L. Ron Hubbard: Der Betrüger …

L. Ron Hubbard 1950 mit der ersten Ausgabe von „Dianetik“ ...

Der Hauptbetrug von L. Ron Hubbard besteht in der „Schaffung“ des Systems Dianetik/Scientology. Als weltweit einziges Land hat Frankreich dies nicht nur erkannt, sondern auch gerichtlich geahndet.

Am 14. Februar 1978 verurteilte die 13. Kammer der Grande Instance de Paris Hubbard zu einer Strafe von 4 Jahren Gefängnis und 35.000 Francs. Die Anklage lautete u.a.: „In Paris und auf dem Staatsgebiet Frankreichs wurden zwischen 1967 und 1976 durch betrügerische Maßnahmen oder durch Versprechungen auf einen Erfolg … von zahlreichen Personen hohe Geldsummen oder Teile von persönlichem Vermögen abgepresst.“ Da sich Hubbard nicht mehr in Frankreich blicken ließ, konnte das Urteil nicht vollstreckt werden.

2009 verurteilte die französische Justiz nunmehr Scientology und führende französische Scientologen neuerlich wegen „bandenmäßigen Betrugs“ zu Haft- und Geldstrafen – 2012 wurde dieses Urteil in zweiter Instanz bestätigt.

Begonnen hat diese Betrugsgeschichte mit einem Buch: Dianetik, die moderne Wissenschaft der geistigen Gesundheit.

Dieses Buch 1 von Scientology stellt bis heute die Grundlage für alle weiteren „Entdeckungen“ Hubbards dar – anders ausgedrückt: das bandenmäßige Betrugssystem Scientology ist ohne dieses Buch nicht vorstellbar. In den Jahren danach hat Hubbard in weiteren Schriften und Vorgaben das System erweitert.

Dieses Buch manifestiert den Gründungsmythos von Scientology – und dieser ist erlogen!

L. Ron Hubbard schrieb in Meine Philosophie: „Erblindet durch verletzte Sehnerven und gelähmt durch körperliche Verletzungen an Hüfte und Rücken, war ich am Ende des Zweiten Weltkriegs praktisch ohne Zukunft. In meinem Tauglichkeitsbericht hieß es: … ‚Körperlich für immer untauglich.’ … ich wurde von Familie und Freunden verlassen, die in mir einen scheinbar unheilbaren Krüppel und eine für sie untragbare Last bis ans Ende meiner Tage sahen. Dennoch bahnte ich mir in weniger als zwei Jahren den Weg zurück zu Tauglichkeit und Stärke, indem ich nur das anwendete, was ich über den Menschen und seine Beziehung zum Universum wusste und herausfinden konnte. Ich hatte niemanden, der mir half. Was ich wissen musste, musste ich selbst herausfinden.“

Sein Buch Dianetik schrieb er aufgrund dieses „Ereignisses“ – nur dass kein Wort davon stimmt.

Alles ein einziger Fake – ein riesiger Betrug, der bis heute währt!

Hubbard war Ende 1945 fit wie ein Turnschuh, was er gleich weidlich ausnützte, um sich umgehend der Crowley-O.T.O.-Kommune anzuschließen – die Ärzte im Oak-Knoll-Marinekrankenhaus hatten zuvor lediglich nach einem Magen-Darm-Leiden gesucht, dass sie aber nie fanden.

Krankenbericht von L. Ron Hubbard, Oak Knoll- Marinehospital, 10. September 1945

Ohne jetzt weiter auf das Buch selbst einzugehen, möchte ich drei Rezensenten aus dem Jahr 1950 bemühen, die genau dies in ihren Rezensionen taten.

Erich Fromm ...

An der Spitze stand der Philosoph, Sozialpsychologe und Psychoanalytiker Erich Fromm, der am 3. September 1950 im New York Herald Tribune Book Review unter dem Titel For Seekers of Prefabricated Happiness (Für Sucher von vorgefertigtem Glücklichsein) folgendes schrieb:

„Noch nie hatten die Menschen ein größeres Interesse an der Psychologie und der Kunst des Lebens als heute. Der Anklang, den Bücher finden, die diese Themen behandeln, ist ein Anzeichen für die ernsthafte Beschäftigung vorrangig mit den menschlichen, und weniger mit dem materiellen Aspekten des Lebens. Unter diesen Büchern finden sich einige, die das Bedürfnis nach einer rationalen Anleitung befriedigen, zugleich aber auch andere, die sich an Leser wenden, die nach einem vorfabrizierten Glück und wunderhaften Heilungen suchen. Dianetik ist das letzte in der Reihe dieser Bücher, und der Autor benutzt alle Mittel des Erfolgs mit einer erstaunlichen Leichtfertigkeit. ‚Die Schöpfung der Dianetik ist ein Meilenstein für den Menschen, der Entdeckung des Feuers vergleichbar und den Erfindungen von Rad und Bogen überlegen.‘ Der Autor beansprucht, nicht nur die ‚einzige Quelle für jede Art von Neurose, Psychose, Kriminalität und psychosomatischer Krankheit‘ entdeckt zu haben, sondern auch eine Therapie, die all diese Krankheiten heilt. ‚Dianetik heilt und sie heilt ohne zu versagen.‘

Der Autor legt eingangs eine allgemeine Theorie der Struktur des Geistes dar, um dann auf diesen Prämissen eine Theorie von seelischen Störungen und der Technik ihrer Behandlung aufzubauen.
‚Der Mensch wird einzig durch das Überleben motiviert.‘ Er überlebt zum Zwecke des Selbst, des Geschlechts, der Gruppe und der Menschheit. Jedes dieser ‚Zweckteile des umfassenden dynamischen Prinzips‘ wird eine ‚Dynamik‘ genannt. Er unterscheidet einerseits den ‚analytischen Verstand‘, ‚der Erfahrungsdaten wahrnimmt und vermerkt, um Probleme zu erörtern und zu bewältigen und den Organismus den vier Dynamiken gemäß zu steuern‘.

Andererseits unterscheidet er den ‚reaktiven Verstand‘, der physische Schmerzen und schmerzhafte Emotionen ordnet bzw. vermerkt und der danach trachtet, den Organismus ausschließlich auf der Basis des Reiz-Reaktion-Musters zu steuern. Während der analytische Verstand, der mit einer riesigen Rechenmaschine verglichen wird, in Unterscheidungen und Ähnlichkeiten denkt, denkt der reaktive Verstand einzig in Identitäten.
Der Begriff des ‚reaktiven Verstands‘ ist die Grundlage der Theorie Hubbards über geistige Krankheit und ihre Heilung. In Augenblicken intensiven physischen oder emotionalen Schmerzes ist der analytische Verstand außer Kraft gesetzt. Die Worte werden in der Gegenwart der ‚unbewussten‘ Person gesprochen und somit als ‚Engramme‘ registriert.
Diese Engramme sind dem normalen Prozess der Wiedererinnerung nicht verfügbar. Ohne sich dessen bewusst zu sein, ist die Person durch die Inhalte dieser Engramme determiniert, vergleichbar einer Person, deren posthypnotisches Verhalten durch Eingebungen motiviert ist, die ihr während der Hypnose suggeriert wurden. ‚Wenn es jemals einen Teufel gegeben hat, dann hat er den reaktiven Geist erfunden. … Er verursacht alles, was in irgendeiner Liste geistiger Krankheiten gefunden werden kann: Psychosen, Neurosen, zwanghafte Triebe, Verdrängungen. … Man kann Arthritis, Schleimbeutelentzündungen, Asthma usw. bekommen, den ganzen Katalog psychosomatischer Krankheiten. … Das Engramm ist die einzige Quelle für Abweichungen und psychosomatische Krankheiten.‘

Die dianetische Therapie geht von diesen Prämissen aus. Der (‚ungeclearte‘) Patient ist krank, weil das Engramm ihn krank macht. Wenn alle wichtigen Engramme, besonders die der pränatalen Periode, zurückgerufen werden (‚wiederkehren‘), ist der Patient für immer frei („gecleart“) von allen ‚Abweichungen‘ und dem Durchschnitt an Intelligenz überlegen. Der Therapeut (‚Auditor‘) führt diese Wiederkehr des Engramms dadurch herbei, dass er den Patienten in einen Zustand der ‚Träumerei‘ [Reverie] versetzt. ‚Während ich von eins bis sieben zähle, werden sie ihre Augen schließen. Sie werden alles, was vor sich geht, bewusst wahrnehmen.‘

Daraufhin zählt der Auditor ‚langsam, besänftigend‘, bis der Patient seine Augen schließt. Im Laufe der darauf folgenden ‚Träumerei‘ wird der Patient aufgefordert, in frühere Lebensabschnitte, sogar bis hin zum Zeitpunkt seiner Empfängnis, ‚zurückzukehren‘.

Zum Ende der Sitzung wird er dann wieder in die Gegenwart zurückgebracht. Die Engramme müssen auf diese Weise vielfach rekapituliert werden, bis sie vollständig ‚ausgelöscht‘ sind.
Trotz ihres phantastischen Anspruchs ist an der Theorie Hubbards, abgesehen von neuen Worten für eine Mixtur aus Missverständnissen, verworrenem Freudianismus und hypnotischen Regressionsexperimenten, kaum etwas original. Die wenigen Begriffe allerdings, die ‚original‘ sind, sind alarmierend.

Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn wir hören, dass der Patient die Worte wiedergibt, die der Arzt zu seiner schwangeren Mutter gesagt hat, oder auch die Worte des Vaters zu seiner Frau kurz nach der Empfängnis. Als der Rezensent diese Fallgeschichten las, war er versucht, sich zu fragen, ob der Autor eine komische Parodie über bestimmte psychiatrische Theorien und die Leichtgläubigkeit des Publikums zu schreiben beabsichtigte.

Hubbards Buch kann kaum als ein Beitrag zur Wissenschaft vom Menschen ernstgenommen werden. Ernstnehmen muss man es jedoch als Symptom eines gefährlichen Trends. Wäre es nur eine allzu sehr vereinfachte Popularisierung Freudscher Theorien, dann könnte man es als harmlos betrachten.

Aber „Dianetik“ bringt eine Geisteshaltung zum Ausdruck, die den Lehren Freuds exakt entgegensteht. Freuds Ziel war es, dem Patienten zu einem besseren Verständnis der Komplexität seines Geistes zu verhelfen. Seine Therapie basierte auf dem Konzept, dass man durch das Verstehen des eigenen Selbst sich frei machen kann von der Abhängigkeit gegenüber irrationalen Kräften, die Unglück und seelische Krankheit verursachen. Diese Vorstellung ist Teil der großen östlichen und westlichen Tradition von Buddha und Sokrates zu Spinoza und Freud.

‚Dianetik‘ zeigt hingegen weder Achtung noch Verständnis für die Komplexität der Persönlichkeit. Der Mensch ist eine Maschine und Rationalität, Werturteile, seelische Gesundheit und Glück werden durch eine Ingenieurstätigkeit erlangt. ‚In einer Ingenieurswissenschaft wie Dianetik können wir auf der Knopfdruckbasis arbeiten.‘ Nichts muss man wissen oder verstehen außer der Anwendung von Hubbards Engrammtheorie. Anerkennt jemand seine Theorie nicht, dann gibt es hierfür verborgene Motive oder er ist von einem ‚Verneiner‘ besessen.
Dies ist immer dann der Fall, wenn ‚irgend ein Engrammbefehl den Patienten glauben lässt, dass das Engramm nicht existiert‘. Alles ist überaus einfach. …

Probleme im Bezug auf Werte oder das Gewissen gibt es nicht. Wenn die Engramme gelöscht sind, hat man keine Probleme mehr. Alle großen philosophischen und religiösen Lehrer verschwendeten nur ihre Kräfte. Es gibt kein Problem, das nicht auf den Engrammbefehl zurückgeht, und an ihrem Denken ist nichts von Belang, da sie ja Hubbards Entdeckung nicht kannten. Wenn auch der Autor sagt, dass ‚die alten hinduistischen Schriften, die Werke der frühen Griechen und Römer‘, Lukrez eingeschlossen, die Arbeiten Francis Bacons, die Forschungen Darwins und einige Ideen Herbert Spencers den Hauptanteil des ‚philosophischen Hintergrunds‘ seiner Arbeit darstellen, so ist es doch schwer zu glauben: ‚Dianetik‘ zeigt gewiss nicht die Früchte einer solchen Auseinandersetzung.

Die Entdeckung, dass ‚das Überleben der einzige Zweck des Lebens‘ sei, ist sicherlich nicht Ausdruck des Geistes der ‚alten Hindus‘ oder der ‚frühen Griechen‘, sondern vielmehr der eines plumpen Biologismus, für den ethische Werte dem Zwang zum Überleben untergeordnet sind – wenn sie überhaupt noch irgendeinen Platz haben.

Der vielleicht bedauerlichste Aspekt an ‚Dianetik‘ ist aber die Art, in der es geschrieben wurde. Übermäßige Vereinfachungen, Halbwahrheiten und platte Absurditäten, die propagandistische Technik, den Leser mit der Größe, Unfehlbarkeit und Neuheit des Systems des Autors zu beeindrucken, das Versprechen beispielloser Resultate, erzielt durch die einfachen Mittel der beschriebenen ‚Dianetik‘: Diese Mixtur stellt eine Technik dar, die zu den verhängnisvollsten Ergebnissen im Bereich der Medizin oder Politik führt. Eine Anwendung auf die Psychologie und Psychiatrie wäre nicht weniger schädlich.

Meine negative Ansicht über ‚Dianetik‘ gründet nicht in der Überzeugung, dass die heutigen Methoden der Psychiatrie zufriedenstellende Lösungen bieten. Ihnen mangelt es in der Tat an neuen Ideen und Versuchen. Glücklicherweise sind sich aber viele Psychiater und Psychologen dieses Mangels bewusst und suchen nach wirkungsvolleren Zugängen zur Ebene des Unbewussten (so zum Beispiel Slesingers ‚Looking-in‘-Test). Voraussetzung muss dabei jedoch immer die Stärkung der Verantwortlichkeit des Patienten, seiner Fähigkeit zur Kritik und Einsicht, sein.“

Isidor Isaac Rabi ...

Der Physiknobelpreisträger Isidor Isaac Rabi konstatierte dem Buch von L. Ron Hubbard ganz trocken: „Das Buch beinhaltet mehr Versprechen und weniger Beweise pro Seite, als jedes andere Buch seit der Erfindung des Buchdrucks .“

Rabi weiter in seiner Rezension für den Scientific American: „Kurz gesagt: Seine These ist, dass der Mensch prinzipiell gut ist, eine perfekte Erinnerung an jeden Moment seines Leben hat und dass er intelligenter ist, als er annimmt. Wie auch immer: etwas, das ‚Engramme‘ genannt wird, verhindert, dass er dies auslebt. … Die Erfahrungen in diesen Engrammen sollen der Hauptgrund allen menschlichen Kummers, seiner psychosomatischen Krankheiten, seiner Psychosen und Neurosen, seines schlechten Erinnerungsvermögens und seiner generellen Ineffizienz sein. Wenn man nun Dianetik Reverie verwendet, die einem Hypnoseverfahren ähnelt, könne man sich an diese Engramme erinnern. …

Das System wird ohne jede Qualifikation und ohne jeden Beweis präsentiert. [Hubbard] hat sich von der Psychoanalyse, der Konditionierung nach Pavlov, Hypnose und der Volksmeinung einiges ‘geborgt’.“

Martin Gumpert ...

Der Mediziner und Schriftsteller Dr. Martin Gumpert schrieb in seiner Rezension für The New Republic am 14. August 1950 folgendes: “Es ist weniger der Inhalt dieses Buches, der nach einer Untersuchung ruft, als vielmehr seine Auswirkung auf den Verstand eines durchschnittlichen Lesers.

‚Dianetik‘ kletterte seit seiner Veröffentlichung ständig höher in der Bestsellerliste und seine Popularität ist, nächst dem spektakulären Erfolg von Buches von Velinovsky, der beängstigendste Beweis der Verwirrung des zeitgemäßen Verstandes und seiner Tendenz, pseudowissenschaftlichen Konzepten zum Opfer zu fallen.

Das Buch beginnt mit der Erklärung: ‚Die Erschaffung von Dianetik ist ein Meilenstein für die Menschen, vergleichbar mit der Entdeckung des Feuers und bedeutender als die Erfindung des Rades und Bogens‘. Dianetik, so erfahren wir (vom griechischen “dianoua” – Denken), ist die Wissenschaft des Verstandes. ‚Die verborgene Quelle von allen psychosomatischen Krankheiten und menschlicher Aberration wurde entdeckt und das Fachwissen für ihre unwiderrufliche Heilung wurde entwickelt.‘ Mit Hilfe dieser Fähigkeiten kann jedermann “Befreiung” in weniger als 20 Stunden erreichen und kann sich zu einem ‚Dianetik Clear‘ entwickeln, ein Individuum mit beträchtlich höherer Intelligenz als die übliche Norm. Einige Zeilen später erfahren wir: ‚Es ist neu, dass der gesamte dynamische Antrieb des Lebens nur Überleben ist‘.

Der Dianetik-Prophet L. Ron Hubbard, ein Bauingenieur und Science-Fiction Schreiber, enthüllte ‚als eine gesicherte wissenschaftliche Tatsache‘, dass der Mensch einheitlich und beständig gut ist. Er beansprucht ‚einen bisher nicht vermuteten Unter-Verstand‘ als eine von seinen großen Entdeckungen. Das Konzept des Unterbewussten ist durch den ‚reaktiven Verstand‘ ersetzt. Der reaktive Verstand empfängt seine Eingaben als vernetzte ‚Engramme‘ wenn der ‚bewusste‘ Verstand ‚bewusstlos‘ ist. Diese Engramme stören unsere Denkprozesse. Kein körperlicher oder emotionaler Schmerz geht je vergessen bis er durch die Dianetik-Therapie entfernt wird.

Der Dianetik-Patient ‚kehrt zurück‘ zu seinem Schmerz und verändert sich in ein Individuum voller Erinnerungen, jedoch ohne Schmerz. In einem stillen Raum ruhend fällt er in den Zustand der ‚Dianetik Reverie‘ und sein ‚Auditor‘ (jeder kann jedem anderen Auditor sein) sagt ihm, in verschiedenen Perioden seines Lebens ‚weiter zurück zu gehen als er sich erinnern kann‘, eingeschlossen seine vorgeburtliche Existenz. So reist er auf seiner ‚Zeitspur‘ zurück in den Mutterschoss und beschreibt Hindernisse auf seiner ‚Standardspeichereinheit‘, erreicht seine ‚Netzwerk-Engramme‘ und – mit ihrem erneuten Erleben – werden diese endgültig gelöscht und automatisch als ‚Standardspeicher‘ wieder gefüllt. Das Resultat dieser Behandlung ist der Dianetik-‚Clear‘, der ‚sich zum gängigen normalen Individuum so verhält, wie das gängige normale Individuum zum schwer Geisteskranken.‘

Ich muss bekennen, ich wurde noch nie mit einer dermaßen auffälligen und dreisten Mischung aus völligem Unsinn und vollständig einsichtigem gesundem Menschenverstand konfrontiert, längst bekannten Befunden entnommen, getarnt und entstellt durch eine verrückte, neu erfundene Terminologie. Am widerlichsten sind die wiederholten Behauptungen von Genauigkeit und wissenschaftlichen Versuchsverfahren, für welche jeder Beweis fehlt. Der Autor lebt fortlaufend von übernommenen Konzepten, trotzdem greift er diese gleichzeitig äußerst unfreundlich und undankbar an. Was auch immer an seinen ‚Entdeckungen‘ Sinn macht stammt nicht von ihm und seine eigene Theorie erscheint dem Kritiker als ein paranoides System, das als Teil einer Fallstudie von Interesse sein könnte, das aber als äußerst gefährlich erscheint, wenn es als therapeutische Technik zum Massenkonsum angeboten wird.

Hubbards Konzept der psychosomatischen Erkrankung ist entschieden falsch. Psychosomatische Leiden werden nicht einfach durch emotionale Störungen verursacht- Sie sind Krankheiten bei denen emotionale und organische Ursachen eng und voneinander unabhängig beteiligt sind. Der Autor macht jedoch nicht Halt bei der üblichen Gruppe bekannter psychosomatischer Krankheiten. Er verkündet (Seite 93): ‚Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wird von der Dianetik Forschung geplant, Krebs und Diabetes einzubeziehen. Es gibt einige Gründen zur Annahme, dass diese engrammisch verursacht sein könnten, insbesondere bösartiger Krebs‘. Er beschreibt, dass ‚der Pre-Clear während der Therapie eine tägliche Dosis von zehn bis zwanzig Milligrammen Vitamin B1 einnehmen sollte‘, weil er sonst Alpträume haben könnte. Und natürlich, wie jeder Führer einer Bewegung von Verrückten, verdächtigt und verdammt er Skeptiker und Ungläubige: ‚Sollte der Pre-Clear feststellen, dass jemand versucht ihn vom Beginn oder der Fortsetzung einer Dianetik-Therapie abzuhalten, sollte diese Tatsache sofort dem Auditor mitgeteilt werden. Jemand, der versucht eine Person vom Eintritt in die Therapie abzuhalten, hat entweder einen Nutzen von den Aberrationen der Person oder hat etwas zu verbergen.‘

Als Arzt habe ich keinen Nutzen von der Aberration Dianetiksüchtiger, aber ich hoffe ernsthaft, Leser des Buches davon abzuhalten, ihr Glück mit diesen Methoden zu suchen. Es gibt keinen Zweifel daran, dass viele sich Hilfe durch die neue Marotte versprechen werden und unglücklicherweise war es nur zu erwarten, dass jemand die Idee des Erfindens einer Art von Heim-Psychoanalyse aufnehmen würde. Es gibt keine Methode der Psychotherapie – wie außergewöhnlich sie auch sein mag – die nicht eine vorübergehende Wirkung in den Händen ihrer Jünger zeigen wird, die von Angst und Verzweiflung getrieben werden. Der Schaden jedoch, der durch Dianetik-Auditoren und ihre Opfer angerichtet werden könnte, sollte nicht unterschätzt werden. Hubbard meint: ‚Ein Pre-Clear sollte sich nicht entmutigen lassen oder sich darüber erschrecken lassen, sich am Dienstag Problem mit Zuckungen der Herzkranzgefäße, am Samstag von einer Migräne überschattet und am Mittwoch mit einem Husten vorzufinden … Was so durch die Therapie restimuliert wird, kann keine gefährliche Spitzen erreichen und ist von vorübergehender Dauer.‘

Das Problem des Zuckens der Herzkranzgefäße könnte ein schwerwiegender Verschluss sein, das psychosomatische Geschwür könnte ein versteckter Krebs sein und der Husten ein Tumor in der Lunge. Während der Patient seine Zeit mit Dianetik-Reverie verbringt, könnte wertvolle Zeit zur Rettung seines Lebens verloren gehen. Es könnte sich als fatal erweisen, den Versprechen dieses gefährlichen Buches zu viel Vertrauen entgegengebracht zu haben.

Die zitierten Beispiele von Dianetik-Auditing sind von ausgefallener Absurdität, speziell wenn sie sich auf das vorgeburtliche Leben des armen Patienten beziehen, auf die sexuellen Gewohnheiten seiner Mutter und Abtreibungen. Ich wünschte, es wäre hier genügend Raum um einige davon wiederzugeben. Der Kritiker, beim Untersuchen des Buches, litt an einem äußerst schmerzhaften ‚vernetzten Engramm‘ – um den Sprachgebrauch des Autors zu verwenden. Und er wünscht sich inständig, dass etwas unternommen werden könnte, um die Aktivitäten von ‚Psychotherapeuten‘ dieser Art zu verbieten. Unsere Ausbeuter der Massenängste sind eine ernste Bedrohung der öffentlichen Gesundheit.“

Die American Medical Association (AMA), Psychiater und Psychologen gingen ab 19050 gegen Dianetik, Scientology und Hubbard vor: Immer mehr Dianetiker sahen sich Anklagen wegen Kurpfuscherei gegenüber und Hubbard “reagierte”, indem er das Ganze in eine Kirche „umwandelte“.

AMA, Psychiater und Psychologen setzte Hubbard auf seine ständig größer werdende Feindesliste und „bekämpft“ sie seit damals (CCHR, KVPM). Das Betrugssystem Scientology baute er in den Jahren danach aus, David Miscavige machte es seit dessen Machtübernahme und Hubbards Tod zu einem Multimillionenapparat mit Einnahmen zwischen 200 und 400 Millionen Dollar pro Jahr …

Fotos: Nobelprize, TIME, Erich Fromm, Scientologypublikationen (2)

Debbie Cook, Frankreich und die Konsequenz …

Scientology steht im Moment extrem unter Druck – und: wer unter Druck steht, macht Fehler!
Spätestens seit dem vernichtenden Berufungsurteil in Frankreich, in dem die erste Instanz bestätigt wurde, und der neuerlichen Anklage von Jan Eastgate in Australien, rückt das „Homeland“ von Scientology, die USA, in den entscheidenden Mittelpunkt.
Debbie Cook trat mit ihrer Neujahrs-Mail ein Lawine los, Scientology reagierte ungewöhnlich rasch und verklagte Cook wegen Vertragsbruches – Cook hatte bei ihrem Ausstieg als Mitarbeiterin der Sea Org eine „Abfindung“ von 50.000 Dollar erhalten und sich gleichzeitig verpflichtet, kein Statement oder ähnliches über Interna zu machen – und horrende Summen zu bezahlen, wenn sie es doch tat.

Der Knebelpassus im Agreement zwischen Scientology und Cook, wo die Strafsummen festgelegt sind und die Verfassung der USA ...

Der springende Punkt im Prozess wird nun sein, wie der erste Verfassungszusatz der US-Verfassung interpretiert wird – ist ein derartiger Knebelvertrag zulässig oder beschneidet er entscheidend die Rechte des Einzelnen auf eine freie Meinung?
Konkret lautet der erste Verfassungszusatz folgendermaßen: „Der Kongress darf kein Gesetz erlassen, das die Einführung einer Staatsreligion zum Gegenstand hat, die freie Religionsausübung verbietet, die Rede- oder Pressefreiheit oder das Recht des Volkes einschränkt, sich friedlich zu versammeln und die Regierung um die Beseitigung von Missständen zu ersuchen.“
Vor allem um die im Verfassungszusatz angesprochene Redefreiheit Free Speech – gegenüber der Garantie der Freien Religionsausübung wird es im Prozess gehen. Die US-Judikatur lässt Freiraum für Interpretationen und damit hängt es neben den Anwälten vom jeweiligen Richter ab, was dieser zulässt oder ablehnt.
Den ersten kleinen Sieg hat dabei Scientology errungen, indem eine Einstweilige Verfügung vom Gericht bzw. der Richterin Janet Littlejohn bestätigt wurde, die Cook eine Schweigepflicht zum Thema Prozess bzw. Scientology auferlegte – selbst ihrem Ehemann gegenüber.
Debbie Cooks Anwalt, Ray Jeffrey, wird nun versuchen, die Umstände des Zustandekommens des Knebelvertrags vor Gericht darzulegen, Scientologys Anwalt wird auf dessen Rechtmäßigkeit pochen und im ersten Schritt 300.000 Dollar von Cook verlangen – man kann gespannt sein.

Der Vollständigkeit halber nochmals das Agreement von Cook (und Wayne Baumgarten) mit Scientology …

Dazu noch einige Links: Village Voice 1, Village Voice 2, Village Voice 3 und Tampa Bay News

In seinem gestrigen Village Voice-Blog schrieb Tony Ortega über Gerry Armstrong und dessen Umgang mit den Knebelverträgen von Scientology. Armstrong war noch zu Hubbards Lebzeiten zu dessen Biograf ernannt worden, der die Sea Org fluchtartig verließ, nachdem er anhand der Originaldokumente feststellte, dass Hubbards komplette Vita ein Erfindung war – eine glatte Lüge. Scientology verklagte Armstrong auf Herausgabe der Dokumente – Armstrong hatte Kopien mitgenommen – und fand in Paul Breckenridge einen Richter, der sich der Meinung von Armstrong anschloss: „Die Organisation [Scientology] ist eindeutig schizophren und paranoid, und diese bizarre Kombination scheint ein Spiegelbild ihres Gründers zu sein. Die Beweise stellen einen Mann dar, der bezüglich seiner Geschichte, seines Hintergrundes und seiner Leistungen im Grunde ein pathologischer Lügner war. Die als Beweis vorliegenden Schriften und Dokumente zeigen zudem seinen Egoismus, seine Gier, seinen Geiz, seine Machtstreben, sowie seine Rachsucht und Aggressivität gegenüber Personen, die von ihm als treulos oder feindlich gesinnt wahrgenommen werden.“

Dann machte Gerry Armstrong den Fehler seines Lebens und verglich sich außergerichtlich mit Scientology – für 800.000 Dollar garantierte er, nie wieder ein Wort über Scientology zu sagen. Bei Zuwiderhandeln sollte er jedes Mal bis zu 50.000 Dollar bezahlen.
Scientology bzw. dessen Büro für Spezielle Angelegenheiten drangsalierte ihn vorher – und auch nachher. Irgendwann brach Armstrong sein Schweigen, wurde wie jetzt Cook von Scientology verklagt und schließlich in den finanziellen Ruin getrieben, da sich immer wieder ein Richter fand, der sich der „Rechtsmeinung“ von Scientology anschloss. Ich kenne Gerry Armstrong persönlich und mag ihn als Menschen und kann die „Umstände“ mehr als nur gut nachvollziehen – aber solange es US-Richter gibt, die der “Auffassung” von Scientology folgen, wird Scientology damit durchkommen.
Gerry Armstrong lebt heute in bescheidenen Verhältnissen in Kanada – hier ein lesenswerter Bericht der kanadischen Maisoneuve

Debbie Cook steht am Anfang dieses Weges – als erste Konsequenz ihres Mails hat sie alle scientologischen Kundenkontakte verloren, was ihrem Unternehmen schweren finanziellen Schaden einbringen wird. Auf der anderen Seite „rüsten“ Marty Rathbun und Mike Rinder zur „Schlacht“, halten sich in San Antonio auf, wo der Prozess stattfindet, und bieten sich als Zeugen an – die beiden haben seinerzeit gemeinsam mit den Scientology-Anwälten diese Knebelvereinbarung mit entworfen. Ob deren Engagement wirklich hilfreich sein wird, wage ich zu bezweifeln.

Die Chancen stehen aus Debbie Cooks Sicht – optimistisch betrachtet – momentan bei 20:80.

Sehr viel besser sieht die Situation nach dem französischen Berufungsurteil in Europa aus. Die grandiose Strategie, einerseits persönlich Betroffene aufzubieten und andererseits Scientology wegen „Kurpfuscherei“ (Reinigungsprogramm – Purification Rundown) anzuklagen, ging auf und hält hoffentlich auch beim Revisionsgericht.

Das Reinigungsprogramm (Purification Rundown) als „Einstiegsservice“ von Scientology ...

An dieser Strategie sollten sich andere europäische Nationen orientieren. In Deutschland gibt es z.B. das Oberverwaltungsgerichtsurteil von Münster, 2008, das ein wunderbares Fundament für weitere Klagen darstellen würde – hier das Urteil, in dem es darum ging, dass Scientology gegen die Beobachtung durch den Verfassungsschutz klagte und verlor …

Man wird sehen, inwieweit einzelne Politiker(innen) es ernst meinen und bereit sind, einen zugegebenermaßen langen Weg zu gehen, um Scientology in die Knie zu zwingen – die Chance dazu war noch sie groß wie jetzt …

Fotos: Wikipedia, Screenshot (2) ABC Media

Das französische Scientology-Betrugsurteil im Original …

Hier das gestrige Scientology-Urteil im Original …

Oder als PDF über Link

Frankreich: Details zum Scientology-Betrugsurteil …

Das gestrige Urteil des Revisionsgerichtes in Paris, sah im Detail folgendermaßen aus:

Das Urteil der ersten Instanz, dass die Association Spirituelle de l’Eglise de Scientologie CC (ASES), das Celebrity Center, wegen bandenmäßigen Betrugs zu 400.000 Euro Geldstrafe und der Veröffentlichung des Urteils auf ihre Kosten in den französischen Zeitungen Le Monde, Le Figaro, Libération und Quest France verurteilt worden war, wurde vom Revisionsgericht bestätigt.

Das Urteil gegen den scientologischen Buchvertrieb Scientologie Espace Librarie (SEL), der ebenfalls wegen bandenmäßigen Betrugs zu 200.000 Euro Geldstrafe verurteilt worden war, wurde bestätigt.

Das Urteil gegen Alain Rosenberg, Managing Director des Celebrity Centers, der wegen bandenmäßigen Betrugs und Mittäterschaft bei der illegalen Ausübung pharmazeutischer Praktiken zu einer bedingten Haftstrafe von 2 Jahren und einer Geldstrafe von 30.000 Euro verurteilt worden war, wurde bestätigt.

Das Urteil gegen Didier Machaux, „Starverkäufer“ des Buchvertriebs, der wegen bandenmäßigen Betrugs zu einer 18-monatigen bedingten Haftstrafe und 20.000 Euro Geldstrafe verurteilt worden war, wurde bestätigt.

Das Urteil gegen Jean-Francois Valli, Verkäufer des Buchladens und Mitarbeiter des Celebrity Centers, der wegen bandenmäßigen Betrugs zu einer 18-monatigen bedingten Haftstrafe und 10.000 Euro Geldstrafe verurteilt worden war, wurde bestätigt.

Das Urteil gegen Sabine Jaquart, Präsidentin des Celebrity Centers, wurde vom Revisionsgericht wegen des Ausrufs zum bandenmäßigen Betrug und Mittäterschaft bei der illegalen Ausübung pharmazeutischer Praktiken zu einer bedingten Haftstrafe von 2 Jahren und einer Geldstrafe von 30.000 Euro verurteilt – ursprünglich war sie zu 10 Monaten Haft und 5.000 Euro Geldstrafe verurteilt worden.

Das Urteil gegen Aline Fabre, die das Reinigungsprogramm von Scientology überwachte, wurde vom Revisionsgericht wegen der Mittäterschaft bei der illegalen Ausübung pharmazeutischer Praktiken zu einer Geldstrafe von 10.000 Euro verurteilt – ursprünglich wurde sie zu 2.000 Euro Geldstrafe verurteilt.

Marie-Anne Pasturel, die in der ersten Instanz zu 1.000 Euro Geldstrafe verurteilt wurde, war während des Revisionsprozesses nicht anwesend.

Darüber hinaus wurden Rosenberg, Jaquart, Fabre und Pasturel zu einer Geldstrafe von jeweils 5.000 Euro verurteilt – zahlbar als Entschädigung an die Französische Pharmavereinigung.

Die Scientologen hatten das Urteil des Revisionsgerichts selbst nicht miterlebt: sie waren zuvor geschlossen aus dem Gerichtssaal ausgezogen, um dann danach zu monieren, dass „dieser Prozess ein Geisterprozess war!“

Alles klar?

Noch zwei Links zu DER SPIEGEL und Neue Zürcher Zeitung

Fotos: Sodahead, France Soir

Frankreich: Betrugsurteil gegen Scientology von Revisionsgericht bestätigt …

Maitre Olivier Morice, der Anwalt der französischen Anti-Sekten-Kommission UNADFI, nach der Urteilsverkündung ...

Der Revisionsprozess in Bezug auf die Verurteilung wegen bandenmäßigen Betrugs war für den November/Dezember 2011 anberaumt, das Urteil sollte am 2. Februar 2012 verkündet werden. Sehr viele Institutionen und Menschen, die mit Scientology zu tun haben, warteten mit Spannung auf die Urteilsverkündung.
Und die Spannung hat sich ausgezahlt: Das Urteil der ersten Instanz wurde bestätigt, Scientology ist damit eine Organisation, die bandenmäßigen Betrug begeht, sowie illegale Pharmapraktiken ausübt!

Kurz die Vorgeschichte: 2009 wurde Scientology und fünf ihrer führenden Mitarbeiter von einem Gericht in Frankreich zu 600.000 Geldstrafe und bedingten Haftstrafen mit einem Strafmaß von bis zu zwei Jahren wegen „bandenmäßigen Betrugs“ verurteilt. Es dauerte 10 Jahre bis es zu diesem Urteil gekommen war.
Ursprünglich hatten 6 Personen geklagt, von denen schlussendlich nur zwei übrig blieben – die restlichen vier hatten sich mit Scientology außergerichtlich „verglichen“. Durchgeführt wurde dieser „Vergleich“ von jenem Geheimdienst, der in seiner jetzigen Ausprägung Büro für Spezielle Angelegenheiten heißt.

Die Richter sahen es aber u.a. als erwiesen an, dass sich Scientology mit illegalen Mitteln bereichert hatte. Sie sollen unter anderem in den 90er Jahren eine Frau dazu „gebracht“ haben, in kurzer Zeit mehr als 21.000 Euro für Bücher, Medikamente und „Kurse zur Lebensbewältigung“ auszugeben.

Neben Scientology bestrafte das Gericht aber auch die Drahtzieher der Taten: Zwei Führungspersonen bekamen je eine zweijährige Haftstrafe auf Bewährung und müssen 30.000 Euro Geldstrafe zahlen.

Der Sektengründer Hubbard selbst wurde 1978 in Frankreich ebenfalls zu einer vierjährigen Haftstrafe und 35.000 Frank Geldstrafe verurteilt. Der Urteilsgrund war damals der gleiche wie heute: von zahlreichen Personen Geld erpresst und ihnen andererseits „Ergebnisse“ vorgegaukelt – und das Ganze unter dem Deckmantel einer „Kirche“.

Scientology ging nach der erstinstanzlichen Urteilsverkündung erwartungsgemäß in Berufung. Die beiden verbliebenen Ankläger hatten sich davor ebenfalls mit Scientology außergerichtlich „geeinigt“ und so blieb nur der Französische Verband der Pharmazie als einziger Kläger über – und obwohl die Chancen derart nicht besonders hoch waren, ließ das Revisionsgericht in Paris keinen Zweifel aufkommen: Bestätigung des Urteils!

Die verurteilten Scientologen: Alain Rosenberg, Agnes Bron und Danielle Gounord (beide vom „Büro für Spezielle Angelegenheiten“) und Eric Roux ...

Maitre Olivier Morice, der Anwalt der französischen Anti-Sekten-Kommission UNADFI, freute sich dementsprechend nach der Urteilsverkündung – und er konnte dies zu recht: „Dieses Urteil stellt einen Meilenstein in Europa dar und wird die Rechtsprechung in anderen europäischen Ländern auf eine Art und Weise beeinflussen, die noch nie dagewesen ist: Es ist das erste Mal, dass Scientology als Organisation des bandenmäßigen Betrugs schuldig gesprochen wurde. Ich denke, dass dieses Urteil den ersten Schritt in einer Reihe von nun folgenden Entscheidungen darstellt, die mit dem Verbot von Scientology enden könnten oder ihrer Auflösung!“

Das Büro für Spezielle Angelegenheiten ließ wiederum verlauten, dass Scientology nun das französische Höchstgericht, den Cour de Cassation, den Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg und die UNO (High Commissioner for Human Rights) anrufen wird – was sollten sie auch sonst sagen?
Danke, dass wir endlich als das gesehen werden, was wir sind?

Dieses Urteil ist aber auch aus einem anderen Grund wichtig: Scientology wurde nicht für spezielle Betrugsaktivitäten verurteilt, sondern für das, was man als „Tagesgeschäft“ von Scientology ansehen kann – diese Dinge passieren tagtäglich in jeder Scientologyorgansiation weltweit.

Mit anderen Worten: Dieser bandmäßige Betrug, die Erpressung, Nötigung usw. findet fortwährend statt, die illegalen Pharmapraktiken werden bei jedem scientologischen Reinigungsprogramm begangen!

Auf der anderen Seite darf man sich nicht zu früh freuen: Scientology wird alle Rechtsmittel ausschöpfen, die es gibt und daher würde ich sagen, dass mit diesem Urteil 80 Prozent des Weges zurückgelegt sind – dies restlichen 20 Prozent können es aber noch in sich haben.

Aber die Chancen stehen gut, dass der Abgrund für Scientology näher rückt!

Hier noch der Link zur Village Voice mit der gleichen Thematik …

Fotos: RFI, 2space, Monstersandcritics, Die Welt

E I L M E L D U N G : Scientologyurteil in Frankreich bestätigt …

Justizpalast in Paris ...

Der Revisionsprozess fand im vorigen November/Dezember statt, die Urteilsverkündung war für 2. Februar 2012 angesetzt – FOCUS ONLINE schreibt: „Die wichtigsten Gruppierungen der Scientology-Organisation in Frankreich sind zu einer hohen Geldstrafe wegen ‘bandenmäßigen Betrugs’ verurteilt worden. Ein Berufungsgericht bestätigte am Donnerstag in Paris ein früheres Urteil, demzufolge zwei Einrichtungen von Scientology eine Strafe von insgesamt 600 000 Euro zahlen müssen. Fünf Scientologen wurden zudem zu Geldstrafen oder Bewährungstrafen verurteilt.

Den beiden Einrichtungen – das in Paris ansässige Celebrity-Zentrum und seine Buchhandlung – war vorgeworfen worden, Anhänger in den 90er Jahren psychisch unter Druck gesetzt zu haben, um sich an ihnen zu bereichern. Der erste Prozess war durch die Strafanzeige einer Frau ins Rollen gekommen, die rund 20 000 Euro für Bücher, Medikamente und „Kommunikationskurse“ der Organisation gezahlt hatte.”

Damit ist Scientology rechtskräftig wegen „bandenmäßigen Betrugs“ und „illegaler Pharmapraktiken“ verurteilt – mehr Details in Kürze …

Foto: Fortunecity

Aktuell: Hamburg amtlich, Debbie Cook-Nachwehen und Frankreichs Schulen …

Jetzt amtlich: Eröffnung der Hamburger „Idealen Org“ am 21. Jänner 2012 ...

Mit der heutigen Verlautbarung der Behörde für Inneres in Hamburg ist es sozusagen amtlich: Die Scientologyorganisation in Hamburg wurde zur Idealen Org„Nach mühsamer Renovierung feierten die Scientologen sich und ihre modernisierte Zentrale am Domplatz und hoffen weiter auf Expansion. Das ist üblich bei Eröffnungen Idealer Orgs: Das Entree ist hübsch renoviert, standardisiert ausgestattet und viele extra angereiste Scientologen sollen zählbaren Erfolg symbolisieren. Am Samstag, den 21.01.2012, bewegten sich knapp 1.000 Scientologen im Rahmen einer Demonstration vom Gänsemarkt zum Domplatz, um dort zu feiern.“

Zusammengefasst kann man gemäß einiger Augenzeugen vor Ort sagen: Ein ziemlich mickrige Veranstaltung hat ihren Lauf genommen und die Sparversion einer Idealen Org gebracht – außer das die Scientologen der Hamburger Organisation gefahrloser die Toiletten aufsuchen können und einiges behübscht wurde, hat sich nichts verändert. Aber Scientology braucht “Erfolgserlebnisse” um jeden Preis, also wurden aus ganz Europa Scientologen angekarrt, um einen weiteren Etikettenschwindel zu feiern. Nur dass der diesmal direkt zu unterstützen ist … ;-)

Hier der Link zum Eintrag der Hamburger Behörde für Inneres

Debbie Cook ...

Nach einem ähnlichen Prinzip verfährt Scientology auch mit dem im Brand-Mail von Debbie Cook erhobenen Vorwurf, viel Geld von Scientologen abzupressen, dann aber nichts damit zu machen – außer es anzuhäufen.
Bereits voriges Wochenende kaufte Scientology bis zu 2-minütige Werbeblöcke rund um die Play-Off-Spiele der NFL, Miss America und der Verleihung der Golden Globes. Dieses Wochenende legte Scientology nach und platzierte die Spots wieder in und um quotenstarke Sendungen, wie American Idol, direkt nach den NFL-Halbfinalspielen in Fox usw.
Diese planlosen Schnellschüsse, finanziert wahrscheinlich durch weitere „Spenden“ der Scientologen kosten eine Unmenge an Geld, bringen sicher nichts (was ja gut ist), haben den Vorteil, dass man den durch Debbie Cooks E-Mail irritierten Scientologen jetzt sagen kann: “Schaut, wir werben wie die Wilden!”
Im Prinzip ein ähnliches Spiel wie die mickrige Wieder-Eröffnung der Idealen Org Hamburg.

Hier der Link zu zwei Artikeln in der Village Voice darüber – Artikel 1 und Artikel 2 – und eines dieser Scientologyfilmchen in den US-Medien …

In Frankreich wiederum hat Scientology die 44.229 Schulen ins Visier genommen, wie sie stolz auf ihrer Homepage schreiben. Sie sind in diesem Fall New Era Publications, die Buchhandlung von Scientology, deren Vize-Präsident, David Hostettler, dies auch genauso stolz über Facebook (siehe Bild) mitteilt: er arbeite an „Großem“ rund um “Ethik” und ziemlich sicher werden dafür wieder “Spenden” von Scientologen abgepresst …

Ganz konkret plant Scientology, die Schulen in Frankreich mit Werbepamphleten zuzuschütten!

Der Hintergrund liegt auf der Hand: Anfang Februar wird das Urteil des Prozesses wegen bandenmäßigen Betrugs von letztem November verkündet und wenn dieser die Haft- und Geldstrafen der ersten Instanz bestätigt, verfügt Scientology über eine „Auszeichnung“, die Stettler, Busch & Co nur schwer erklären werden können. In solchen Fällen reagiert Scientology immer gleich: Noch mehr Werbung – bezahlt von den fanatischen Parteigängern.
Hier der Link zur Originalmeldung

Betrachtet man alle drei Aktionen, würde ich meinen: sie sind hochgradig nervös, die Scientologen – die Felle beginnen ihnen immer schneller davon zu schwimmen!

Fotos: Facebook (3), Behörde für Inneres

Der Jahresrückblick 2011 – Teil 2: Die Rahmenbedingungen …

Auch in deutschsprachigen Ländern bekannt: die als Religionsparodie vom US-Physiker Bobby Henderson 2005 gegründete Religion des „Fliegenden Spagettimonster“ (FSM), deren Sympathisanten sich auch als „Pastafari“ bezeichnen, hat jetzt indirekt zur „Missionarische Kirche des Kopimismus“ in Schweden geführt ...

Man darf Scientology nicht als singuläres Phänomen bzw. Problem betrachten, sondern muss berücksichtigen, welche Rahmenbedingungen ihr die jeweiligen Länder bieten – also lohnt sich im Rahmen eines Jahresrückblicks auch ein Blick auf diese, da sie auch eine Art Vorschau ermöglichen.
In Europa blieb es 2011 relativ ruhig bzw. unauffällig. Fast alle europäischen Länder waren vor allem mit ihren jeweiligen Wirtschaftsproblemen beschäftigt und Scientology nicht wirklich ein Thema.
In Frankreich lief die Berufungsverhandlung im Prozess wegen „bandenmäßigen Betrugs“ gegen Scientology, das Urteil wird Anfang Februar 2012 erwartet – man darf gespannt sein. Nicht zu vernachlässigen sind dabei Grieboski und andere Scientology-Lobbyisten, die ganz sicher nach wie vor an der „Arbeit“ sind und es im Vorfeld des Prozesses schon geschafft haben, einen Gesetzespassus zumindest so lange zu streichen, bis dieser auf Scientology nicht mehr zur Anwendung kommen konnte – ich spreche vom Gesetz, das eine Sekte aufzulösen ist, wenn diese gerichtlich verurteilt wird – nur: Man weiß wenig bis gar nichts, wie diese agieren.
In Belgien wird zwar seit Jahren ein Prozess gegen Scientology angestrebt – allein es kam bis heute zu keiner Anklageerhebung. War auch hier Joe Griboski im Sinne von Scientology „erfolgreich“?
In Deutschland „steht“ neben der breiten Ablehnung in der Bevölkerung das Urteil des OVG in Münster aus dem Jahr 2008, das besagt, dass Scientology vom Verfassungsschutz beobachtet werden darf – hier der Link zu diesem wegweisenden Urteil. Anmerkung: Scientology hatte dagegen geklagt, dass sie vom Verfassungsschutz beobachtet wird und in zwei Instanzen verloren, wobei die Gerichte nicht aus Jux und Tollerei so entschieden haben, sondern aufgrund der vorliegenden Beweise, Schriften usw.

Die „Missionarische Kirche des Kopimismus“ und ihre heiligen Symbole „Strg+C“ und „Strg+V“ ...

In Schweden wurde zum Jahresende die Missionarische Kirche des Kopimismus als Religion anerkannt und Strg+C und Strg+V als heilige Symbole – hier ein Link dazu. Während man bei den Kopimisten Sympathie empfinden kann, sieht das bei Scientology schon anders aus, die sich die gleiche Einstellung der schwedischen Behörden zunutze machte und ihrerseits seit Anfang des Jahrhunderts als Religion anerkannt ist. Während es den einen darum geht, die (elektronische) Überwachung bzw. Belauschung als Sünde zu sehen, streben die anderen mit dem Segen der schwedischen Behörden exakt das Gegenteil an.

Alles in allem kann man bezüglich Europa aber durchaus davon sprechen, dass sich die Rahmenbedingungen 2011 weder spezifisch noch allgemein im Bezug auf Scientology besonders verändert haben – das Klima ist aus Sicht von Scientology im Verhältnis zu den Vorjahren weder freundlicher noch ab ablehnender geworden, sondern verharrt mit einigen Ausnahmen (Schweden, Ungarn, Spanien, Portugal, teilweise Italien) in der Ablehnung des Psychokults.

Ganz anders sieht es in den USA aus, wo Scientology sowieso schon ihre „Hausmacht“ vorfindet. Beim Schreiben dieser Zeile ist mir diesbezüglich ein Umstand aufgefallen, der Zufall sein mag oder aber auch nicht: Seit 2001 änderte sowohl Amerika als auch Scientology sein Gesicht.
Während George W. Bush dem Terror den Krieg erklärte, Achsen des Bösen definierte und Irak wegen Saddam Husseins Atomwaffen den Krieg erklärte, die man dann nicht fand, gab sich Scientology offensiv als Kirche, sprach von einer Psychiatrie- statt einer Terrorweltverschwörung und marschierte zwar in keine Länder ein, sondern ließ nur die „Grieboskis“ ausschwärmen.
Es geht um die Diktion, um den Inhalt – und der ist bei beiden durchaus ähnlich.
Bush & Co führten den Patriot Act ein, der u.a. uneingeschränkte Haft (Guantanamo) bei Verdacht, Erlaubnis für die CIA, auch in Amerika aktiv zu werden usw. vorsah. Barack Obama verlängerte drei Bestimmungen daraus in seiner Präsidentschaft bis 2015: sie betrafen die richterliche Generalerlaubnis des FBI zum Abhören jeglicher Kommunikationsmittel eines Terrorverdächtigen (Roving Wiretapes), den uneingeschränkten Zugriff auf geschäftliche Unterlagen und Sachvermögen (Access to Business Records and Tangible Things) und die weltweite Überwachung von Terrorverdächtigen durch Geheimdienste (Lone Wolf).
Während Obama das diesbezügliche Gesetz per Unterschriftautomaten in Kraft treten ließ – er befand sich gerade beim Weltwirtschaftstreffen Deauville 2011 -, ging er am 31. Dezember 2011 noch einen Schritt weiter: er hob den Habeas Corpus-Akt auf und schuf endgültig den uneingeschränkten Big Brother.

Kurz bevor die Silvesterraketen am Nachthimmel explodierten, signierte er den sogenannten National Defense Authorization Act (NDAA), der für 2012 nicht nur die ungeheure Summe von 662 Milliarden Dollar als Militärbudget festlegte, sondern u.a. den Zusatz, dass zukünftig das amerikanische Militär Bürger jeder Nationalität irgendwo auf der Welt ergreifen und sie ohne Gerichtsverhandlung auf unbestimmte Zeit inhaftieren darf. Dass dabei die beiden „Scientology-Kongressabgeordneten“ Ileana Ros-Lehtinen und Brad Sherman Pro stimmten, war bei einem solchen Gesetz sonnenklar – wer den 556 Seiten starken National Defense Authorization Act nachlesen möchte, hier der Link

Charles II.

Der Habeas Corpus-Akt (lat.: du sollst deinen Körper haben) beendete sozusagen das Mittelalter, als es die willkürlichen Inhaftierungen, die der König in England veranlassen konnte, verbot und 1679 unter Charles II. als Gesetz erlassen wurde, dass ein Einzelner nicht ohne richterliche Anordnung bzw. Anklage, Haftprüfungsverfahren usw. in Haft genommen werden konnte.

Genau das ist seit 1. Jänner 2012 wieder möglich – es hängt nur mehr von der Definition eines „Terroristen“ durch den jeweiligen Präsidenten der USA ab und man verschwindet auf unbestimmte Zeit in einem US-Militärgefängnis.

Dazu DER SPIEGEL, DIE ZEIT Artikel 1 und Artikel 2, INTERNATIONAL BUSINESS TIMES, die World Socialist Website (deutsch), Wikipedia, Amnesty International und ein US-Video …

Woher man das noch kennt? Von Scientology bzw. David Miscavige, dem Führer von Scientology, der im Kleinen genauso verfährt: jeder der seinem jeweiligen Vorhaben entgegensteht, wird auf unbestimmte Zeit im Rehabilitation Project Force (RPF) „entsorgt“ – bei ihm geht es nicht um den Kampf gegen Terror, sondern um jenen gegen Unterdrückerische Personen aller Art, die er ganz einfach definiert: Jeder der gegen ihn ist, ist selbstredend eine Unterdrückerische Person.
Ich weiß schon, der Vergleich von Scientology und den USA mag vielleicht etwas weit hergeholt erscheinen: ersteres ist ein verhältnismäßig kleiner Psychokult mit diktatorischen Gesetzen, das andere die Weltmacht schlechthin – ich möchte auch gar keine Verschwörungstheorien strapazieren, sondern einfach nur feststellen, was ist. Wer Lust dazu hat, kann ja weiterrecherchieren – es lohnt sich …
Und dann unterscheidet sich das Vorgehen von David Miscavige gar nicht mehr so sehr von jenem des jeweiligen US-Präsidenten: “Jeder der nicht für uns ist, ist gegen uns und wird dementsprechend ‘behandelt’, ganz zu schweigen von denen, die offen gegen uns sind oder wir dies ‘feststellen’!”

Langer Rede, kurzer Sinn und auch wenn ich jetzt auf der Schwarzen Liste der USA lande (auf der von Scientology bin ich schon die längste Zeit): In den USA existiert ein durchaus ähnliches „Denkmuster“ wie bei Scientology – und das könnte uns 2012 Sorgen bereiten …

Worum es letztendlich beiden geht?

Fotos: Anonymous, Infowars, Flickr

Aktuell: Heimtückische „Spinnenart“ von Scientology entdeckt – Teil 1 …

Scientology-Lobbyist Joe Grieboski …

Vor Weihnachten stolperte Tony Ortega von der amerikanischen Village Voice über einen Satz des Huffington Post-Bloggers Joe Grieboski, der darin monierte, dass „die Mehrheit von uns vom Horror der Verfolgung von Christen in China, Ahmadiyyas in Pakistan, Scientologen in Belgien und Muslime in Frankreich geschützt sei“.

Ortega war schon im Mai dieses Jahres auf den Autor dieser Zeilen aufmerksam geworden, als sich dieser über die israelische Verfolgung von Sekten echauffierte. Jetzt fiel dezidiert das Wort “Scientology“ und Tony Ortega recherchierte, um bereits kurz darauf einen Offenen Brief von Gerry Armstrong aus dem Jahr 2009 zutage zu fördern, in dem dieser auf die Verbindung von Scientology und Joe Grieboski hinwies.

Das nächste was Ortega tat: er kontaktierte den ehemaligen Top-Scientologen Marty Rathbun, dieser kramte in seinen Unterlagen und förderte ein OSA-Dokument aus dem Jahr 2007 zutage, in dem es um diesen Joseph K. Grieboski ging – bzw., was dieser im Auftrag von Scientology alles tun sollte.

Aber machen wir es der Reihe nach und daher einmal unkommentiert dieses Schriftstück des scientologischen Geheimdienstes Büro für Spezielle Angelegenheiten – OSA …

Und als PDF

Hier der Link zum englischen Original auf Rathbuns Seite …

Die Fortsetzung gibt’s in Teil 2 …

Fotos: Homepage J. Grieboski

Aktuell und zum Thema passend: Betrugsprozess in Frankreich, Daniel Montalvo, Lawrence Wollersheim …

Justizpalast in Paris, die „Sprecherinnen“ von Scientology in Frankreich, Agnes Bron und Danielle Gounord

Es stellt zwar einen Vorgriff in der Geschichte des Geheimdienstes von Scientology dar, aber da es einerseits aktuell ist und andererseits seine „Arbeitsweise“ zeigt, die Geschichte des Betrugsprozesses gegen Scientology in Frankreich.
2009 wurde Scientology und fünf ihrer führenden Mitarbeiter von einem Gericht in Frankreich zu 600.000 Geldstrafe und bedingten Haftstrafen mit einem Strafmaß von bis zu zwei Jahren wegen „bandenmäßigen Betrugs“ verurteilt. Es dauerte 10 Jahre bis es zu diesem Urteil kam.
Ursprünglich hatten 6 Personen geklagt, von denen schlussendlich nur zwei übrig blieben – die restlichen vier hatten sich mit Scientology außergerichtlich verglichen. Durchgeführt wurde dieser „Vergleich“ von jenem Geheimdienst, der in seiner jetzigen Ausprägung „Büro für Spezielle Angelegenheiten / OSA“ heißt, aber im Wesentlichen nur das vollzieht, was Hubbard in den 60er-Jahren festgelegt hat.
Ein weiteres interessantes Detail, das eigentlich viel mehr ist: Wenige Monate vor der Urteilsverkündung änderte sich aus nicht nachvollziehbaren Gründen die Gesetzeslage in Frankreich – bis dahin war es gesetzlich vorgeschrieben, dass Sekten im Falle einer Betrugsverurteilung automatisch aufgelöst wurden. Plötzlich war dem nicht mehr so und niemand konnte genau sagen, warum dem so war – die Gesetzesänderung war „hineingerutscht“. In einem eilig beschlossenen neuen Gesetz wurde zwar die alte Gesetzeslage wieder hergestellt – aber nicht rückwirkend. Und so hing das Damoklesschwert der Auflösung von Scientology nach dem Gerichtsurteil nicht mehr von der Decke.
Es gibt natürlich keine Beweise, aber die Optik ist mehr als nur schief – und ich glaube im Zusammenhang mit OSA sowieso nicht an Zufälle.
Scientology ging nach der Urteilsverkündung erwartungsgemäß in Berufung, die nun seit gestern in Paris läuft. Die beiden verbliebenen Ankläger haben sich mittlerweile ebenfalls mit Scientology außergerichtlich „geeinigt“ und so blieb nur der Französische Verband der Pharmazie als einziger Kläger über – man kann damit rechnen, dass der Prozess in Frankreich niedergeschlagen und so enden wird, wie viele Prozesse gegen Scientology zuvor: ohne Ergebnis.
Der scientologische Geheimdienst versteht es – man muss das wirklich so sehen und sagen – meisterhaft, am schwächsten Punkt jedes Gerichtsprozesses anzusetzen: und das sind in der Regel die Kläger oder Personen, die aufgrund eines Gutachtens die Anklage stützen.
Es war im Fall „Lisa McPherson“ so, als die Ärztin der US-Autopsiebehörde Jahre später den Totenschein von „Unbekannte Todesursache“ auf „Unfall“ änderte und der Richter daraufhin den Prozess einstellte, in dem u.a. David Miscavige angeklagt war, und es war in vielen ähnlichen Fällen so.
Immer wurden Aussagen geändert oder zurückgezogen.
Der letzte diesbezügliche Fall geschah gerade jetzt in den USA, wo Daniel Montalvo sich ebenfalls mit Scientology verglich und den angestrengten Prozess nicht weiterverfolgte.

Daniel Montalvo, Lawrence Wollersheim

Montalvo war in Scientology aufgewachsen und 19-jährig aus Scientology geflüchtet. Nach seiner Flucht aus der scientologischen Sea Org strengte er einen Prozess gegen Scientology an, in dem u.a. folgende Tatbestände zur Sprache kamen: Ihm war verboten worden, eine reguläre Schule zu besuchen – während seiner Kindheit musste er zwischen 40 und 100 Stunden pro Woche für einen Wochenlohn zwischen 35 und 50 Dollar arbeiten – er arbeitete ohne entsprechende Arbeitserlaubnis und wurde darüber hinaus für „schlechte Produktion“ zwischen 2008 und 2010 immer wieder bestraft usw.
Alles lief auf einen Prozess wegen Kinderarbeit, Nötigung, seelischer Grausamkeit usw. hinaus – bis sich Montalvo verglich und der Prozess eingestellt wurde.
Der bislang Einzige, der sein Verfahren bis zu einem Urteil durchgehalten hat, war Lawrence Wollersheim. Von 1969 bis 1980 Mitglied von Scientology bzw. der „Sea Org“, klagte Wollersheim Scientology wegen „vorsätzlicher seelischer Schädigung“ – und bekam 2002 nicht nur recht, sondern letztlich auch eine Entschädigung in der Gesamthöhe von 8,6 Millionen Dollar zugesprochen.
22 lange Jahre hatte Scientology bzw. deren Geheimdienst – zu Beginn hieß er noch „Guardians Office“, dann „Büro für Spezielle Angelegenheiten“ – alles versucht, um ein Urteil zu vermeiden bzw. einen außergerichtlichen Vergleich zu erreichen. Wollersheim hielt in jeder Beziehung durch und erreichte das Urteil.
Wobei es Scientology auch im Wollersheim-Prozess gelungen ist, eine Untersuchung des Gesamtsystems zu vermeiden und nur über das Schicksal einer Einzelperson gerichtet wurde.
Die Mitarbeiter des Guardians Office bzw. Büro für spezielle Angelegenheiten hatten und haben die Worte Hubbards im Ohr, wenn sie gegen „Feinde“ vorgehen – und jeder ist automatisch ein Feind, wenn er sich gegen Scientology ausspricht: „Machen Sie es den Angreifern die ganze Zeit über hart und dornenreich!“
Eine Heerschar von Anwälten, Privatdetektiven usw. wird in Gang gesetzt, wenn Scientology etwas als Angriff empfindet. Ist eine andere „Befriedung“ nicht möglich, wird der Einzelne unter Druck gesetzt, um einen außergerichtlichen Vergleich zuzustimmen. Wie dieser Vergleich jeweils aussieht, ist in den wenigsten Fällen bekannt – man kann ihn sich aber vorstellen: Größere Geldsummen werden vielleicht in die Hand genommen, vor allem Ex-Scientologen haben noch Angehörige in der Sekte und werden vielleicht mit diesem Umstand erpresst usw.
Die dann z.B. als Pressesprecher auftretenden Mitglieder des Geheimdienstes geben sich danach ganz unschuldig, freuen sich darüber, dass dieses „Schandurteil“ nicht zustande kam und wiederholen gebetsmühlenartig, wie toll Scientology nicht für die Menschheit sei.
So wird es wahrscheinlich auch am 12. Dezember 2011 sein, jenem Tag, an dem das Pariser Gericht ein bzw. kein Urteil verkünden wird.
Ich hoffe, dass ich mich irre – aber ich kenne die „Arbeit“ von Scientologys Geheimdienst …

Fotos: Village Voice (2), Werner, DPA