Der Hauptbetrug von L. Ron Hubbard besteht in der „Schaffung“ des Systems Dianetik/Scientology. Als weltweit einziges Land hat Frankreich dies nicht nur erkannt, sondern auch gerichtlich geahndet.
Am 14. Februar 1978 verurteilte die 13. Kammer der Grande Instance de Paris Hubbard zu einer Strafe von 4 Jahren Gefängnis und 35.000 Francs. Die Anklage lautete u.a.: „In Paris und auf dem Staatsgebiet Frankreichs wurden zwischen 1967 und 1976 durch betrügerische Maßnahmen oder durch Versprechungen auf einen Erfolg … von zahlreichen Personen hohe Geldsummen oder Teile von persönlichem Vermögen abgepresst.“ Da sich Hubbard nicht mehr in Frankreich blicken ließ, konnte das Urteil nicht vollstreckt werden.
2009 verurteilte die französische Justiz nunmehr Scientology und führende französische Scientologen neuerlich wegen „bandenmäßigen Betrugs“ zu Haft- und Geldstrafen – 2012 wurde dieses Urteil in zweiter Instanz bestätigt.
Begonnen hat diese Betrugsgeschichte mit einem Buch: Dianetik, die moderne Wissenschaft der geistigen Gesundheit.
Dieses Buch 1 von Scientology stellt bis heute die Grundlage für alle weiteren „Entdeckungen“ Hubbards dar – anders ausgedrückt: das bandenmäßige Betrugssystem Scientology ist ohne dieses Buch nicht vorstellbar. In den Jahren danach hat Hubbard in weiteren Schriften und Vorgaben das System erweitert.
Dieses Buch manifestiert den Gründungsmythos von Scientology – und dieser ist erlogen!
L. Ron Hubbard schrieb in Meine Philosophie: „Erblindet durch verletzte Sehnerven und gelähmt durch körperliche Verletzungen an Hüfte und Rücken, war ich am Ende des Zweiten Weltkriegs praktisch ohne Zukunft. In meinem Tauglichkeitsbericht hieß es: … ‚Körperlich für immer untauglich.’ … ich wurde von Familie und Freunden verlassen, die in mir einen scheinbar unheilbaren Krüppel und eine für sie untragbare Last bis ans Ende meiner Tage sahen. Dennoch bahnte ich mir in weniger als zwei Jahren den Weg zurück zu Tauglichkeit und Stärke, indem ich nur das anwendete, was ich über den Menschen und seine Beziehung zum Universum wusste und herausfinden konnte. Ich hatte niemanden, der mir half. Was ich wissen musste, musste ich selbst herausfinden.“
Sein Buch Dianetik schrieb er aufgrund dieses „Ereignisses“ – nur dass kein Wort davon stimmt.
Alles ein einziger Fake – ein riesiger Betrug, der bis heute währt!
Hubbard war Ende 1945 fit wie ein Turnschuh, was er gleich weidlich ausnützte, um sich umgehend der Crowley-O.T.O.-Kommune anzuschließen – die Ärzte im Oak-Knoll-Marinekrankenhaus hatten zuvor lediglich nach einem Magen-Darm-Leiden gesucht, dass sie aber nie fanden.
Ohne jetzt weiter auf das Buch selbst einzugehen, möchte ich drei Rezensenten aus dem Jahr 1950 bemühen, die genau dies in ihren Rezensionen taten.
An der Spitze stand der Philosoph, Sozialpsychologe und Psychoanalytiker Erich Fromm, der am 3. September 1950 im New York Herald Tribune Book Review unter dem Titel For Seekers of Prefabricated Happiness (Für Sucher von vorgefertigtem Glücklichsein) folgendes schrieb:
„Noch nie hatten die Menschen ein größeres Interesse an der Psychologie und der Kunst des Lebens als heute. Der Anklang, den Bücher finden, die diese Themen behandeln, ist ein Anzeichen für die ernsthafte Beschäftigung vorrangig mit den menschlichen, und weniger mit dem materiellen Aspekten des Lebens. Unter diesen Büchern finden sich einige, die das Bedürfnis nach einer rationalen Anleitung befriedigen, zugleich aber auch andere, die sich an Leser wenden, die nach einem vorfabrizierten Glück und wunderhaften Heilungen suchen. Dianetik ist das letzte in der Reihe dieser Bücher, und der Autor benutzt alle Mittel des Erfolgs mit einer erstaunlichen Leichtfertigkeit. ‚Die Schöpfung der Dianetik ist ein Meilenstein für den Menschen, der Entdeckung des Feuers vergleichbar und den Erfindungen von Rad und Bogen überlegen.‘ Der Autor beansprucht, nicht nur die ‚einzige Quelle für jede Art von Neurose, Psychose, Kriminalität und psychosomatischer Krankheit‘ entdeckt zu haben, sondern auch eine Therapie, die all diese Krankheiten heilt. ‚Dianetik heilt und sie heilt ohne zu versagen.‘
Der Autor legt eingangs eine allgemeine Theorie der Struktur des Geistes dar, um dann auf diesen Prämissen eine Theorie von seelischen Störungen und der Technik ihrer Behandlung aufzubauen.
‚Der Mensch wird einzig durch das Überleben motiviert.‘ Er überlebt zum Zwecke des Selbst, des Geschlechts, der Gruppe und der Menschheit. Jedes dieser ‚Zweckteile des umfassenden dynamischen Prinzips‘ wird eine ‚Dynamik‘ genannt. Er unterscheidet einerseits den ‚analytischen Verstand‘, ‚der Erfahrungsdaten wahrnimmt und vermerkt, um Probleme zu erörtern und zu bewältigen und den Organismus den vier Dynamiken gemäß zu steuern‘.
Andererseits unterscheidet er den ‚reaktiven Verstand‘, der physische Schmerzen und schmerzhafte Emotionen ordnet bzw. vermerkt und der danach trachtet, den Organismus ausschließlich auf der Basis des Reiz-Reaktion-Musters zu steuern. Während der analytische Verstand, der mit einer riesigen Rechenmaschine verglichen wird, in Unterscheidungen und Ähnlichkeiten denkt, denkt der reaktive Verstand einzig in Identitäten.
Der Begriff des ‚reaktiven Verstands‘ ist die Grundlage der Theorie Hubbards über geistige Krankheit und ihre Heilung. In Augenblicken intensiven physischen oder emotionalen Schmerzes ist der analytische Verstand außer Kraft gesetzt. Die Worte werden in der Gegenwart der ‚unbewussten‘ Person gesprochen und somit als ‚Engramme‘ registriert.
Diese Engramme sind dem normalen Prozess der Wiedererinnerung nicht verfügbar. Ohne sich dessen bewusst zu sein, ist die Person durch die Inhalte dieser Engramme determiniert, vergleichbar einer Person, deren posthypnotisches Verhalten durch Eingebungen motiviert ist, die ihr während der Hypnose suggeriert wurden. ‚Wenn es jemals einen Teufel gegeben hat, dann hat er den reaktiven Geist erfunden. … Er verursacht alles, was in irgendeiner Liste geistiger Krankheiten gefunden werden kann: Psychosen, Neurosen, zwanghafte Triebe, Verdrängungen. … Man kann Arthritis, Schleimbeutelentzündungen, Asthma usw. bekommen, den ganzen Katalog psychosomatischer Krankheiten. … Das Engramm ist die einzige Quelle für Abweichungen und psychosomatische Krankheiten.‘
Die dianetische Therapie geht von diesen Prämissen aus. Der (‚ungeclearte‘) Patient ist krank, weil das Engramm ihn krank macht. Wenn alle wichtigen Engramme, besonders die der pränatalen Periode, zurückgerufen werden (‚wiederkehren‘), ist der Patient für immer frei („gecleart“) von allen ‚Abweichungen‘ und dem Durchschnitt an Intelligenz überlegen. Der Therapeut (‚Auditor‘) führt diese Wiederkehr des Engramms dadurch herbei, dass er den Patienten in einen Zustand der ‚Träumerei‘ [Reverie] versetzt. ‚Während ich von eins bis sieben zähle, werden sie ihre Augen schließen. Sie werden alles, was vor sich geht, bewusst wahrnehmen.‘
Daraufhin zählt der Auditor ‚langsam, besänftigend‘, bis der Patient seine Augen schließt. Im Laufe der darauf folgenden ‚Träumerei‘ wird der Patient aufgefordert, in frühere Lebensabschnitte, sogar bis hin zum Zeitpunkt seiner Empfängnis, ‚zurückzukehren‘.
Zum Ende der Sitzung wird er dann wieder in die Gegenwart zurückgebracht. Die Engramme müssen auf diese Weise vielfach rekapituliert werden, bis sie vollständig ‚ausgelöscht‘ sind.
Trotz ihres phantastischen Anspruchs ist an der Theorie Hubbards, abgesehen von neuen Worten für eine Mixtur aus Missverständnissen, verworrenem Freudianismus und hypnotischen Regressionsexperimenten, kaum etwas original. Die wenigen Begriffe allerdings, die ‚original‘ sind, sind alarmierend.
Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn wir hören, dass der Patient die Worte wiedergibt, die der Arzt zu seiner schwangeren Mutter gesagt hat, oder auch die Worte des Vaters zu seiner Frau kurz nach der Empfängnis. Als der Rezensent diese Fallgeschichten las, war er versucht, sich zu fragen, ob der Autor eine komische Parodie über bestimmte psychiatrische Theorien und die Leichtgläubigkeit des Publikums zu schreiben beabsichtigte.
Hubbards Buch kann kaum als ein Beitrag zur Wissenschaft vom Menschen ernstgenommen werden. Ernstnehmen muss man es jedoch als Symptom eines gefährlichen Trends. Wäre es nur eine allzu sehr vereinfachte Popularisierung Freudscher Theorien, dann könnte man es als harmlos betrachten.
Aber „Dianetik“ bringt eine Geisteshaltung zum Ausdruck, die den Lehren Freuds exakt entgegensteht. Freuds Ziel war es, dem Patienten zu einem besseren Verständnis der Komplexität seines Geistes zu verhelfen. Seine Therapie basierte auf dem Konzept, dass man durch das Verstehen des eigenen Selbst sich frei machen kann von der Abhängigkeit gegenüber irrationalen Kräften, die Unglück und seelische Krankheit verursachen. Diese Vorstellung ist Teil der großen östlichen und westlichen Tradition von Buddha und Sokrates zu Spinoza und Freud.
‚Dianetik‘ zeigt hingegen weder Achtung noch Verständnis für die Komplexität der Persönlichkeit. Der Mensch ist eine Maschine und Rationalität, Werturteile, seelische Gesundheit und Glück werden durch eine Ingenieurstätigkeit erlangt. ‚In einer Ingenieurswissenschaft wie Dianetik können wir auf der Knopfdruckbasis arbeiten.‘ Nichts muss man wissen oder verstehen außer der Anwendung von Hubbards Engrammtheorie. Anerkennt jemand seine Theorie nicht, dann gibt es hierfür verborgene Motive oder er ist von einem ‚Verneiner‘ besessen.
Dies ist immer dann der Fall, wenn ‚irgend ein Engrammbefehl den Patienten glauben lässt, dass das Engramm nicht existiert‘. Alles ist überaus einfach. …
Probleme im Bezug auf Werte oder das Gewissen gibt es nicht. Wenn die Engramme gelöscht sind, hat man keine Probleme mehr. Alle großen philosophischen und religiösen Lehrer verschwendeten nur ihre Kräfte. Es gibt kein Problem, das nicht auf den Engrammbefehl zurückgeht, und an ihrem Denken ist nichts von Belang, da sie ja Hubbards Entdeckung nicht kannten. Wenn auch der Autor sagt, dass ‚die alten hinduistischen Schriften, die Werke der frühen Griechen und Römer‘, Lukrez eingeschlossen, die Arbeiten Francis Bacons, die Forschungen Darwins und einige Ideen Herbert Spencers den Hauptanteil des ‚philosophischen Hintergrunds‘ seiner Arbeit darstellen, so ist es doch schwer zu glauben: ‚Dianetik‘ zeigt gewiss nicht die Früchte einer solchen Auseinandersetzung.
Die Entdeckung, dass ‚das Überleben der einzige Zweck des Lebens‘ sei, ist sicherlich nicht Ausdruck des Geistes der ‚alten Hindus‘ oder der ‚frühen Griechen‘, sondern vielmehr der eines plumpen Biologismus, für den ethische Werte dem Zwang zum Überleben untergeordnet sind – wenn sie überhaupt noch irgendeinen Platz haben.
Der vielleicht bedauerlichste Aspekt an ‚Dianetik‘ ist aber die Art, in der es geschrieben wurde. Übermäßige Vereinfachungen, Halbwahrheiten und platte Absurditäten, die propagandistische Technik, den Leser mit der Größe, Unfehlbarkeit und Neuheit des Systems des Autors zu beeindrucken, das Versprechen beispielloser Resultate, erzielt durch die einfachen Mittel der beschriebenen ‚Dianetik‘: Diese Mixtur stellt eine Technik dar, die zu den verhängnisvollsten Ergebnissen im Bereich der Medizin oder Politik führt. Eine Anwendung auf die Psychologie und Psychiatrie wäre nicht weniger schädlich.
Meine negative Ansicht über ‚Dianetik‘ gründet nicht in der Überzeugung, dass die heutigen Methoden der Psychiatrie zufriedenstellende Lösungen bieten. Ihnen mangelt es in der Tat an neuen Ideen und Versuchen. Glücklicherweise sind sich aber viele Psychiater und Psychologen dieses Mangels bewusst und suchen nach wirkungsvolleren Zugängen zur Ebene des Unbewussten (so zum Beispiel Slesingers ‚Looking-in‘-Test). Voraussetzung muss dabei jedoch immer die Stärkung der Verantwortlichkeit des Patienten, seiner Fähigkeit zur Kritik und Einsicht, sein.“
Der Physiknobelpreisträger Isidor Isaac Rabi konstatierte dem Buch von L. Ron Hubbard ganz trocken: „Das Buch beinhaltet mehr Versprechen und weniger Beweise pro Seite, als jedes andere Buch seit der Erfindung des Buchdrucks .“
Rabi weiter in seiner Rezension für den Scientific American: „Kurz gesagt: Seine These ist, dass der Mensch prinzipiell gut ist, eine perfekte Erinnerung an jeden Moment seines Leben hat und dass er intelligenter ist, als er annimmt. Wie auch immer: etwas, das ‚Engramme‘ genannt wird, verhindert, dass er dies auslebt. … Die Erfahrungen in diesen Engrammen sollen der Hauptgrund allen menschlichen Kummers, seiner psychosomatischen Krankheiten, seiner Psychosen und Neurosen, seines schlechten Erinnerungsvermögens und seiner generellen Ineffizienz sein. Wenn man nun Dianetik Reverie verwendet, die einem Hypnoseverfahren ähnelt, könne man sich an diese Engramme erinnern. …
Das System wird ohne jede Qualifikation und ohne jeden Beweis präsentiert. [Hubbard] hat sich von der Psychoanalyse, der Konditionierung nach Pavlov, Hypnose und der Volksmeinung einiges ‘geborgt’.“
Der Mediziner und Schriftsteller Dr. Martin Gumpert schrieb in seiner Rezension für The New Republic am 14. August 1950 folgendes: “Es ist weniger der Inhalt dieses Buches, der nach einer Untersuchung ruft, als vielmehr seine Auswirkung auf den Verstand eines durchschnittlichen Lesers.
‚Dianetik‘ kletterte seit seiner Veröffentlichung ständig höher in der Bestsellerliste und seine Popularität ist, nächst dem spektakulären Erfolg von Buches von Velinovsky, der beängstigendste Beweis der Verwirrung des zeitgemäßen Verstandes und seiner Tendenz, pseudowissenschaftlichen Konzepten zum Opfer zu fallen.
Das Buch beginnt mit der Erklärung: ‚Die Erschaffung von Dianetik ist ein Meilenstein für die Menschen, vergleichbar mit der Entdeckung des Feuers und bedeutender als die Erfindung des Rades und Bogens‘. Dianetik, so erfahren wir (vom griechischen “dianoua” – Denken), ist die Wissenschaft des Verstandes. ‚Die verborgene Quelle von allen psychosomatischen Krankheiten und menschlicher Aberration wurde entdeckt und das Fachwissen für ihre unwiderrufliche Heilung wurde entwickelt.‘ Mit Hilfe dieser Fähigkeiten kann jedermann “Befreiung” in weniger als 20 Stunden erreichen und kann sich zu einem ‚Dianetik Clear‘ entwickeln, ein Individuum mit beträchtlich höherer Intelligenz als die übliche Norm. Einige Zeilen später erfahren wir: ‚Es ist neu, dass der gesamte dynamische Antrieb des Lebens nur Überleben ist‘.
Der Dianetik-Prophet L. Ron Hubbard, ein Bauingenieur und Science-Fiction Schreiber, enthüllte ‚als eine gesicherte wissenschaftliche Tatsache‘, dass der Mensch einheitlich und beständig gut ist. Er beansprucht ‚einen bisher nicht vermuteten Unter-Verstand‘ als eine von seinen großen Entdeckungen. Das Konzept des Unterbewussten ist durch den ‚reaktiven Verstand‘ ersetzt. Der reaktive Verstand empfängt seine Eingaben als vernetzte ‚Engramme‘ wenn der ‚bewusste‘ Verstand ‚bewusstlos‘ ist. Diese Engramme stören unsere Denkprozesse. Kein körperlicher oder emotionaler Schmerz geht je vergessen bis er durch die Dianetik-Therapie entfernt wird.
Der Dianetik-Patient ‚kehrt zurück‘ zu seinem Schmerz und verändert sich in ein Individuum voller Erinnerungen, jedoch ohne Schmerz. In einem stillen Raum ruhend fällt er in den Zustand der ‚Dianetik Reverie‘ und sein ‚Auditor‘ (jeder kann jedem anderen Auditor sein) sagt ihm, in verschiedenen Perioden seines Lebens ‚weiter zurück zu gehen als er sich erinnern kann‘, eingeschlossen seine vorgeburtliche Existenz. So reist er auf seiner ‚Zeitspur‘ zurück in den Mutterschoss und beschreibt Hindernisse auf seiner ‚Standardspeichereinheit‘, erreicht seine ‚Netzwerk-Engramme‘ und – mit ihrem erneuten Erleben – werden diese endgültig gelöscht und automatisch als ‚Standardspeicher‘ wieder gefüllt. Das Resultat dieser Behandlung ist der Dianetik-‚Clear‘, der ‚sich zum gängigen normalen Individuum so verhält, wie das gängige normale Individuum zum schwer Geisteskranken.‘
Ich muss bekennen, ich wurde noch nie mit einer dermaßen auffälligen und dreisten Mischung aus völligem Unsinn und vollständig einsichtigem gesundem Menschenverstand konfrontiert, längst bekannten Befunden entnommen, getarnt und entstellt durch eine verrückte, neu erfundene Terminologie. Am widerlichsten sind die wiederholten Behauptungen von Genauigkeit und wissenschaftlichen Versuchsverfahren, für welche jeder Beweis fehlt. Der Autor lebt fortlaufend von übernommenen Konzepten, trotzdem greift er diese gleichzeitig äußerst unfreundlich und undankbar an. Was auch immer an seinen ‚Entdeckungen‘ Sinn macht stammt nicht von ihm und seine eigene Theorie erscheint dem Kritiker als ein paranoides System, das als Teil einer Fallstudie von Interesse sein könnte, das aber als äußerst gefährlich erscheint, wenn es als therapeutische Technik zum Massenkonsum angeboten wird.
Hubbards Konzept der psychosomatischen Erkrankung ist entschieden falsch. Psychosomatische Leiden werden nicht einfach durch emotionale Störungen verursacht- Sie sind Krankheiten bei denen emotionale und organische Ursachen eng und voneinander unabhängig beteiligt sind. Der Autor macht jedoch nicht Halt bei der üblichen Gruppe bekannter psychosomatischer Krankheiten. Er verkündet (Seite 93): ‚Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wird von der Dianetik Forschung geplant, Krebs und Diabetes einzubeziehen. Es gibt einige Gründen zur Annahme, dass diese engrammisch verursacht sein könnten, insbesondere bösartiger Krebs‘. Er beschreibt, dass ‚der Pre-Clear während der Therapie eine tägliche Dosis von zehn bis zwanzig Milligrammen Vitamin B1 einnehmen sollte‘, weil er sonst Alpträume haben könnte. Und natürlich, wie jeder Führer einer Bewegung von Verrückten, verdächtigt und verdammt er Skeptiker und Ungläubige: ‚Sollte der Pre-Clear feststellen, dass jemand versucht ihn vom Beginn oder der Fortsetzung einer Dianetik-Therapie abzuhalten, sollte diese Tatsache sofort dem Auditor mitgeteilt werden. Jemand, der versucht eine Person vom Eintritt in die Therapie abzuhalten, hat entweder einen Nutzen von den Aberrationen der Person oder hat etwas zu verbergen.‘
Als Arzt habe ich keinen Nutzen von der Aberration Dianetiksüchtiger, aber ich hoffe ernsthaft, Leser des Buches davon abzuhalten, ihr Glück mit diesen Methoden zu suchen. Es gibt keinen Zweifel daran, dass viele sich Hilfe durch die neue Marotte versprechen werden und unglücklicherweise war es nur zu erwarten, dass jemand die Idee des Erfindens einer Art von Heim-Psychoanalyse aufnehmen würde. Es gibt keine Methode der Psychotherapie – wie außergewöhnlich sie auch sein mag – die nicht eine vorübergehende Wirkung in den Händen ihrer Jünger zeigen wird, die von Angst und Verzweiflung getrieben werden. Der Schaden jedoch, der durch Dianetik-Auditoren und ihre Opfer angerichtet werden könnte, sollte nicht unterschätzt werden. Hubbard meint: ‚Ein Pre-Clear sollte sich nicht entmutigen lassen oder sich darüber erschrecken lassen, sich am Dienstag Problem mit Zuckungen der Herzkranzgefäße, am Samstag von einer Migräne überschattet und am Mittwoch mit einem Husten vorzufinden … Was so durch die Therapie restimuliert wird, kann keine gefährliche Spitzen erreichen und ist von vorübergehender Dauer.‘
Das Problem des Zuckens der Herzkranzgefäße könnte ein schwerwiegender Verschluss sein, das psychosomatische Geschwür könnte ein versteckter Krebs sein und der Husten ein Tumor in der Lunge. Während der Patient seine Zeit mit Dianetik-Reverie verbringt, könnte wertvolle Zeit zur Rettung seines Lebens verloren gehen. Es könnte sich als fatal erweisen, den Versprechen dieses gefährlichen Buches zu viel Vertrauen entgegengebracht zu haben.
Die zitierten Beispiele von Dianetik-Auditing sind von ausgefallener Absurdität, speziell wenn sie sich auf das vorgeburtliche Leben des armen Patienten beziehen, auf die sexuellen Gewohnheiten seiner Mutter und Abtreibungen. Ich wünschte, es wäre hier genügend Raum um einige davon wiederzugeben. Der Kritiker, beim Untersuchen des Buches, litt an einem äußerst schmerzhaften ‚vernetzten Engramm‘ – um den Sprachgebrauch des Autors zu verwenden. Und er wünscht sich inständig, dass etwas unternommen werden könnte, um die Aktivitäten von ‚Psychotherapeuten‘ dieser Art zu verbieten. Unsere Ausbeuter der Massenängste sind eine ernste Bedrohung der öffentlichen Gesundheit.“
Die American Medical Association (AMA), Psychiater und Psychologen gingen ab 19050 gegen Dianetik, Scientology und Hubbard vor: Immer mehr Dianetiker sahen sich Anklagen wegen Kurpfuscherei gegenüber und Hubbard “reagierte”, indem er das Ganze in eine Kirche „umwandelte“.
AMA, Psychiater und Psychologen setzte Hubbard auf seine ständig größer werdende Feindesliste und „bekämpft“ sie seit damals (CCHR, KVPM). Das Betrugssystem Scientology baute er in den Jahren danach aus, David Miscavige machte es seit dessen Machtübernahme und Hubbards Tod zu einem Multimillionenapparat mit Einnahmen zwischen 200 und 400 Millionen Dollar pro Jahr …
Fotos: Nobelprize, TIME, Erich Fromm, Scientologypublikationen (2)


























