron Hubbard befolgen – und die sind von den Auswirkungen her einfach „blutig“.
Und daher stellt sich die Frage nach der persönlichen Entscheidungsfreiheit eigentlich nicht: ein faschistisches und menschenverachtendes System gibt die Antwort vor!

Ein weiteres Problem: Marty und Mike sind keine Aussteiger, auch wenn sich die Süddeutsche, Markus Lanz und andere noch so bemühen, aus ihnen welche zu machen.
Sie sind bestenfalls Umsteiger, die noch nicht einmal damit begonnen haben, für die Taten ihrer Vergangenheit wirklich Verantwortung zu übernehmen – oder über wirklich relevante Dinge zu reden!
Man bietet ihnen derart nur eine Bühne, für „ihr“ Scientology zu werben, dass sich aber nur durch die jeweilige Führungsperson – Miscavige vs. Rathbun – unterscheidet. Die „Vorgaben“ sind bei beiden die gleichen: L. Ron Hubbard.
Auf den Punkt gebracht: Rathbun kämpft nicht gegen Scientology, sondern gegen David Miscavige – und für ein Scientology ohne diesen, dafür aber mit ihm an der Spitze!

Schuld? In Scientology gibt es so etwas nicht, da man dort von der „Annahme“ ausgeht, dass jeder selbst an dem schuld ist, was ihm passiert.
Annie Tidman „wollte“ wieder zurück ins Gefängnis, Marty Rathbun war nur der Flugbegleiter, der ihr die Reisetasche trug und zu ihrem Tod konnte er nur fabulieren, dass Annie ja eine so enge Vertraute von Hubbard war und diesen in den Tod begleitete.
Ja, sie begleitete ihn – aber anders, als dies Rathbun sehen möchte!
Und Mike Rinder hat scheinbar in den langen Jahren als Chef des scientologischen Geheimdienstes Büro für Spezielle Angelegenheiten auch alles Mögliche getan, nur nichts, worüber es zu sprechen lohnt – wenn interessiert es denn schon, dass er in den letzten Jahren fast jedes Kreuzworträtsel in weniger als 11 Minute gelöst hat?

Komischerweise würden mir genug Themen und Fragen einfallen.

Aber mit den Antworten von Debbie Cook, Marty Rathbun und Mike Rinder schaut’s derweil nicht so rosig aus – sie sind Scientologen und das haben sie mit David Miscavige gemeinsam. Und damit fällt deren Antwort automatisch scientologisch aus – und damit menschenverachtend.

Fotos: Scientologypublikation, Screenshot (2), Village Voice (2)

Debbie Cook und der 50.000-Dollar-Scheck …

Debbie Cook ...

Während sich Village Voice und Tampa Bay Times über den Umstand verwundert zeigen, dass Debbie Cook von Scientology gerade wegen ihrer Brandmail verklagt wird, sieht die Sachlage bei weitem nicht so dramatisch aus – und Scientologys Reaktion war zu erwarten.

Cook arbeitete 17 Jahre lang als Chefin der Eliteeinrichtung von Scientology, Flag, und war u.a. dafür zuständig, Woche für Woche eine Million Dollar an Einnahmen zu erzielen. Tampa Bay Times hat hochgerechnet und kam auf die Gesamtsumme von mehr als 1,7 Milliarden Dollar, die Debbie Cook in den Jahren eingetrieben hat.

Danach machte sie den „Fehler“ in das unmittelbare Umfeld von David Miscavige zu wechseln und landete rasch im Straflager Rehabilitation Projekt Force (RPF) – ein „Schicksal“, das sie mit einer Reihe anderer teilt, die ebenfalls im Umfeld von Miscavige „tätig“ waren.
Und während Rathbun oder Rinder die Flucht vorzogen, ging Cook den Weg der linientreuen Scientologin – sie „routete aus“.

Das bedeutet vereinfacht erklärt: Sie absolvierte eine ganze Reihe von vorgegebenen Schritten, die u.a. Sicherheitsüberprüfungen (SecChecks) beinhalteten. Diese SecChecks sind nichts anderes als gezielte Verhöre mit dem scientologischen Lügendetektor E-Meter. Ziel dieser Routing-Form ist es, einen mehr oder weniger freundlich gestimmten Scientologen hervorzubringen, der nichts Negatives über Scientology sagt, sobald er aus Scientologys bzw. der Sea Org heraus ist – das gleiche Procedere wird auch bei Mitarbeitern aller Scientologyorganisationen „angewendet“.

Aber im Gegensatz zu anderen bekam Cook ihren Abschied mit einem 50.000 Dollar-Scheck versüßt und wenn sie dabei aufgeregt war, dann höchstens über die Summe, die ihr da entgegen lachte. Üblicherweise bekommen weder Sea Org- noch Mitarbeiter von Organisationen zum Schluss einen Scheck überreicht.

Hier das Agreement – auch Waiver genannt – zwischen Scientology und Debbie Cook bzw. ihrem Mann Wayne Baumgarten (die 50.000 Dollar-Abfindung findet sich jeweils auf Seite 3) …

Das Ganze spielte sich schon im Jahr 2007 ab – beide machten dann als sogenannte Publics in Scientology weiter – eigentlich bis heute, denn Cook betonte den Umstand, in gutem Einvernehmen mit Scientology zu sein, in ihrem Neujahrs-Mail.
Und dass bei 12.000 Empfängern irgendwer das Mail an die Presse weiterleitet, war genau so anzunehmen, wie der Umstand, dass Scientology jetzt mit der Gerichtskeule auffährt.

Aus Debbie Cook jetzt eine Dissidentin zu machen, wäre aber aus meiner Sicht ein Fehler!

Cook hat von den 1,7 Milliarden Einnahmen sicher fette Bonusse lukriert und war wahrscheinlich über die Summe von 50.000 Dollar gar nicht so erschrocken.

Aus neutraler Sicht betrachtet stellt diese Mail sicher einen wichtigen Punkt im Kampf gegen Scientology und David Miscavige dar, da derart Interna nach außen gelangen, die weiteren Einblick in die Psychosekte gewähren – und letztendlich den Untergang von beiden beschleunigen könnten.
Miscavige wird sich währenddessen in der Allerwertesten beißen, dass er Debbie Cook aus dem RPF und danach aus der Sea Org entlassen hat – wahrscheinlich hat er die „Schuldigen“ in der Causa Cook schon in’s Straflager „eingewiesen“.

Geheimnisträger werden in der Sea Org von Scientology normalerweise „verwahrt“, wenn sie nicht flüchten können oder wollen – bis sie sterben.
Es war bei Annie Tidman-Broeker so, die im Vorjahr 55-jährig an Krebs starb, während sie in den 80er-Jahren an der Seite Hubbards im Untergrund lebte und viel zu erzählen gehabt hätte – hier die Story
Ähnlich läuft es bei Michelle „Shelly“ Miscavige, Ehefrau von David Miscavige und seit 2006 verschwunden. Sie war davor eine der führenden Scientologyproponenten und wüsste auch sehr viel. Auch sie leidet an Krebs und wird „isoliert“ – hier die Story dazu …
Debbie Cook weiß auch eine Menge und man darf gespannt sein, wie sich Scientology vs. Cook weiterentwickeln wird – Village Voice und Tampa Bay Times werden darüber berichten.

Anzunehmen ist, dass sich Scientology wahrscheinlich gerichtlich durchsetzen wird – diese Waivers sind ziemlich wasserdicht – und zu hoffen ist, dass Debbie Cook beim Prozess aus dem Nähtäschchen plaudert.

Im Übrigen hält sich meine Mitleid mit ihr in Grenzen – es gibt so viele andere Menschen, die mit Scientology in der einen oder anderen Art in Berührung kamen und als einziges „Überbleibsel“ statt eines 50.000 Dollar-Schecks ein zerstörtes Leben „bekamen“!

Der Vollständigkeit halber noch die Artikel in der Village Voice und der Tampa Bay Times

Fotos: Debbie Cook-Screenshot, Tampa Bay Times